Hanna Hergt
05.05.15 / 14:51
Zahnmedizin

Drittmittel: Fluch oder Segen?

Die Zuckerindustrie beeinflusst die Präventionsforschung. Fluch oder Segen? Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin, Prof. Dr. Carolina Ganß hält nichts von solchen Verallgemeinerungen.



Engelchen und Teufelchen: Ob die Industrie Studien mittragen sollte, wird kontrovers diskutiert. Die einen finden Drittmittel legitim, die anderen fürchten Einflussnahme. Präventivzahnmedizinerin Prof. Dr. Carolina Ganß hält nichts von derartigen Pauschalurteilen. Fotolia- jr casas

Die Zuckerindustrie finanziert laut Verbraucherschützern Studien, die einen Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Schäden und Zuckerkonsum infrage stellen. Welche Rolle spielt die Zuckerindustrie in der zahnmedizinischen Forschung?

Prof. Dr. Carolina Ganß: Wir sehen gegenwärtig nicht, dass die Zuckerindustrie die zahnmedizinische Forschung im europäischen Kontext nennenswert beeinflusst. Die Industrie für Mundpflegemittel engagiert sich weitaus stärker, indem sie etwa Projekte und Gesellschaften finanziell unterstützt oder fördert. Aber man muss das differenziert betrachten: Wenn es keine industriegeförderte Forschung in der Medizin gäbe, sähe es trübe aus. Natürlich hat die Industrie auch ihre Interessen, aber auf der anderen Seite trägt sie zur Forschungslandschaft bei.

Es ist immer eine Gratwanderung, unabhängig mit Industriemitteln zu forschen oder sich beeinflussen zu lassen. Aber diese Zusammenarbeiten generell für schlecht zu erklären, finde ich nicht angemessen. Zudem gibt es heute auch Kontrollmechanismen, die Bestechungspolitik der Firmen einzudämmen oder klinische Studien über Registeranmeldungen zu prüfen. Das Problembewusstsein hat zugenommen.

Die Zuckerindustrie hat mit ihrer Lobbyarbeit eine Ampel für Lebensmittel verhindert - und ihr eigenes, weitaus undurchsichtigeres, Modell der Nährwertkennzeichnung durchgesetzt. Ist nun die Politik in der Pflicht, etwa gesüßte Lebensmittel zu besteuern?

Mir geht das zu weit. Es ist immer schwierig, tatsächlich abzugrenzen, welches Getränk ungesund und besteuerungswürdig ist oder welches man als geschmackstragendes Produkt zu sich nehmen kann. Das Problem ist eher, dass wir eine Kultur haben, in der wir schnell noch irgendwie etwas essen und weniger selber kochen wollen, das lösen solche regulatorischen Instrumente nicht. Diese werden dann doch umgangen und durch neue Vermarktungsstrategien oder Produktkonstellationen konterkariert. 

Zigaretten beispielsweise sind durch die Besteuerung ziemlich teuer. Der hohe Preis hat aber lange Zeit nicht dazu geführt, dass die Leute weniger rauchen. Erst bestimmte Maßnahmen, etwa im öffentlichen Raum nicht mehr zu rauchen, und Aufklärungskampagnen haben den Nikotinkonsum eingedämmt. So ähnlich sehe ich das bei der Ernährung. Es bringt mehr, die Bevölkerung darüber aufzuklären, warum es gesünder ist, Speisen selbst zuzubereiten als Fertignahrungsmittel zu essen.


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