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02.03.16 / 10:58
Zahnmedizin

"Drei Millimeter Stiftlänge macht keinen Sinn"

Zur Rekonstruktion endodontisch behandelter Zähne mit ausgedehnten koronalen Defekten bietet sich ein Stiftaufbau an. Welche Kriterien dabei entscheidend sind, erklärte "Stiftexperte" Prof. Dr. Michael Naumann auf dem 30. Berliner Zahnärztetag.



Prof. Dr. Michael Naumann referierte auf dem 30. Berliner Zahnärztetag zum Thema "Stiftaufbauten - kurz oder lang? Glasfaser, Metall oder Keramik?" "Eine Stiftlänge von drei Millimetern macht keinen Sinn", sagte er. In diesem Fall würden Kompositzapfen den gleichen Zweck erfüllen. dg

Stiftaufbauten mit einer Länge von mindestens fünf bis sechs Millimeter sind am besten geeignet, um die Belastbarkeit zu gewährleisten, sagte Naumann, der am 26. Februar ein Referat zum Thema "Stiftaufbauten - kurz oder lang? Glasfaser, Metall oder Keramik?" hielt. Zudem sei das Risiko einer Perforationen bei dieser Stiftlänge geringer im Vergleich zu längeren Ausführungen (10 Millimeter). "Eine Stiftlänge von drei Millimetern macht keinen Sinn", sagte er. In diesem Fall erfüllten Kompositzapfen den gleichen Zweck.

Bei der Wahl der Stiftlänge sollte man wissen, welchen Belastungen Stiftaufbauten ausgesetzt sind. "Im Seitenzahnbereich wirken Kaulasten von 400 bis 600 Newton in Richtung der Zahnachse. Das ist unproblematisch. Das Problem ist die sogenannte Schräge Auflast und die damit wirkende Schwerkraft im Frontzahnbereich. Das Risiko für mechanisches Versagen ist hier deshalb besonders hoch, obwohl die absoluten Kaukräfte geringer sind", erklärte Naumann. Auch der Substanzverlust beeinflusse die Überlebensrate eines endodontisch behandelten Zahns.

Das sei sowohl koronal als auch im Endodont der Fall. "Je mehr ein Zahn aufbereitet wird, desto deformierbarer wird er", stellte Naumann fest. Untersuchungen hätten belegt, dass die Deformierbarkeit des Zahns bei Aufbereitung des Stiftbettes für ein zylindrisches Stiftsystem signifikant ansteigt. Bei konischen Stiftsystemen sei der Anstieg niedriger. Naumann plädiert daher für eine konische Stiftversorgung, die adhäsiv erfolgen sollte, damit durch den Klebeverbund eine innere Versteifung erreicht werden kann. 

Glasfaser, Metall oder Keramik?

Die Wiederversorgbarkeit von Glas- oder Quarzfaserstiften sei besser als bei gegossenen und konfektionierten metallischen Stiften. Allerdings seien die Unterschiede zwischen Glasfaserstiften und keramischen Aufbaustiften gering. Hinsichtlich des zweiten Faktors, der Belastbarkeit, sind die gegossenen Aufbaustifte klar vorn. Nichtsdestotrotz spricht sich Naumann für Glasfaserstifte aus, weil sie klare Vorteile aufweisen wie zum Beispiel Revidierbarkeit, keine Korrision, leichte Nachbearbeitbarkeit, gute ästhetische Ergebnisse und dentinähnlicheres Elastizitätsmodul als alle anderen Stiftmaterialien.

Insbesondere in Bezug auf gegossene Aufbaustifte wies er auf das Problem der Entfernung von untersichgehenden Bereichen hin, die ein unnötiges Substanzopfer bedeuten. Ferner sei eine Abformung und ein Provisorium nötig. Letzteres könne sich lösen, zur Reinfektion des Endodonts führen oder durch ein unglückliches Zubeißen zur vertikalen Wurzelfraktur führen. Hinzu kämen erhöhte Kosten.

Außerdem beleuchtete Naumann die aktuelle Datenlage zur Versorgung endodontisch behandelter Zähnen. Der Kasten zeigt die Ergebnisse im Überblick.



 



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