Susanne Theisen
22.05.15 / 11:49
Zahnmedizin

Zwei Mal täglich die Welt retten

Alles geht heute bio - auch Zahnbürsten. Die Designer Benjamin Beck und Fabian Ghoshal haben eine aus Biokunststoff entworfen: "Ein Produkt, das die Ansprüche der Mundhygiene erfüllt und mit dem man zwei Mal am Tag die Welt retten kann!"




Ist TIO ein Akronym?

Benjamin Beck: Nein. Der Name geht auf einen Südamerikaurlaub zurück, den ich kurz vor Start des Projekts gemacht habe. Dort ist Tio ein Rufname. Er ist kurz und einprägsam und hat einen sehr schönen, freundlichen Klang. Als wir auf der Suche nach einem Namen für unsere Zahnbürste waren, fiel uns Tio wieder ein.

Fabian Ghoshal: Wir hatten vorher versucht, einen Namen zu konstruieren. Aber keine der Ideen hat sich passend angefühlt. An TIO gefällt uns, dass es anders klingt als Dentalprodukte üblicherweise heißen. Dass TIO sich auf bio reimt, ist nur ein Zufall.

Wann ist die Idee zu TIO entstanden?

Ghoshal: Das erste Mal darüber gesprochen haben wir in einem Surfurlaub im Oktober 2012. Wir waren beide irgendwie unzufrieden mit unseren Jobs für große Konzerne und fanden den Gedanken reizvoll, etwas Eigenes zu machen. Die Frage war nur: Was? Auf die Idee für die Biozahnbürste sind wir gekommen, weil ich mich im Studium mit Biokunststoff beschäftigt hatte und Benni schon Erfahrungen im Produktdesign von Zahnbürsten hatte.

Beck: Nach dem Urlaub fingen wir gleich an zu recherchieren. Dann hatten wir aber beide total viel Stress im Job und das Projekt lag ein Jahr lang brach.

Wie ging es weiter?

Beck: Mein Job löste sich auf und ich wusste erst nicht so recht, was ich als nächstes machen wollte. Ich hatte keine Lust, wieder in einer Agentur zu arbeiten. Also belebten wir das Projekt.

Ghoshal: Ich hatte kurz zuvor meinen Job gekündigt, weil ich meine Projekte nicht mehr anziehend fand. Ich habe Haushaltsgeräte für einen Markenhersteller gestaltet. Es gab kaum Interesse an echten Innovationen, weil die Hersteller nicht risikobereit waren. In großen Unternehmen ist es schwer Innovationen durchzubringen. Das Geschäft läuft meist gut, so wie es ist. Zudem sind Prozesse sehr langwierig - das ist kein guter Nährboden für Innovationen.

Beck: Es ist uns beiden oft passiert, dass große Marken sich nichts Neues trauen, aus Angst, unter den Profitzielen zu bleiben. Das Thema Biokunststoff, das wir sehr interessant fanden, konnten wir überhaupt nicht unterbringen. Biokunststoff ist zurzeit noch teurer als etablierte Kunststoffe, und auch die Materialeigenschaften sind noch nicht ganz ausgereift. Von daher bietet er Firmen keinen Mehrwert.

Was ist Biokunststoff?

Ghoshal: Er basiert auf nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Zuckerrohr oder Mais. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Biokunststoffen. Es gibt aber auch Biokunststoffe, die auf petrochemischen Materialien basieren, und biologisch abbaubar sind.

Und was an dem System ist noch nicht ausgereift?

Beck: Zum Beispiel ist die Verrottungsdauer in der industriellen Kompostieranlage gegenüber dem restlichen kompostierbaren Müll noch deutlich länger. Biologisch abbaubare Produkte werden aus diesem Grund meist erst gar nicht in die Anlagen befördert, sondern thermisch verwertet. Wir haben uns deshalb erst einmal bewusst gegen einen kompostierbaren, aber für einen biobasierten Biokunststoff entschieden. Allerdings können wir unsere Werkzeugformen auch für einen kompostierbaren Biokunststoff verwenden, sobald die Entwicklungen der Infrastruktur hier weiter fortgeschritten sind.


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