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09.12.15 / 12:15
Zahnmedizin

Die vier Regeln gegen Karies

Karies stoppen, heilen und verhindern - ohne zu bohren? Klar geht das, sagen Forscher der Universität Sydney. Wenn man diese vier Regeln beachtet.



Selbst ist der Zahn: Bohren ist Oldschool, sagen australische Forscher und setzen stattdessen auf das präventiv ausgerichtete "Caries Management System". alexmat46-Fotolia

Karies kann angehalten, geheilt und verhindert werden - und zwar ohne den traditionellen 'fill and drill"-Ansatz, sagt der Hauptautor der Studie, Prof. Wendell Evans von der Universität Sydney.

Konkret: Zahnärztliche Vorsorge kann den Bedarf an Füllungen 30 bis 50 Prozent reduzieren: "Füllungen sind für Patienten unnötig - einfach weil sie bei einer Vielzahl kariöser Defekte gar nicht erforderlich sind”, sagt Evans, der in seiner Arbeit Studien, die in den vergangenen 50 Jahren zu dem Thema erstellt wurden, vergleicht. Seine eigene Arbeit zeige auf, dass eine Richtungsänderung in der heutigen Kariesbehandlung notwendig ist. Evans fordert daher: "Die zahnärztliche Praxis in Australien muss sich ändern!"

Laut Evans belegt die Studie, dass ein präventiver Ansatz große Vorteile im Vergleich zur aktuellen Praxis hat: “Lange glaubte man, dass Karies ein schnell wachsendes Phänomen sei und die beste Art der Behandlung, Defekte früh zu erkennen und sofort zu entfernen, um Hohlräume zu verhindern. Nach dem Entfernen der Karies wurde der betroffene Zahn dann mit einem Füllungsmaterial wiederhergestellt. Aber: Karies entwickelt sich viel langsamer, als man dachte!"

Karies entwickelt sich langsamer als gedacht!

So dauere es im Durchschnitt vier bis acht Jahre bis sich die Karies von der Außenschicht des Zahns bis zur inneren Schicht durchfrisst. Evans: "Das ist viel Zeit, um die Krankheit zu erkennen und zu behandeln, bevor eine Höhle entsteht, die eine Füllung verlangt."

Evans und sein Team entwickelten im Rahmen ihres "Caries Management Systems" (CMS) eine Vier-Punkte-Regel, mit der Karies aus ihrer Sicht gestoppt und sogar geheilt werden kann:

  1. Der Zahnarzt trägt im Frühstadium einen konzentrierten Fluoridlack auf die kariöse Stelle auf. Der Lack härtet und schützt den Zahn.
  2. Der Patient sollte zu Hause besonders gut auf die Zahnpflege achten und sich regelgerecht die Zähne putzen.
  3. Der Patient sollte zwischen den Mahlzeiten auf zuckerhaltige Snacks und Getränke verzichten.
  4. Der betroffene Zahn muss im Rahmen einer risikospezifischen Recalls regelmäßig kontrolliert werden.

Die Methode wurde Evans zufolge zuerst bei Risikopatienten im Krankenhaus erfolgreich angewandt: Die frühe Karies konnte bei den Probanden demnach erfolgreich gestoppt und sogar geheilt werden, so dass der Bedarf an Füllungen drastisch reduziert wurde. Evans: "Ein Zahn sollte nur gebohrt und gefüllt werden, wenn auch ein wirkliches Loch im Zahn zu sehen ist!"

Nicht sofort zum Bohrer greifen!

Verschiedene Praxen im Südosten Australiens führten die Methode sieben Jahre lang durch. Das Ergebnis: Die Zahl der Patienten, die eine Füllung erhielten, ging um 30 bis 50 Prozent zurück. Dank der alternativen Methode behandelten die Ärzte einen frühen Zahnverfall auch ohne zu bohren.

“Die Patienten begrüßen natürlich die gesunkene Kariesgefahr und den reduzierten Bedarf an Füllungen", sagt Evans. "Doch spielt der Patient bei dieser Behandlung eine wichtige Rolle. Deshalb wird diese Methode nur erfolgreich sein, wenn zwischen Zahnärzten und Patienten eine Partnerschaft entsteht."

R. Wendell Evans, Paula Clark, Nan Jia, The Caries Management System: are preventive effects sustained postclinical trial? Article first published online: 7 DEC 2015 DOI: 10.1111/cdoe.12204, Community Dentistry and Oral Epidemiology


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