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10.02.17 / 10:30
Zahnmedizin

Kariesdiagnostik mithilfe von Biolumineszenz

Wie kann eine Kariesaktivität adäquat beurteilt werden? Dieser Frage ist die Arbeitsgruppe um Prof. Anahita Jablonski-Momeni nachgegangen - und hat überprüft, ob sich das Biolumineszenzverfahren dafür eignet.




Eine Diagnose der Zahnkaries umfasst neben der Erfassung der Veränderung und ihrer Ausdehnung auch die Entscheidung über eine mögliche Aktivität der Läsion. Zur Beurteilung der Kariesaktivität werden primär visuell-taktile Kriterien herangezogen, mit deren Hilfe die Wahrscheinlichkeit beziehungsweise Tendenz zur Progression einer kariösen Läsion abgeschätzt wird.

Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni, Oberärztin am Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abteilung für Kinderzahnheilkunde der Philipps-Universität Marburg, hat mit ihrer Arbeitsgruppe untersucht, ob eine Karies eine Aktivität aufweist und innerhalb einer kurzen Zeit eine Progressionstendenz zeigen kann. Ziel der Studie war, die Fähigkeit eines neuartigen digitalen Verfahrens zur Bestimmung der Läsionsaktivität mittels Biolumineszenzverfahren (Calcivis® Caries Activity Imaging System) zu überprüfen.

Material und Methode

Für die Studie wurden extrahierte menschliche Seitenzähne verwendet. Je Messpunkt wurde
die Ausdehnung und die Aktivität der Läsion nach zwei bekannten visuellen Kriterien (NYVAD et al. und ICDAS) klassifiziert. Alle Messpunkte wurden mit dem Calcivis System digital erfasst. Vor den Messungen vermischten die Wissenschaftler ein Protein in Pulverform mit destilliertem Wasser und zogen es mithilfe einer Kanüle in einen Applikator auf.

Dieser Applikator wurde in das Calcivishandstück, das gleichzeitig als Kamera eingesetzt wurde, eingefügt und die Aufnahme erstellt. Das so entstandene Bild wurde auf das Vorliegen einer Aktivität (blaue Felder im Bereich des Messpunkts) beurteilt. Danach wurden die Zähne durch den Messpunkt geschnitten und anschließend in Gruppen aufgeteilt.

Jeweils eine Hälfte des Zahns wurde mit einem Verfahren zur Inaktivierung einer Läsion - wie etwa Fluoride, Kariesinfiltration, regenerative Technologien - behandelt, die andere Hälfte blieb als Kontrolle unversorgt. Danach wurden weitere Aufnahmen mit dem Calcivis System erstellt und die Aufnahmen erneut auf das Vorliegen einer Aktivität/Inaktivität bewertet. Als Goldstandard zur Beurteilung der Aktivität oder Inaktivität diente das Anfärben der Zahnschnitte mittels Methylrot-Lösung.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Insgesamt wurden 46 extrahierte Seitenzähne (35 Molaren, 11 Prämolaren) untersucht. Mit beiden visuellen Kriterien wurden 41 Messpunkte als aktive Läsionen und fünf Messpunkte als nicht aktive Karies eingestuft. Die Kappa-Werte für die Übereinstimmung der Befunde bezüglich der Läsionsaktivität (ja/nein) im Vergleich zum Calcivis lagen bei: NYVAD-Calcivis = 0,78 sowie ICDAS-Calcivis = 1,0 und entsprachen einer hohen Übereinstimmung. Die Korrelation der visuellen Verfahren und der Biolumineszenz-Methode war signifikant positiv (p < 0,001, zweiseitig) und lag bei rs: NYVAD-Calcivis = 0,776 und rs: ICDAS-Calcivis = 1,0.

Der Einsatz der Biolumineszenz bei der Erfassung der Aktivität einer kariösen Läsion im Bereich der koronalen Karies hat den Wissenschaftlern zufolge gute Ergebnisse geliefert. Als vorteilhaft gelte, dass das Vorliegen einer aktiven, behandlungsbedürftigen Karies auch für den Patienten nachvollziehbar dargestellt werden kann. "Die  Bestimmung der Aktivität einer Karies bietet gerade bei initialen Läsionen den Nutzen, dass Zähne vorerst nicht zwingend operativ versorgt werden müssen, sondern zunächst präventive Maßnahmen eingesetzt werden können", erklärt die Arbeitsgruppe.

Voraussichtlich bis Mitte 2017 soll die Kamera in Großbritannien für die klinische Anwendung
eingeführt werden. Weitere Anwendungsgebiete des Geräts könnten die Beurteilung der
Aktivität einer Wurzelkaries oder der Einsatz des Systems nach Bracket-Entnahme während
einer kieferothopädischer Behandlung sein. Dies bedürfe jedoch weiterer
Untersuchungen.

Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni, Oberärztin am Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abteilung für Kinderzahnheilkunde der Philipps-Universität Marburg, wurde bereits mit verschiedenen wissenschaftlichen Preisen, wie etwa den Oral-B-Prophylaxe-Preis, Hufeland-Preis und den Dental Education Award geehrt. Kürzlich erhielt sie den Erwin-Reichenbach-Förderpreis der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt für ihre Arbeit "Erfassung der Aktivität von kariösen Läsionen mittels Biolumineszenz". privat

Die vollständige Studie "Aktivität von kariösen Läsionen mittels Biolumineszenz" erscheint in der Februar-Ausgabe der Zahnärztlichen Nachrichten Sachsen-Anhalt (S. 35-39).


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