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13.11.15 / 15:00
Zahnmedizin

Lachgas in der Zahnarztpraxis

Lachgas: Wie wirkt es, wo wird es in der Praxis eingesetzt? Experten klärten auf dem Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt auf.




"Es ist nachweisbar, dass Lachgas als Teil einer Narkose wirkt", erklärte Prof. Prof. Dr. Jörg Weimann (Berlin), der das Thema aus Sicht der Anästhesie beleuchtete. Die klinische Anwendung in der Zahnmedizin folge dem Konzept der "titrierbaren inhalativen Sedierung": Lachgas wird demzufolge dem Bedarf entsprechend individuell titriert (maximal 50 Prozent) über eine Nasenmaske eingeatmet, wobei die Anxiolyse im Vordergrund steht. 

Ziel sei eine für Patient und damit auch für das Behandlungsteam entspannte Behandlung. Für den Einsatz in anderen Bereichen wie der Pädiatrie, Geburtshilfe oder Notfallmedizin stehe ein fixes 50/50 Lachgas-Sauerstoff-Gemisch zur Verfügung. In der Anästhesie werde Lachgas immer mit anderen Anästhetika/Analgetika kombiniert, da die Wirkstärke von Lachgas allein für die Schmerzausschaltung nicht ausreiche.

Anwendung auf maximal sechs Stunden begrenzen

Weimann wies in dem Zusammenhang auf die Interaktion von Lachgas mit Vitamin B12 (Kobalamin) hin. So komme es bei der Inhalation von Lachgas über Tage beziehungsweise repetetiv über längere Zeit zu einer (reversiblen) Hemmung der Methioninsynthetase mit den typischen Symptomen eines Vitamin B12-Mangels: diffuse neurologische Ausfälle und Anämie. Eine Lachgasanwendung sollte daher auf sechs Stunden begrenzt werden, ein nicht-behandelter Vitamin B12-Mangel gelte als Kontraindikation. (Anm. d. Red.:Die Anwendung von Lachgas über eine Zeitspanne von über sechs Stunden besitzt für die Zahnheilkunde keine Relevanz.)

Fallberichte von meist jungen Menschen belegten - teils irreversible - neurologische Defizite nach dem Missbrauch von Lachgas als Partydroge. Auch Todesfälle werden Weimann zufolge beschrieben, wobei diese am ehesten durch die Kombination mit anderen Drogen sowie durch Sauerstoffmangel eintreten. Meist werde das Lachgas aus Luftballons pur ohne Sauerstoffbeimengung inhaliert - so werde es in der Szene verkauft.

Nebenwirkungen der Lachgasanwendung: Übelkeit und Erbrechen. Bleibt die Lachgasanwendung unter zwei Stunden, komme es in geringerem Maße zu Übelkeit, sagte Weimann mit Verweis auf eine Studie.

Der Referent ging auch auf das Abortrisiko im Zusammenhang mit der Lachgasanwendung ein. Wenngleich es laut der American Society of Anesthesiologists keine Evidenz für eine Toxizität bezüglich Fertilität und Abortraten gebe, raten die deutschen Anästhesisten von einer Lachgasanwendung bei Patientinnen mit dringendem Kinderwunsch und bei Schwangeren davon ab. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten Kinderzahnärzte auch die begleitenden Mütter in der Zahnarztpraxis fragen, ob sie schwanger sind, bevor Lachgas angewendet wird.


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