sg
25.11.14 / 14:15
Zahnmedizin

Zahngesundheit bei Pflegebedürftigen mangelhaft

Pflegebedürftige Menschen werden deutlich seltener zahnmedizinisch versorgt. Das ist das zentrale Ergebnis des neuen Barmer GEK Pflegereports, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Für viele liegt der letzte Zahnarztbesuch schon Jahrzehnte zurück.




Zwar gelte die Mangelversorgung unabhängig davon, ob die Pflegebedürftigen zu Hause oder stationär gepflegt werden, dennoch bräuchten vor allem Menschen in Pflegeheimen einen leichteren Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung. „Gerade weil ihnen die Mitwirkung wegen ihrer Bedürftigkeit schwer fällt“, so Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse.

Um dem Problem besser begegnen zu können, seien zum Beispiel mehr zahnärztliche Schwerpunktpraxen für Pflegebedürftige hilfreich, heißt es. Außerdem müsse die aufsuchende Behandlung ausgebaut werden. Schlenker begrüßte, dass der Gesetzgeber im Versorgungsstärkungsgesetz Verbesserungen der zahnmedizinischen Prävention für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen plant.

Letzter Zahnarztbesuch ist ewig her

Vor allem die Pflegebedürftigen in Heimen seien laut Report zahnmedizinisch unterversorgt. „Aus Studien wissen wir, dass für einige Pflegebedürftige der letzte Zahnarztbesuch schon Jahrzehnte zurückliegt“, betonte Studienautor Prof. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen. "Für mehr als 50 Prozent der Betroffenen liegt der letzte Gang zum Zahnarzt knapp zwei Jahre oder länger zurück. Umso wichtiger ist sicherzustellen, dass bei diesen Menschen die Zahngesundheit stetig beobachtet wird“, forderte Rothgang.

Der Pflegereport vergleicht demzufolge erstmals anhand von Routinedaten die zahnmedizinischen Leistungen für Pflegebedürftige mit denen Nicht-Pflegebedürftiger gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Morbidität. Erstes Ergebnis: Bei Erkrankungen des Zahnhalteapparates sind Pflegebedürftige schlechter versorgt. Während 0,35 Prozent der nicht pflegebedürftigen Versicherten deswegen behandelt werden, liegt bei den Pflegebedürftigen die Inanspruchnahme um mehr als zwei Drittel niedriger (-0,25 Prozentpunkte).

Schlechter gepflegt - weniger eigene Zähne

Welche konkreten Auswirkungen die schlechtere Versorgung auf die Mundgesundheit hat, ließe sich noch nicht sicher sagen, so Schlenker. „Wir können aber davon ausgehen, dass hier ein beträchtlicher gesundheitlicher Schaden entsteht.“

So sei aus Studien bekannt, dass der Karies-Index bei Pflegebedürftigen höher liegt als bei nicht Pflegebedürftigen. Im Durchschnitt seien bei ihnen mehr als 25 der 28 Zähne befallen oder entfernt. Zum Vergleich: Bei 65- bis 74-Jährigen insgesamt liegt der Index bei 22.

Schlenker verwies darauf, dass es mittlerweile zwar eine ganze Reihe von Kooperationsvereinbarungen zwischen Zahnärzten und Pflegeheimen gibt, sich heute aber schon zeige, dass es weiterer Reformschritte badraf. Neben einer stärkeren aufsuchenden Behandlung und mehr Schwerpunktpraxen für die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen müsse sich auch die Situation in den Pflegeheimen verändern.

Heime müssen besser auf Mundhygiene achten

Die Mitarbeiter dort müssten zahnmedizinisch weitergebildet werden, um Probleme mit der Mundgesundheit früh erkennen und eine Behandlung veranlassen zu können. Dabei gehe es auch um ganz praktische Hilfen. Denn Pflegebedürftige hätten oft gar nicht mehr die Fähigkeit, selber auf ihre Mundgesundheit zu achten. Sie bräuchten deswegen zum Beispiel eine helfende Hand bei der Prothesenpflege. Außerdem sei es wichtig, dass in jedem Pflegeheim zumindest ein einfacher Behandlungsstuhl verfügbar ist. Das erleichtere die Arbeit der kooperierenden Zahnärzte wesentlich baue und damit Hürden ab.


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