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17.01.17 / 16:46
Zahnmedizin

Neue Anamnesebögen für Senioren

Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin haben einen spezifischen Anamnesebogen für Senioren entwickelt. Er besteht aus drei Teilen und soll den Umgang mit dem Patienten erleichtern und die Behandlung verbessern.



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Der 1. Teil des Anamnesebogens befasst sich mit den Allgemeinerkrankungen des Patienten. Neben Organerkrankungen werden hier unter anderem Diabetes, neurologische Leiden, Rheuma, Krebs und andere behandlungsrelevante Leiden wie etwa Süchte oder ansteckende Erkrankungen erfragt. 

Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass seit 10/2016 für all die Patienten eine Medikamentenliste durch den Arzt erstellt werden muss, die mehr als drei Präparate erhalten. Sinnvoll ist demnach, nach weiteren Medikamenten zu fragen, die nicht ärztlich verordnet, aber regelmäßig eingenommenen werden.

Im 2. Teil geht es um die Mundgesundheit, bisherige Mundpflege-Gewohnheiten und auch die eigentliche zahnärztliche Behandlung. Akute Probleme mit Zähnen, beziehungsweise Prothesen, Leidensdruck wegen Xerostomie oder Schluckbeschwerden werden hier erfasst, genauso wie Angaben zum existierenden Hauszahnarzt und durchgeführte PZRs in der jüngeren Vergangenheit. Aber auch der Status quo der Versorgung im Mund, angewendete Pflegemittel und das Vorhandensein von Bonusheft, Implantatpass, Röntgenpass oder auch Zahnpflegepass werden hier festgehalten.

Mitautor Elmar Ludwig merkt in der Zeitschrift für Senioren-Zahnmedizin an, dass es Senioren mitunter wichtig sei, vertraute Personen oder Gegenstände beim Zahnarztbesuch dabei zu haben. Denkbar sei auch eine spezifische Uhrzeit, zu der die Patienten eine besonders gute Compliance zeigen. Diese Informationen sollten hier ebenso festgehalten werden, wie auch Zwischenfälle aus der Vergangenheit, etwa im Rahmen der Anästhesie.

Besondere Aspekte im Fall von Pflegebedürftigkeit erfasst schließlich der 3. Teil. Für die aufsuchende Behandlung werden hier Station und Zimmernummer festgehalten. Angaben zum Pflegegrad, zum gegebenenfalls existierenden Schwerbehindertenausweis sowie zur Eingliederungshilfe sind demzufolge wichtig für Abrechnung und Ausstellung des Transportscheins.

Aber auch die Namen von Betreuern, Pflegern und Angehörigen werden hier erfasst. Ist der Patient fortgeschritten dement, erleichtern Angaben zur Biografie den Zugang zum Menschen. Und Angaben zu seiner Mobilität und seinem demenziellen Status, aber auch Größe und Gewicht sind Indiz für den Behandler, ob ein Transport in die Zahnarztpraxis überhaupt angezeigt oder gleich ein Hausbesuch indiziert ist.

Der Anamnesekatalog wurde bewusst als offene Liste zur Übertragung in die Anamnese-Instrumente der eigenen Zahnarztpraxis abgefasst. Diese finden Sie hier zum Download.

Elmar Ludwig: 26. DGAZ-Jahrestagung in Nauen - Workshop Anamnesebogen für Senioren; SZM Zeitschrift für Senioren-Zahnmedizin 4 2016 S. 157 ff.



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