Mohamed Mekhemar
24.10.16 / 15:00
Zahnmedizin

Gingivale Stammzellen: die Zukunft der PAR-Therapie?

Ein Team der Kieler Universitätszahnklinik untersucht gingivale Stammzellen - konkret geht es bei der Forschung um die Wechselbeziehung zwischen den Zellen und der PAR-Entzündung sowie der Regeneration.




Stand der Forschung

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung des Zahnhalteapparats, die mit einem fortschreitenden Abbau der zahntragenden Gewebe einhergeht und unbehandelt zu Zahnverlust führt. Da das parodontale Ligament im Zusammentreffen von Zellen ektodermalen und mesenchymalen Ursprungs während der Zahnentwicklung entsteht, ist der Verlust des Zahnhalteapparats auch nach erfolgreicher anti-entzündlicher Therapie nicht durch spontane Heilung reversibel [Matuliene et al., 2008].

Schon seit über 25 Jahren wird die Hypothese vertreten, dass eine vollständige Regeneration parodontaler Gewebe nur über die Präsenz multipotenter Zellen zu erklären ist [Melcher, 1985], eine Aussage die durch den Einsatz mesenchymaler Stammzellen (MSCs) in mehreren grundlegenden Studien gestützt wurde [Fawzy El-Sayed and Dorfer, 2016; Fawzy El-Sayed et al., 2015; Bartold et al., 2006]

Unsere Stammzellforschungsgruppe an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Christian-Albrechts Universität zu Kiel hat erfolgreich in mehreren Studien gingivale Stammzellen (G-MSCs) nach unserem patentierten minimal invasiven Verfahren (DE102010025294B9) isoliert und ihr parodontalregeneratives Potenzial im Tierversuch gezeigt [Fawzy El-Sayed et al., 2015; El-Sayed et al., 2012].

Aufgrund der anatomischen Besonderheit des Zahnhalteapparats und der ständigen Präsenz eines oralen Biofilms gilt zumindest auf molekularer Ebene eine Entzündung während des Regenerationsprozesses als regelhaft. Somit determiniert die gegenseitige Beeinflussung von Entzündungs- und Regenerationsprozessen das therapeutische Ergebnis [Sodek and Overall, 1992; Grossi et al., 1996; Filbin, 2006; Fawzy-El-Sayed et al., 2015].

Zu den wichtigsten Zellsignalwegen der Entzündung in Bezug auf Parodontitis zählt der Toll-Like Rezeptor-Signalweg. Toll-like-Rezeptoren (TLRs) sind Strukturen des angeborenen Abwehrsystems und dienen der Erkennung von Krankheitserregern, wie orale Viren, Pilze und Bakterien Y [Fawzy-El-Sayed et al., 2015]. Zu den wichtigsten Liganden der TLRs gehören das bakterielle Flagellin und die in virulenten gramnegativen Bakterien vorkommenden Endotoxine (Lipopolysaccharide, LPS).

Ziel der Untersuchung

Das Ziel dieser Forschungsarbeit war, das Expressionsprofil aller Toll-Like-Rezeptoren (TLRs) gingivaler Stammzellen in entzündungsfördernden und entzündungsfreien Umfeldern auf molekularer Ebene zu evaluieren. Dazu wurde untersucht, wie eine entzündungsbedingte Veränderung der TLRs das Verhalten der gingivalen Stammzellen bei möglichen Einsätzen in mikroorganismenreiche Milieus der Mundhöhle variieren könnte.


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