Christine Kirchmann
22.05.17 / 13:00
Zahnmedizin

Zufallsbefund: präeruptive intrakoronale Resorption

Dieser Fall dokumentiert die Situation und Behandlung bei präeruptiven intrakoronalen Resorptionen (PIR) an zwei zweiten Molaren bei einem elfjährigen Jungen. Das Krankheitsbild wird umfassend diskutiert.




Ätiologie und Erscheinungsbild

Eine Präeruptive Intrakoronale Resorption (PIR) mit einer Prävalenz von 0,5 bis 6 Prozent wird meist zufällig auf Röntgenbildern entdeckt. Meistens sind im Unterkiefer die zweiten und dritten Molaren, gefolgt vom ersten Molaren und den Eckzähnen, betroffen [Seow, 1996].

Therapie (präeruptiv) und Diagnose (posteruptiv) stellen eine klinische Herausforderung dar, denn die Defekte ähneln optisch einer Karies [Czarnecki, 2014]. Radioluzente Läsionen sind meist rund, im Dentin direkt an der Schmelz-Dentin-Grenze lokalisiert und treten in der permanenten Dentition vorwiegend an ein bis zwei Zähnen pro Individuum im Unterkiefer auf [Seow, 1998]. An den 7ern findet die Resorption überwiegend an der mesio-okklusalen Schmelz-Denitin-Grenze, an den 6ern an der disto-okklusalen Schmelz-Dentin-Grenze ihren Ursprung [Seow , 1996].

Die Defekte sind von unterschiedlicher Tiefe, die Pulpa ist in der Regel nicht betroffen. Die Pathogenese ist noch unklar: Lokale Faktoren mögen hier eine Rolle spielen. So übt möglicherweise die ektopische Lage des betroffenen oder angrenzenden Zahns einen Druck aus, welcher wiederum initialer Faktor für resorptive Zellen ist, über Grübchen, Fissuren oder die Schmelz-Zement-Grenze ins Dentin einzudringen.

Histologisch wurden resorptive Zellen wie Osteoklasten und Makrophagen gefunden [Davidovich, 2005]. Ein Verlust der Integrität des schützenden Schmelzepithels, das normalerweise den entwickelnden Zahn umhüllt, scheint dabei der Hauptfaktor zu sein [Seow, 1998].

Die Ursachen hierfür sind wahrscheinlich idiopatischer, entwicklungsbedingter (Grübchen, Fissuren) oder resorptiver Natur. Ein erhöhtes Bewusstsein und eine sorgfältige Röntgenauswertung nicht durchgebrochener Zähne kann die Entdeckung und Behandlung von PIR-Defekten verbessern [Uzun, 2015].  In der Literatur sind diverse Fallbeschreibungen dokumentiert.


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