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05.08.17 / 11:00
Berichte

Align: Digitale Abformung mit breitem Anwendungsspektrum

Neue Materialien und die entsprechenden Herstellungsprozesse haben dazu geführt, dass die meisten zahntechnischen Labore mittlerweile in einem digitalen Workflow arbeiten. Dennoch zögern viele Zahnärztinnen und Zahnärzte beim letzten Schritt der Digitalisierung des Herstellungsprozesses von Zahnersatz – der digitalen Abformung. Dabei bieten moderne Intraoralscanner hohe Genauigkeit und ein breites Anwendungsspektrum von Einzelzahnrestaurationen bis hin zu Ganzkieferversorgungen und großen Implantat-Arbeiten. Was können die Gründe dafür sein?




Präzision durch Studien belegt

An der Genauigkeit der digitalen Abformtechnik kann es nicht liegen: Mittlerweile haben zahlreiche Studien belegt, dass die Genauigkeit dieser Abformung denen klassischer Abformungen meist überlegen ist. (Studie der DGDOA 2015, www.dgdoa.de) Dies galt bisher vor allem für die Einzelzahnversorgung und kleinere Brücken, doch inzwischen sind Scans auch für Ganzkieferversorgungen, große Implantatarbeiten oder auch für die Aufbissschienen-Therapie möglich.

Das zahntechnische Labor Stroh & Scheuerpflug in Ansbach hat über vier Jahre im Rahmen einer Studie (Florian Schmidt , ZT Labor Stroh&Scheuerpflug, 2016, www.dgdoa.de), rund 2.500 digital abgeformte Restaurationen mit Restaurationen aus konventioneller Abformung verglichen (Abb. 1). Das Ergebnis zeigt deutlich: Die Notwendigkeit der Neuanfertigung einer prothetischen Arbeit aufgrund schlechter Passung sank von rund 3,5 Prozent bei konventionellen Abformungen auf rund 0,5 Prozent bei digitalen Abformungen. Diese Zahlen decken sich mit den klinischen Erfahrungen digitale abformender Zahnärztinnen und Zahnärzten.

Ausschlaggebende Kriterien bei der Wahl eines Intraoralscanners

Auf dem Markt sind heute Intraoralscanner zahlreicher Anbieter. Sie unterscheiden sich in vielen Aspekten zum Teil gravierend. Welche Kriterien sind ausschlaggebend, um sich für das eine oder ein anderes Gerät zu entscheiden? Zu berücksichtigen sind unter anderem die Genauigkeit, die Scangeschwindigkeit, die Datenverfügbarkeit, das Handling, die Schnittstellen oder die Software-Tools.

Seit rund zwei Jahren ist der iTero Element der Firma Align Technology (Abb. 2) auf dem Markt. Dieser Intraoralscanner wurde als universell einsetzbares Gerät für den restaurativen und kieferorthopädischen Einsatz konzipiert. Der zunächst interessanteste Punkt ist die Genauigkeit der Abformung. Hierzu liegen zahlreiche Untersuchungen vor, die die Präzision und Richtigkeit des Itero Element belegen. Schaut man sich die Dreicksdarstellung des erzeugten Scans im Vergleich zu anderen Intraoralscannern an (Abb. 3a und 3b), lassen sich deutliche Unterschiede feststellen, Diese präzise, zeichnungsscharfe Darstellung des iTero Element ist die Grundlage für die Fertigung eines Zahnersatzes mit hoher Genauigkeit.

Auch die Softwaretools, die nach dem eigentlichen Scanvorgang zur Verfügung stehen, sind sehr hilfreich. So kann nach Abschluss des Scans sofort das für die Restauration zur Verfügung stehende Platzangebot anhand einer Farbskala kontrolliert und bei Bedarf korrigiert werden (Abb. 8). Ein Neuscan des Zahnes ist hier nicht nötig. Durch die Funktion des Ausschneidens kann nur der zu korrigierende Bereich nachgescannt werden. Diese Funktion hilft auch bei eventuellen Fehlstellen an der Präparationsgrenze.

Software gibt Scanpfad vor

Ein weiterer wesentlicher Pluspunkt des iTero Element ist der vorgegebene Scanpfad sowie die zu Grunde liegende Scanstrategie. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Genauigkeit sehr stark von der Qualität des Scanpfads abhängt. Grundsätzlich sollte der vom Hersteller vorgegebene Scanpfad (Abb. 4) eingehalten werden. Dies gilt insbesondere für Ganzkiefer-Scans.

