Jan Kühnisch, Franz-Xaver Reichl, Roswitha Heinrich-Weltzien, Reinhard Hickel
28.04.17 / 13:53
Zahnmedizin

Präventiv verschließen

Im Kindes- und Jugendalter konzentriert sich der Kariesbefall auf die bleibenden Molaren beziehungsweise deren Fissuren und Grübchen. Mit einer Versiegelung kann eine Kariesinitiation und -progression verhindert werden. Darauf haben sich die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) und die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) in der überarbeiteten S3-Leitlinie „Fissuren- und Grübchenversiegelung“ geeinigt.




Der kariespräventive Nutzen der Fissuren- und Grübchenversiegelung an Zähnen beziehungsweise Molaren mit gesunden Fissuren und nicht kavitierten kariösen Läsionen ist belegt. Anhand der vorliegenden Meta-Analysen kann außerdem geschlussfolgert werden, dass mit der Fissuren- und Grübchenversiegelung eine Kariesinitiation und -progression verhindert werden kann.

Definition: Unter einer Versiegelung wird der präventive Verschluss der kariesanfälligen Fissuren und Grübchen verstanden, um einer Kariesinitiation vorzubeugen und/oder kariöse Frühstadien zu arretieren. Die Fissuren- und Grübchenversiegelung ist damit eine Zahnflächen-spezifische Präventionsmaßnahme (Abbildung 1). Präventive Effekte an anderen Zahnflächen können nicht erwartet werden. Neben der Fissuren- und Grübchenversiegelung sind eine zahngesunde Ernährung, adäquate häusliche Mundhygienemaßnahmen sowie eine indikationsgerechte häusliche und professionelle Fluoridapplikation als wirksame und evidenzbasierte Bestandteile der Präventivbetreuung zu betrachten.

Zielgruppe: Patienten sind primär Kinder und Jugendliche, da sie von dieser präventiven Maßnahme unmittelbar nach dem Durchbruch der bleibenden Molaren am meisten profitieren. Die Leitlinie gilt sowohl für Kinder ohne wie auch für Kinder mit Komorbiditäten. Geschlechtsspezifische Unterschiede sind nicht bekannt und werden daher nicht betrachtet.

Anwendungsort: Die Versiegelung kann prinzipiell an allen Zähnen mit Fissuren oder Grübchen in der primären und in der bleibenden Dentition angewendet werden. Da der größte präventive Nutzen im Vergleich zu anderen Zahngruppen – Milchzähnen, bleibenden Front- und Eckzähnen und Prämolaren – an bleibenden Molaren zu erwarten ist, wurden vielfältige Fragestellungen vorrangig an den ersten und an den zweiten bleibenden Molaren untersucht.


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