Aida Burnic, Alexander Bartella, Bernd Lethaus, Frank Hölzle
13.05.15 / 11:55
Zahnmedizin

Weisheitszähne: die extraorale Extraktion

Dieser Fall zeigt eine extraorale Weisheitszahnentfernung, was bei dieser Patientin als alternativer aber notwendiger Therapieansatz bei kaudal impaktiertem Zahn 38 galt.




Die 53-Jährige stellte sich mit klinischem Verdacht auf einen dentogenen Abszess im Unterkiefer linksseitig bei ihrem Hauszahnarzt vor. Bei durchgeführtem OPT zeigte sich ein tief retinierter und impaktierter Zahn 38, welcher sich röntgenologisch parallel zum Unterkieferrand abbildete. Weiterhin imponierte dort eine apikale Transluzenz, die diesen Weisheitszahn bei ansonsten gut saniertem Gebiss als Infektfokus erscheinen ließ.

Es erfolgte durch den  Hauszahnarzt  zunächst eine intraorale Inzision von vestibulär sowie der Beginn einer oralen Antibiotikatherapie mittels Clindamycin 300 mg 1-1-1. Unter regredienter Symptomatik wurde die Patientin zur weiteren Therapie überwiesen. Nach ausführlicher Anamnese und klinischer Untersuchung wurde die Röntgendiagnostik durch eine Digitale Volumentomografie (DVT) zwecks exakter Lagebestimmung des retinierten Zahns 38 erweitert. Das DVT war insbesondere im Hinblick auf die anatomische Lagebeziehung zum Nervus alveolaris inferior aber auch zur Evaluation der Osteodestruktion nach stattgehabtem Entzündungsgeschehen indiziert.

Das Ziel: eine erneute Entzündung verhindern

Hierbei kam der Zahn 38 in seiner Längsachse rund 6 mm parallel zum Unterrand der Mandibula im Bereich des linken Kieferwinkels zur Darstellung. Weiterhin fiel eine perikoronare Transluzenz und die enge räumliche Lagebeziehung zum N. alveolaris inferior auf. Im weiteren Verlauf wurde die Indikation zur operativen Entfernung des Zahns von extraoral gestellt. Die Indikation zu diesem Eingriff war in der Sanierung des Infektionsherdes und damit der Prävention einer erneuten Entzündung und weiterer osteolytischen Schädigung des Unterkiefers begründet.

Der Zugangsweg von extraoral birgt zwar höhere Risiken für den Patienten, insbesondere die potenzielle Schädigung des N. facialis mit konsekutiver Einschränkungen der fazialen Motorik, war aber in dieser Situation aufgrund der sehr kaudalen Verlagerung des Zahns schonender, so dass mehr Knochensubstanz der Mandibula erhalten werden konnte.

Der intraoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Sowohl der N. alveolaris inferior als auch der N. facialis konnten geschont werden. Der Zahn 38 wurde mitsamt dem umgebenden Granulationsgewebe vollständig entfernt. Die Abbildungen 3, 4 und 5 zeigen den operativen Vorgang und den entfernten Weisheitszahn. Die pathohistologische Aufarbeitung bestätigte die Verdachtsdiagnose einer entzündlichen Veränderung. Eine follikuläre Zyste konnte ausgeschlossen werden.

Der Heilungsverlauf gestaltete sich ohne Einschränkung der fazialen Sensomotorik stadiengerecht. Im Anschluss wurde ein Orthopanthomogramm (OPT) als postoperativer Kontroll- und  Ausgangsbefund angefertigt (Abbildung 5). Es erfolgte eine klinische und röntgenologische Nachkontrolle drei und sechs Monate post operationem. Hierbei zeigte sich eine regelrechte Reossifizierung der Defektregion im Kieferwinkel.


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