ck
18.10.16 / 13:50
Zahnmedizin

ERGO versteigert HKP ihrer Mitglieder

Die ERGO Direkt pfeift auf den mündigen Patienten: Ungefragt stellt sie offenbar den HKP ihrer Versicherten auf 2te-ZahnarztMeinung.de ein und drängt ihnen Billigangebote auf. Die Krankenkasse soll das "vergiftete Serviceangebot" unverzüglich einstellen, fordert nun der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, in einem gepfefferten Brief an den ERGO-Vorsitzenden Peter Stockhorst.



Die ERGO-Hauptverwaltung in Düsseldorf: Offenbar über den Kopf der Patienten hinweg bietet die Krankenversicherung die HKP auf einem Auktionsportal an. ERGO

Wenn Kunden der ERGO Direkt einen Heil- und Kostenplan zuschicken, werden sie anscheinend mit einem ganz speziellen "Service" beglückt: Die Versicherung stellt demnach ungefragt die Informationen aus dem HKP auf dem Auktionsportal 2te-ZahnarztMeinung.de ein. Die Versicherten, die in der Regel mit ihrem Zahnarzt den Therapieplan vorher abgesprochen haben, erhalten demzufolge plötzlich per Post vermeintlich günstigeren Angebote. Und damit sie auch wirklich darauf eingehen, verspricht ihnen die Krankenkasse 50 Euro für die Teilnahme an einem "Beratungsgespräch" mit dem bietenden Zahnarzt, rügt die Bundeszahnärztekammer.

"Stellen Sie dieses vergiftete Serviceangebot ein!"

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel hat in seinem Brief an den Ergo-Vorsitzenden Peter Stockhorst deutliche Worte für dieses Vorgehen gefunden: "Das ungefragte Vorausfüllen der Anfrage bei 2te-ZahnarztMeinung.de in Kombination mit dem Versprechen, dem Versicherungsnehmer 50 Euro für das Aufsuchen eines anderen Zahnarztes zahlen zu wollen, setzt den Versicherungsnehmer unangemessen unter Druck. Die Bundeszahnärztekammer appelliert daher an Sie, dieses vergiftete Serviceangebot kritisch zu hinterfragen und im Ergebnis einzustellen."

Ohne Frage, sei es das gute Recht des Patienten, sich bei einem weiteren Zahnarzt eine echte zweite Meinung einzuholen, bescheinigt Engel, ein anonymes Bewertungsportal sei dazu aber völlig ungeeignet.

"Zahnärztliche Therapieentscheidungen sind höchst komplex", schreibt Engel. Auktionsportale für Zahnersatz reduzierten die zahnmedizinische Versorgung jedoch auf den Preis und seien damit nicht geeignet, Hilfestellung zu geben, da der mitsteigernde Zahnarzt ein Angebot abgibt, ohne den Patienten zu kennen und ohne ihn selbst untersucht zu haben.

"Wenn Sie die geplanten zahnprothetischen Versorgungen Ihrer Versicherungsnehmer in einer internetbasierten, auktionsähnlichen Bieterbörsen versteigern, dann nehmen Sie in Kauf, dass damit die Regeln der zahnärztlichen Wissenschaft verletzt werden", rügt Engel.


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können
Werblicher Inhalt