Intelligente Scanstrategie

Im Gegensatz zu anderen Intraoralscannern lässt die Scanstrategie des Itero Element auch die Abformung großer prothetischer Restaurationen zu. Die präparierten Zähne werden zunächst einzeln in hoher Auflösung gescannt und dann in einen Scan der gesamten Kiefersituation inklusive der Präparationen eingerechnet. Dies bietet den Vorteil, dass man sich beim Scanvorgang - gerade bei der Präparation mehrerer Pfeiler - jedem dieser Pfeiler einzeln widmen kann und somit die notwendigen Retraktionsmittel erst kurz vor dem Scan entfernen muss.   Andere Intraoralscanner beschränken sich auf die Möglichkeit eines Scans der Gesamtsituation. Wie bei der klassischen Abformung auch, lassen sich mehrere präparierte Zähne kaum gleichzeitig trocken und blutungsfrei halten. Deshalb ist es im Anschluss nötig, den Scan durch Ausschneiden und Nachscannen der Fehlstellen an den Präparationsgrenzen zu korrigieren. Auch die Option eines Scans vor der Präparation mit anschließendem Ausschneiden der zu scannenden Region und dem folgenden Einrechnen der präparierten Pfeilerzähne ist keine ausreichende Alternative. Bei mehreren nebeneinander liegenden Präparationen wird dieses Einrechnen der Präparationen auf Grund der zu geringen Informationen des umgebenden Bereiches zu ungenau.

Ganzkiefer- und Implantatversorgungen

Aufgrund seiner besonderen Scan-Strategie eignet sich der iTero Element auch sehr gut zum Scannen von Ganzkiefer-Situationen. Nicht nur als Basis für die Herstellung von Zahnersatz ist diese Option hilfreich, sondern ebenso für die Therapie mit Aufbiss-Schienen oder als Grundlage zur Herstellung von Bohrschablonen für die Implantologie.

Bei der Abformung von Implantatversorgungen zeigen sich weitere große Vorteile intraoraler Scanner. Mit konventionellen Methoden war die Übertragung der Implantatsituation im Mund für Patienten und Arzt häufig unkomfortabel und schwierig. Auch ließ sich durch lange Übertragungspfosten gerade im Molarenbereich die Abformung häufig nicht problemlos entfernen. Zudem war die Abformung von Implantaten und Zähnen zugleich oft nicht in allen Bereichen präzise, was Wiederholungen der Abformung nötig machte.

Diese Probleme entfallen bei der digitalen Abformung. Der iTero Element bietet eine komfortable Lösung (Abb. 6a, 6b): Es besteht die Möglichkeit, zunächst den Restkiefer inklusive der offenen Implantatschraube zu scannen, um das Emergenzprofil darzustellen. Anschließend wird ein zum Implantatsystem und zur Implantatgröße passender Scanpfosten eingeschraubt, um die Implantatposition zu übertragen. Dieser wird ebenfalls gescannt. Die Software des Scanners rechnet diesen automatisch in den ersten Scan ein. Somit stehen dem zahntechnischen Labor neben der genauen Position des Implantates im Kiefer auch Informationen des umgebenden Gewebes zur Verfügung. Nach Abformung des Gegenkiefers und der digitalen Bissnahme ist die Abformung beendet. Falls weitere präparierte Zähne in dieser Abformung enthalten sind, können diese – wie oben beschrieben – einzeln präzise abgeformt und sofort im Monitor überprüft werden. Wichtig ist hierbei, dass das Labor über die Masterliste des Implantatsystems verfügt.

Abstimmung mit dem Labor

Nach der abschließenden Kontrolle werden die Scandaten an das Align Service-Team übermittelt und dort bearbeitet. Sie erscheinen anschließend im Align-Portal des zahntechnischen Labors und können dort weiter verarbeitet werden. Das gemeinsame Festlegen der Präparationsgrenzen von Zahnarzt und Zahntechniker per Fernzugriff auf den Rechner des Labors erhöht ebenfalls die Qualität der Restaurationen (Abb. 7).

Der Umstieg auf die digitale Abformung bedingt eine Umstellung des Workflows sowohl in der Praxis wie auch im zahntechnischen Labor. Dieser neue Workflow muss zwischen beiden Partnern detailliert besprochen werden um die Notwendigkeiten und Probleme  des jeweils anderen kennenzulernen.

Fazit

Um Patienten heutzutage präzise und komfortabel zu behandeln, ist die digitale Abformung inzwischen state of the art. Der Itero Element der Firma Align Technology ist ein Intraoralscanner, der auf Grund seiner technischen Ausführung in der Praxis universell einsetzbar ist und auch bei großen Restaurationen oder Implantatversorgungen  sehr präzise Ergebnisse liefert.

Autor

Dr. Ingo Baresel

ist niedergelassener Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Cadolzburg und Gründungsmitglied der  Deutschen Gesellschaft für digitale orale Abformung (DGDOA)

ingo.baresel@t-online.de


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