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04.01.17 / 16:17
Zahnmedizin

Stressfreie Teenies putzen häufiger

Eine systematische Übersicht und Metaanalyse ergab, dass zwischen der Häufigkeit des Zähneputzens und diversen psychosozialen Faktoren Korrelationen bestehen: So putzen Teenager ihre Zähne häufiger, wenn sie gut mit Stress umgehen und Probleme lösen können.



Die Häufigkeit des Zähneputzens ist positiv mit Bewältigungsstrategien, Handlungsmaßnahmen, dem Vorhaben, der Selbstwirksamkeit und dem sozialen Einfluss assoziiert. Mit anderen Worten: Wer klarkommt, putzt sich auch öfter die Zähne. Klaus Eppele - Fotolia

Psychosoziale Faktoren sind bekanntermaßen wichtige Determinanten für das Verhalten. Werden sie gezielt verändert, kann dies entsprechende Verhaltensänderungen nach sich ziehen. Bei Erwachsenen wurde dies für den Bereich der Mundhygienemaßnahmen bereits nachgewiesen. Bei Jugendlichen blieben diese Faktoren bislang jedoch weitgehend unberücksichtigt.

Um wirksame Präventionsprogramme speziell für Teenager zu entwickeln, ist es wichtig, diejenigen psychosozialen Faktoren zu identifizieren, die bei Jugendlichen mit der Mundgesundheit assoziiert sind. In dieser systematischen Übersicht und Metaanalyse wurden Zusammenhänge zwischen dem Verhalten bei der Mundpflege und psychosozialen Faktoren bei Heranwachsenden im Alter von neun bis 19 Jahren analysiert.

Methode und Studiendesign

Methode: Die systematische Übersicht und Metaanalyse wurde nach MOOSE-Vorgaben durchgeführt. Bis zum 24. August 2015 wurden Einträge aus fünf einschlägigen Datenbanken gesichtet. Die Suchstrategie war an die jeweilige Datenbank angepasst und erfolgte unter prädefinierten Bedingungen. Der Altersbereich von neun bis 19 Jahren wurde gewählt, da der Einfluss der Eltern auf das Verhalten der Kinder in diesem Alter immer geringer wird. Untersuchungen in den Sprachen Deutsch, Niederländisch und Englisch wurden berücksichtigt. Von zwei Mitarbeitern wurden zunächst unabhängig voneinander Titel und Zusammenfassungen relevanter Publikationen gesichtet. In einem weiteren Schritt wurden die Volltexte der Untersuchungen herangezogen und die Qualität der Studien beurteilt. Die Daten derjenigen Studien, die die Auswahlkriterien erfüllten, wurden extrahiert. Zum Teil wurden die Autoren der Publikationen bei Unklarheiten oder fehlenden Informationen direkt befragt. 

Studiendesign: Die Suche in den Datenbanken ergab 3.548 Artikel, von denen nach Durchsicht von Titel und Zusammenfassung 203 für die Volltextauswahl verblieben. Daraus wurden anhand der prädefinierten Auswahlkriterien Ergebnisse aus 24 relevanten Publikationen extrahiert, die 31 Datensätze umfassten. Insgesamt wurden darin 104.288 Studienteilnehmer untersucht. In 25 der Datensätze wurde das Zahnputzverhalten dokumentiert, in fünf mehrere Pflegemaßnahmen, in neun der Gebrauch von Zahnseide und in dreien der Plaqueindex. 27 Datensätze aus 22 Publikationen wurden in die Metaanalyse einbezogen. Aufgrund einer großen Heterogenität wurden lineare Paneldatenmodelle (Random-Effect-Model) für die Auswertung verwendet.

Ergebnisse

Es zeigten sich Zusammenhänge zwischen den Mundhygienemaßnahmen und folgenden psychosozialen Faktoren: Die Häufigkeit des Zähneputzens war positiv mit Bewältigungsstrategien, Handlungsmaßnahmen, dem Vorhaben, der Selbstwirksamkeit und dem sozialen Einfluss assoziiert.

Weniger ausgeprägte Zusammenhänge zeigten sich zur inneren Einstellung, dem Kohärenzgefühl und dem Selbstwertgefühl. Eine Kontrollüberzeugung hatte keinen Einfluss auf die Zahnputzfrequenz. Keine der in der Metaanalyse enthaltenen Studien hatten Determinanten wie Selbstbestimmtheit, antizipierte Reue, Handlungssteuerung oder Selbstidentität untersucht.

Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Aug;44(4):331-41. doi: 10.1111/cdoe.12224; Zusammengetragen aus dem Wissenschaftlichen Informationsdienst IME (Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten) 05/2016.


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