Dr. Peter Stiefelhagen
02.04.14 / 11:20
Zahnmedizin

Halitosis: meist odontogen

Mundgeruch macht einsam. Aber nur in den wenigsten Fällen kommt er aus dem Magen. Am häufigsten sind intraorale Ursachen.



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Die Abklärung von Mundgeruch ist eine schwierige und zugleich undankbare Aufgabe für den Gastroenterologen; denn in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle liegt die Ursache im Mundbereich und nicht im Magen-Darm-Trakt. „Eine echte Halitosis liegt dann vor, wenn die Intensität deutlich über der sozial verträglichen Akzeptanz liegt“, sagte Dr. Almuth Trebst von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln.

Wenn ein vermeintlicher Mundgeruch von anderen gar nicht wahrgenommen wird, spricht man von einer Pseudo-Halitosis, die in Einzelfällen sogar zu einer Halitophobie ausarten kann. Jeder Vierte leide zumindest gelegentlich unter sozial inkompatiblen Mundgeruch, was jedoch meist noch physiologisch sei.

Verantwortlich sind flüchtige Schwefelverbindungen

Verantwortlich für den störenden Mundgeruch sind vorrangig flüchtige Schwefelverbindungen in der Ausatemluft, die wie faule Eier riechen. Sehr viel seltener sind andere Gase, die einen Geruch wie bei Fleischfäulnis oder Verwesung bedingen. Kofaktoren sind Stress, reduzierter Speichelfluss, Mundatmung, Zungenpiercing, einseitige Ernährung insbesondere stark vermehrter Fleischkonsum und Rauchen, Alkohol und Kaffee.

In fast 90 Prozent der Fälle liegt die Ursache in der Mundhöhle, das heißt, der Mundgeruch entsteht durch die bakterielle Zersetzung organischer Materialien in der Mundhöhle, vor allem durch Anaerobier. „Am häufigsten sind Beläge am Zungenrücken die Auslöser“, sagt Trebst. Andere Ursachen sind Karies, Parodontitis, mangelhafte Mundhygiene, Infektionen und Tumore im Mundbereich. Mit einer Häufigkeit von fünf bis acht Prozent folgen Erkrankungen aus dem HNO-Bereich wie Tonsillitis, Tonsillolithen, Sinusitis, Fremdkörper und Polypen.

Keine Indikation für Gastroskopie

Nur in weniger als 0,1 Prozent der Fälle liegt eine gastrointestinale Ursache vor. Dazu gehören die Kardiainsuffizienz, der gastro-ösophageale Reflux und Ösophagusdivertikel. „Die Bedeutung des Heliobacter pylori (H.p.) ist umstritten, bisher gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass er beim Mundgeruch eine Rolle spielt“, erläutert Trebst. Es ist deshalb nicht sinnvoll, wenn keine anderen Symptome vorliegen, nach ihm zu fahnden beziehungsweise eine Eradikation vorzunehmen.

Trebst: „Mundgeruch allein ist auch keine Indikation für eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie.“ Patienten, bei denen H.p. eradiziert wurden, zeigten langfristig nämlich keine Verbesserung bezüglich des Mundgeruchs, das heißt, nach Beendigung der Antibiose kam der Mundgeruch sofort wieder. Dies spricht dafür, dass nur die antibiotische Wirkung auf die Bakterien in der Mundhöhle den Mundgeruch beeinflusst.

Zu den seltenen systemische Ursachen gehören der Diabetes mellitus sowie hepatische und renale Erkrankungen. Aber auch Medikamente wie Eisenpräparate, Antihypertensiva, Antidepressiva und Antipsychotika können Mundgeruch hervorrufen.

Die richtige Therapie

Doch was kann man gegen den störenden Mundgeruch machen? Entscheidend sind eine intensive Zahnpflege und Mundhygiene, wozu auch der tägliche Einsatz von Zahnseide und die tägliche Zungenreinigung gehören. Sinnvoll sind auch Mundspüllösungen mit Gurgeln, zuckerfreie Kaugummis, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ein ballaststoffreiches Frühstück und weniger Alkohol und Kaffee.

Unser Autor Dr. Peter Stiefelhagen bezieht sich auf den Vortrag von Dr. Almuth Trebst, den sie auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung Ende März in Dortmund hielt.


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