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08.02.17 / 14:35
Zahnmedizin

"One fits all wird den Patienten nicht gerecht"

Anlässlich des Weltzahnschmerztags am 9. Februar gibt Univ.-Prof. Monika Daubländer im Interview ein Update über die neuesten Erkenntnisse zur Therapie von Zahnschmerzen.



Univ.-Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer ist Fachärztin für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, hat über Lokalanästhesie habilitiert und beschäftigt sich mit dem Thema Schmerz in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. privat

zm-online: Thema Schmerzausschaltung bei zahnmedizinischen/chirurgischen Eingriffen: Welche Form der Schmerzausschaltung würden Sie generell befürworten?

Prof. Monika Daubländer: Die zahnärztliche Lokalanästhesie ist ein sicheres Verfahren hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkungen. Im Sinne einer differenzierten Lokalanästhesie sollten die verschiedenen Lokalanästhetika, der Vasokonstriktor Adrenalin und die unterschiedlichen Techniken (Leitungsanästhesie, Infiltrationsanästhesie, intraligamentäre Anästhesie und intraossäre Anästhesie) sorgfältig ausgewählt und kombiniert werden. Die leider häufig benutzte One-fits-all-Methode wird dem individuellen Patienten bezüglich seiner Erwartungen und Risikofaktoren nicht gerecht.

Wie sollte die Schmerzausschaltung bei der Kinderbehandlung aussehen?

Bei der Kinderbehandlung müssen zwei Dinge berücksichtigt werden: Die kleinen Patienten haben in der Regel ein geringes Körpergewicht. Daher sollte eine gewichtsbezogene Dosierung der Lokalanästhetika erfolgen. Da die zur Verfügung stehende Grenzmenge außerdem von der Verwendung des Vasokonstriktors abhängt, und so erhöht werden kann, sollte – wenn immer möglich – eine adrenalinhaltige Lösung eingesetzt werden. Außerdem ist eine fraktionierte Behandlung anzustreben.

Ein weiteres Problem ist die Gefahr der selbstinduzierten Weichteilverletzung aufgrund der anhaltenden Weichteilanästhesie. Diese ist größer, je jünger das Kind ist. Zur Verkürzung der Anästhesie von Lippen, Wangen und Zunge stehen drei Optionen zur Verfügung: geringe Konzentration des Adrenalins verwenden (1:400.000), lokale Injektionstechniken einsetzen (intraligamentär, intraossär) oder nach Beendigung der schmerzhaften Behandlung OraVerse® injizieren.


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