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16.01.17 / 11:57
Zahnmedizin

Implantate bei starken Rauchern

Eine Studie aus China hat den Erfolg von Zahnimplantaten bei schweren Rauchern im Unterkiefer im ersten Jahr untersucht: Selbst bei erfolgreicher Insertion heilen die Knochen schlechter - weil langsamer - ein.



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Forscher an der angeschlossenen Klinik der Xi'an Jiaotong Universität in Xi'an, China, untersuchten jetzt, wie gut bei schweren Rauchern mit fehlenden Molaren im Unterkiefer die Knochen nach dem Eingriff heilten und implantiertes Gewebe angenommen wurde.

Ziel dieser Studie war, die Implantatstabilität und die periimplantäre Gewebereaktion bei schweren Rauchern, die Zahnimplantate im teilweise zahnlosen hinteren Unterkiefer erhielten, zu bewerten. 45 ITI Straumann Zahnimplantate wurden in die teilweise zahnlose hintere Unterkiefer von 16 schweren männlichen Rauchern und 16 Nichtrauchern platziert.

Die inserierten Implantate  wurden hinsichtlich der Implantatstabilität nach der Operation und vor der Belastung ausgewertet. Zudem wurde der modifizierte Plaqueindex (mPLI), der modifizierte Sulcusblutungsindex (mSBI), die Sondierungstiefe (PD) und der marginalen Knochenverlust (MBL) nach der Belastung bestimmt. Darüber hinaus wurde die osteogene Fähigkeit anhand von Kiefermarkproben, die von Patienten gesammelt wurden, über einen in vitro-Mineralisierungstest bewertet.

In beiden Gruppen sank der Implantatstabilitätsquotient (ISQ) direkt nach der OP und erhöhte sich nach zwei Wochen wieder. Allerdings unterschieden sich die ISQ 3, 4, 6 und 8 Wochen postoperativ zwischen Nichtrauchern und starken Rauchern signifikant. Spätestens am Ende der 12. Woche nach der OP erreichten jedoch alle Implantate eine Osseointegration ohne Komplikationen.

Nach 6 bis 12 Monaten nach der Belastung waren der MBL und die PD bei schweren Rauchern signifikant höher als bei Nichtrauchern, während sich der mSBI und der mPLI nicht signifikant unterschieden. Die einjährige kumulative Erfolgsquote der Implantate betrug für beide Gruppen 100 Prozent.

Gemäß der Einschränkungen der vorliegenden klinischen Studie (kleine Samples und kurze Studiendauer) beeinflusst schweres Rauchen den Autoren zufolge nicht die kumulative Überlebensrate von Zahnimplantaten, die im hinteren Unterkiefer bei männlichen Patienten platziert wurden. Jedoch verschlechtert schweres Rauchen die Knochenheilung in der Implantatumgebung aufgrund der verminderten Heilungsgeschwindigkeit.

Diese Ergebnisse deuten demnach an, dass es von Bedeutung sein kann, bei Rauchern den richtigen Zeitpunkt auszuwählen, um die inserierten Implantate zu belasten. Darüber hinaus fördert schweres Rauchen den Verlust des marginalen Knochens und die Weiterentwicklung von Zahntaschen. Weitere klinische Studien mit größeren Patientenpopulationen sind geboten, um die Ergebnisse über eine längere Studiendauer zu bestätigen. Chirurgen müssten möglicherweise ihre Standardtherapie bei Patienten, die stark rauchen, ändern. Umgekehrt müssten sich Raucher bewusst sein, dass ihre Sucht zu weiteren Komplikationen führen kann, selbst nachdem die Implantate sicher eingebracht worden sind.

Sun C1, Zhao J1, Jianghao C1, Hong T1, Effect of Heavy Smoking on Dental Implants Placed in Male Patients Posterior Mandibles: A Prospective Clinical Study, in: Journal of Oral Implantology, Vol. 42, No. 6, 2016, is now available at http://joionline.org/doi/full/10.1563/aaid-joi-D-16-00078.


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