sf/pm
26.11.15 / 11:40
Zahnmedizin

Leidet der Schmelz bei Multibrackets?

Für ihre Arbeit über die Demineralisierung beim Einsatz festsitzender Zahnspangen wurden Forscher vom Charité-Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgezeichnet.



Um unter den erschwerten Mundhygienebedingungen mit einer Multibracketapparatur das Entstehen von Karies zu vermeiden, ist es wichtig, dass Schmelz, der durch Phosphorsäurekonditionierung oberflächlich demineralisiert wird, möglichst schnell und vollständig remineralisiert. Paul-Georg Jost-Brinkmann

Multibracket-Apparaturen werden bekanntlich angebracht, indem die Zahnoberfläche punktuell mit einer schwachen Säure behandelt wird. Dadurch entsteht eine leicht raue Stelle. Das künstliche Anrauen sichert zwar den Halt der Brackets, die einhergehende Beschädigung durch Demineralisation, also Mineralverlust, ist dagegen unerwünscht.

Die Wissenschaftler verglichen daher drei verschiedene Befestigungssysteme: Ein konventionelles Schmelzätzverfahren sowie zwei selbstklebende Verfahren, darunter ein System, das Fluorid freisetzt. Vor der Schmelzbehandlung und in regelmäßigen Abständen danach bestimmten sie mittels quantitativer Lichtfluoreszenz den Mineralverlust.

Stärkste Remineralisation beim fluoridfreisetzenden System

„Die Ergebnisse zeigen für alle drei Befestigungssysteme, dass der Zahnschmelz beim Anbringen von Spangen einen deutlichen oberflächlichen Mineralverlust erleidet“, bilanziert Prof. Paul-Georg Jost-Brinkmann, Wissenschaftlicher Direktor vom Charité-Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde „Allerdings konnten wir in den nachfolgenden Tagen in allen Fällen eine fortschreitende Remineralisation beobachten."

Am deutlichsten falle dieser Effekt mit dem fluoridfreisetzenden System aus. Das Ergebnis unterstreiche daher die Bedeutung von Fluoriden für den natürlichen Reparaturprozess, die Remineralisation, von Zahnschmelz. Eine perfekte Zahnreinigung sei beim Tragen einer Zahnspange aufgrund der temporären Schwachstellen unerlässlich. Jost-Brinkmann: "Nur so lässt sich vermeiden, dass aus einer demineralisierten Stelle Karies wird."

Die Arbeit, die in der Fachzeitschrift Fortschritte der Kieferorthopädie/ Journal of Orofacial Orthopedics veröffentlicht wurde, wurde anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie als beste Publikation des Jahrgangs ausgezeichnet.

D. Visel, T. Jäcker, P.-G. Jost-Brinkmann, T.-M. Präger: Demineralisation des Bracketumfeldes nach Anwendung konventioneller und selbst konditionierender Schmelzadhäsivsysteme [Demineralization adjacent to orthodontic brackets after application of conventional and self-etching primer systems]. Journal of Orofacial Orthopedics 2014; 75: 358-373. doi: 10.1007/s00056-013-0223-9.


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