Bettina Eickhoff
03.12.15 / 11:59
Zahnmedizin

Zähne identifizieren Brandleichen

Nach den Terroranschlägen von Paris arbeiten Experten daran, den Opfern ihre Identität zurückzugeben. Die Odontostomatologie ist neben der Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren) und der Molekulargenetik eine der drei primären Identifizierungsmethoden.



Nach Katastrophen, terroristischen Anschlägen sowie Explosionen und Bränden ist der menschliche Körper der Opfer prä- und/oder postmortal starker Hitzeeinwirkung ausgesetzt, so dass die Brandleiche eine entsprechende Hitzedestruktion aufweist. Dies muss bei der Befunderhebung von den forensischen Odontostomatologen beachtet werden.

Die Identifizierung der Leichen erfolgt meist binnen Tagen. Berücksichtigt werden müssen die von den nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften (AKFOS/ IOFOS) erarbeiteten Maßstäbe und verifizierten Standards, denen auch die Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamts (BKA) obliegt.

Das Match: Die Rolle der Zahnbefunde

Beim Abgleich von post-mortalem und ante-mortalem Zahnbefund über das von Interpol herausgegebene Disaster-Victim-Identification-Formula sind neben den anatomischen Strukturen ante-mortale konservierende, prothetische und chirurgische Maßnahmen von hoher Relevanz für eine Zahnvergleichsuntersuchung, die auch als angestrebtes "Match" bezeichnet wird.

Um das Opfer eindeutig zu identifizieren, eine mögliche Identität festzustellen oder auszuschließen, sind exakte und aktuelle ante-mortale Zahnbefunde die Voraussetzung. Sie können etwa als deskriptive beziehungsweise schematische Dokumentation sowie als Röntgenaufnahmen, Gipsmodelle von Ober- und/oder Unterkiefer vorliegen. Im Bedarfsfall fordert das BKA über die Polizeibehörden des jeweiligen Bundeslandes die Unterlagen aus der Praxis des behandelnden Zahnarztes sowie aus zahntechnischen Laboratorien an. 

Bettina Eickhoff referierte zu dem Thema auf der AKFOS-Jahrestagung im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages 2015 in Frankfurt am Main.


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