jt/ck/pm
05.02.14 / 09:25
Zahnmedizin

Wurzelkanalbehandlung ohne Strom und Wasser

Es geht auch ohne Hightech: Zahnärzte der Universität Witten/Herdecke haben mit einer Vergleichsstudie in Gambia bewiesen, dass eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung auch mit einfachen Mitteln möglich ist.



Zahnbehandlung in Gambia. UW/H

Eine vereinfachte Wurzelkanalbehandlung führt mit oder ohne Röntgen auch unter den eingeschränkten Bedingungen eines Entwicklungslandes wie der westafrikanischen Republik Gambia zu guten klinischen Erfolgen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Zahnärzten des Gambia-Projekts der Universität Witten/Herdecke.

Zum Hintergrund: Eine Wurzelkanalbehandlung wird nötig, wenn sich eine Zahnwurzel entzündet hat. Im Rahmen dieser Behandlung wird das Zahnmark entfernt. Da aber Bakterien das Dentin infizieren können, muss der Kanal vollständig gereinigt und desinfiziert werden. Ob diese Reinigung tatsächlich umfassend bis in den Bereich der Wurzelspitze erfolgt, wird standardmäßig mit mehreren Röntgenaufnahmen überprüft. Voraussetzungen für röntgenologische Kontrollen sind in Gambia und anderen Entwicklungsländern jedoch nur selten verfügbar.

Eine Behandlung unter erschwerten Bedingungen

Dr. Anna-Louisa Holzner, Absolventin des Studienganges Zahnmedizin in Witten/Herdecke hatte 2009 im Rahmen ihrer Promotion eine Methode entwickelt, die eine Wurzelkanalbehandlung ohne Strom, Wasser und mit nur minimalsten Materialien und Instrumenten möglich macht. Erste Ergebnisse des sogenannten Basic Root Canal Treatments wurden schon 2009 im International Dental Journal veröffentlicht.

Dr. Holzner und Priv.-Doz. Dr. A. Rainer Jordan haben nun in einer klinisch-kontrollierten Studie den Erfolg des Basic Root Canal Treatments mit und ohne röntgenologische Kontrolle verglichen. "In der Testgruppe wurde das Basic Root Canal Treatment durchgeführt. In der Kontrollgruppe wurden zusätzlich Röntgenbilder zur Erleichterung der Längenbestimmung der Zähne angefertigt. In der Studie wurden 70 Patienten über einen Zeitraum von zwei Jahren nachuntersucht.“ beschreibt Jordan den Ablauf.

Mit einfachen Mitteln genauso erfolgreich

Am Ende wurde mit dem Röntgengerät für diese Studie bei beiden Gruppen der Behandlungserfolg untersucht. Das einfache Verfahren schnitt ebenso gut ab wie das aufwendige: 24 Monate nach der Behandlung war nur ein Zahn in der Testgruppe verloren gegangen. "Das Basic Root Canal Treatment kann helfen, auch Zähne mit großem Substanzverlust noch im Mund zu behalten. Somit kann verhindert werden, dass erhaltungsfähige Zähne zu früh entfernt werden“, erklärt Holzner.

Die neue Wurzelkanalbehandlung ergänzt die bereits bestehenden Therapiemethoden der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Füllungen ermöglichen und Zahnverlust vorbeugen.

Das GambiaDentCare Programm startete 1995. Ziel ist, die zahnmedizinische Basisversorgung in Gambia zu verbessern und neue zahnmedizinische Behandlungsmöglichkeiten für Patienten in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Jedes Jahr reisen dazu mehrmals zahnärztliche Teams, Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der UW/H nach Westafrika.

Die Studie wurde im Journal of Endodontics online veröffentlicht, die Printversion ist für das erste Halbjahr 2014 angekündigt, das Abstract ist schon verfügbar.


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