ck/sg/mg/pm
03.03.15 / 10:15
Zahnmedizin

Zahnmedizin in Deutschland ist super

Im europäischen Systemvergleich ist die Zahnmedizin in Deutschland mit ihren Spitzenleistungen krisensicher aufgestellt. Das ist das Ergebnis der Euro-Z-II-Studie, die heute von Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) vorgestellt wurde.




Die Untersuchung gibt anhand ausgewählter zahnmedizinischer Behandlungsszenarien einen Einblick in die Systeme zahnmedizinischer Versorgung in Europa. Analysiert wurden die konzeptionell unterschiedlichen nationalen Gesundheitssysteme von sieben Ländern in Europa. Dazu zählen das  klassische bismarcksche Sozialversicherungssystem Westeuropas, das steuerfinanzierte, sogenannte Beveridge-System Nord- und Südeuropas sowie die jungen Sozialversicherungssysteme Mittel- und Osteuropas in Anlehnung an das sogenannte Semashko-Modell.

Auch duale System garantiert Teilhabe an zeitgemäßer Versorgung

„Die in vielen Untersuchungen belegte herausragende Mundgesundheit der Bevölkerung in Deutschland wurde nun in den Kontext des Gesundheitssystems gestellt", skizzierte BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel das wissenschaftliche Vorgehen. Die Aufteilung in einen überwiegend gesetzlich versicherten Teil (86 Prozent), ergänzt um einen privat versicherten Teil der Bevölkerung (11 Prozent) schaffe dabei eine krisensicherere aber innovations- beziehungsweise investitionsfreudige Grundlage, die die Bevölkerung garantiert aber auch zeitgemäß an der zahnärztlichen Versorgung teilhaben lässt.

„Da in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil  zahnmedizinischer Leistungen im Rahmen der Grundversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht wird und Ausgaben für Sozialversicherungssysteme überwiegend unabhängig von der Konjunktur getätigt werden, sind hier  kaum Schwankungen zu verzeichnen, die sich negativ auf das Versorgungsgeschehen auswirken könnten", bestätigte der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer.

"Die Studie widerlegt , dass Deutschland hinsichtlich des Preisniveaus der zahnärztlichen Versorgung ein Hochpreisland ist", berichtete Studienautor Dr. David Klingenberger. "Im Jahr 2013 liegt Deutschland vielmehr - wie auch schon im Jahr 1999 - im Vergleich zu den europäischen Nachbarn im Mittelfeld. Verantwortlich für die Preisunterschiede zwischen den Ländern seien vielfältige Faktoren, erklärte der stellvertretende IDZ-Leiter: "Die Preise für die zahnärztlichen Leistungen sind jeweils in die einzelnen Gesundheitssysteme eingebettet, deren komplexe Strukturen über lange Zeiträume gewachsen sind."

Effizienz ist keine reine Geldfrage

"Es ist keine reine Geldfrage, ob ein System besser oder effizienter ist, betonte Engel. "Vielmehr ist Ausdruck eines guten Gesundheitssystems, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der an einer qualitativ hochwertigen Versorgung teilhaben kann. Dazu gehört auch die Frage des Umgangs des Gesundheitssystems mit Schwachen und gesellschaftlichen Randgruppen. Gerade vor diesem Hintergrund braucht sich das deutsche System nicht zu verstecken." Insbesondere der Paradigmenwechsel von einer rein kurativen zu einer präventionsorientierten Zahnheilkunde und das Anreizsystem, das mit dem Bonusheft geschaffen wurde, hätten in Deutschland zu durchgreifenden und nachhaltigen Erfolgen geführt.

Relativ niedrige Selbstbehalte in Deutschland

"Insofern haben unsere Gesundheitsausgaben sogar einen konjunkturstabilisierenden Effekt. GKV-versicherte Patienten werden im Verhältnis zu Versicherten anderer Länder mit relativ niedrigen Selbstbehalten belastet", führte Eßer aus. "Im europäischen Ausland gehören viele der untersuchten zahnmedizinischen Behandlungen, vor allem in der Prothetik, nicht zum Leistungsumfang nationaler Gesundheitsdienste. Patienten müssen in diesen Ländern also ihre Behandlung vollständig selbst bezahlen.“

Die Studie führe auch vor Augen, dass der Leistungskatalog in Deutschland vergleichsweise umfangreich ist und sich durch niedrige Zuzahlungen auszeichnet. Eßer: "Selbst beim Zahnersatz ist die Eigenbeteiligung moderat und beträgt im Rahmen der Regelversorgung 50 Prozent." In der Zahnmedizin komme das Prinzip der Eigenverantwortung für die Mundgesundheit zum Tragen und es werde deutlich: "Präventive Maßnahmen müssen so früh wie möglich einsetzen. Dies gilt auch für den Bereich der Parodontologie. Gerade hier müssen wir verstärkt daran arbeiten und das Krankheitsbewusstsein für diese Krankheit verstärken."

Das Euro-Z-Projekt wurde 1999 initiiert und mit der vorliegenden Ausgabe aktualisiert. Die Währungsumstellung im Rahmen der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sowie zahnärztliche Honorarreformen in einigen Ländern Europas machten ein Update dieser Gesundheitssystemforschung nötig. Die Studie „EURO-Z-II -Preisvergleich zahnärztlicher Leistungen im europäischen Kontext“ erscheint als Band 34 der Schriftenreihe des IDZ und ist im Fachbuchhandel erhältlich.


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