Gesche Frohwitter, Marco Rainer Kesting, Thomas Mücke
11.03.16 / 09:50
Zahnmedizin

Kolliquationsnekrose nach Spülzwischenfall

Bei einer 44-jährigen Patientin treten im Rahmen einer alio loco erfolgten endodontischen Therapie des Zahns 31 während der Wurzelkanalspülung mit Natriumhypochlorit plötzlich ausgeprägte Schmerzen auf.




Der Fall

Im Februar 2016 stellte sich eine 44-jährige Patientin im mund-, kiefer- und gesichtschirurgischen Notdienst des Klinikums rechts der Isar in München vor. Im Rahmen einer alio loco erfolgten endodontischen Therapie des Zahns 31 traten während der Wurzelkanalspülung mit Natriumhypochlorit (NaClO) plötzlich ausgeprägte Schmerzen auf.

Die Symptome

Die Behandlung wurde daraufhin abgebrochen, da der behandelnde Zahnarzt  den Verdacht einer Behandlungskomplikation hatte. Er vermutete, dass etwa 1 ml Natriumhypochlorit unter hohem Druck über den Apex hinaus appliziert worden war, was die Beschwerden erklären würde. Daraufhin wurde die Patientin unverzüglich in die Fachklinik überwiesen. Zum Aufnahmezeitpunkt klagte die Patientin über mäßige bis starke Schmerzen submandibulär bis in den Mundboden reichend. Des Weiteren lag eine derbe Schwellung der Regio mentalis vor, die durch leichte Einblutungen in die Haut imponierte.

Es bestanden leichte Schluckbeschwerden. Intraoral zeigte sich das Unterkiefervestibulum pergament dünn und rötlich verstrichen. Die Patientin hatte keine Zahnschmerzen, die Funktion des N. trigeminus und des N. facialis zeigten keine Einschränkungen.

Therapie und Verlauf

Allgemeinanamnestisch ergaben sich keine Besonderheiten. Aufgrund des Hergangs wurde die Patientin stationär aufgenommen und intravenös antibiotisch mit Unacid 3 g dreimal täglich behandelt. Im Verlauf des Tages präsentierte sich die Schwellung deutlich progredient und zunehmend ekchymatös.

Intraoral entwickelte sich eine im Unterkiefer beidseits bis in die Prämolaren-Region reichende kirschrote bis violette pralle Vestibulumsschwellung, die sich im Mundboden bis auf die Höhe der Carunculae sublingualis ausdehnte. Eine Krepitation bei der Palpation lag nicht vor, die Zunge war schmerzbedingt nur eingeschränkt beweglich, der Rachenraum unauffällig.

Die radiologische Diagnostik ergab keine dentalen und ossären Auffälligkeiten im Hinblick auf den intra- und extra-oralen Befund. Neben einer unklaren knöchernen Verschattung regio 046 sowie einer unversorgten Schaltlücke regio 026 zeigte sich auch klinisch ein kariesfreies Gebiss.

Weitere Maßnahmen

Nachdem die Schwellung deutlich zunahm, erfolgte eine unter Lokalanästhesie durchgeführte intraorale Inzision am Punctum maximum sowie eine ausgiebige Spülung des Befundes mit physiologischer Kochsalzlösung und Polyhexanid. In die Wunde wurde ein Polyhexanid-Drainagestreifen eingelegt. Es folgten täglich zweimalige Spülungen und Streifenwechsel über vier Tage, worunter sich der Befund ab dem zweiten stationären Tag langsam regredient zeigte.

Im Anschluss an den stationären Aufenthalt folgte eine regelmäßige Wundspülung über 14 Tage in unserer Ambulanz. Die oralisierte Antibiotikumtherapie mit Amoxiclav 875/125 konnte nach sieben Tagen beendet werden. Nach insgesamt dreiwöchiger Behandlung konnte die Patientin beschwerdefrei aus der mund-, kiefer- und gesichtschirurgischen Nachsorge entlassen werden.


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