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03.02.17 / 14:00
Berichte

Sanofi: Praxisnaher Leitfaden für differenzierte Lokalanästhesie

„One fits all“ ist in der dentalen Lokalanästhesie überholt: Jeder Patient verdient eine differenzierte Lösung, die auf ihn, die Behandlung und seine Erwartungshaltung abgestimmt ist.




Diese Empfehlung unterstreichen drei führende Lokalanästhesie-Experten in einem von Sanofi initiierten Roundtable1. Dabei erstellten Univ. Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer, PD Dr. Dr. Peer Wolfgang Kämmerer und Prof. Dr. Frank Liebaug einen praxisnahen Leitfaden zur dentalen Lokalanästhesie für die tägliche Arbeit. Eine Tabelle zur Anästhetikum-Wahl als Kitteltaschen-Karte fasst die neuen und wichtigsten Empfehlungen zusammen. Sie kann gemeinsam mit einer ausführlichen Übersicht der Roundtable-Erkenntnisse kostenlos unter Angabe der Praxisanschrift per E-Mail an medinfo.de@sanofi.com bestellt werden.

Auf dem Weg zu einer erfolgreichen und differenzierten Lokalanästhesie sehen die Experten des Sanofi-Roundtables vier wesentliche Schritte: von der Anamnese über die obligatorische Aufklärungspflicht bis hin zur Wahl der passenden Injektionstechnik und des Lokalanästhetikums. Die Experten Daubländer, Kämmerer und Liebaug fassen ihre Empfehlungen in einem neuen Leitfaden zusammen. Mit ihren „Tipps aus der Praxis für die Praxis“ entkräften die drei erfahrenen Experten Mythen und bieten eine Hilfestellung für eine patienten- und indikationsorientierte sowie sichere Schmerzausschaltung. Dabei berücksichtigen sie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen.

Anamnese: Überdosierung vermeiden

Bei der Anamnese betonen die drei Experten, dass gesundheitsrelevante Fragen nicht einfach nur abgehakt werden können. Vielmehr sollte der Zahnarzt persönlich im Patientengespräch medizinisch relevante Informationen mit den Patienten-Angaben im Anamnesebogen abgleichen – darin handschriftliche Ergänzungen vornehmen – und auch die Erwartungshaltung des Patienten in Erfahrung bringen. Somit kann der Behandler die Anamnese rechtssicher dokumentieren und das optimale Lokalanästhetikum sowie die richtige Dosierung des eventuell benötigten Vasokonstriktors für den jeweiligen Patienten ermitteln. Vor allem die Zunahme von chronischen Erkrankungen unter den Patienten in allen Altersgruppen lässt der Anamnese eine große Bedeutung zukommen, um Überdosierungen zu vermeiden. Die Aktualisierung der Anamnese empfehlen die Roundtable-Teilnehmer vor jedem neuen Behandlungszyklus oder ein Mal im Jahr.

Der Aufklärungspflicht nachkommen

Ebenfalls erforderlich ist eine Patientenaufklärung, da die Lokalanästhesie als medizinischer Eingriff gilt. Um rechtssicher zu handeln, eignet sich in der Praxis ein standardisiertes Aufklärungsgespräch, in dem vor der Injektion Risiken und Alternativen aufgezeigt werden. Dabei sind die Leitungsanästhesie, Infiltrationsanästhesie und die intraligamentäre Anästhesie als die drei primären Injektionstechniken mit ihren Risiken zu nennen und gemeinsam mit Vollnarkose und Anästhesieverzicht als Alternativen darzustellen.

Der Indikation angepasste Injektionstechniken

Für die drei primären Injektionstechniken beschreiben Daubländer, Kämmerer und Liebaug die Indikationen und Kontraindikationen sowie Vor- und Nachteile. Darüber hinaus geben sie für die Praxis relevante Tipps. Bei der Leitungsanästhesie betonen die Experten beispielsweise die Gefahr von Nervschädigungen, Gefäßschädigungen, Hämatombildungen sowie das Risiko einer intravasalen Injektion. Auch der Nadelbruch bei der Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior sei eine mögliche Komplikation. Um die intravasale Injektion zu vermeiden, halten die Experten im Unterkiefer eine mehrmalige Aspirationsprobe für unerlässlich: mindestens zwei Mal in zwei Ebenen nach Drehen der Kanüle. Bei positiver Aspiration ist die Kanüle zu wechseln. Die Infiltrationsanästhesie betrachten die Roundtable-Teilnehmer im posterioren Unterkiefer ab dem zweiten Prämolaren aufgrund der Dicke des kortikalen Knochens als schwierig. Bei mehrfachen Injektionen ist eine mögliche Überdosierung zu beachten. Langsames Injizieren von etwa 1 ml pro 30 Sekunden reduziert den Injektionsschmerz. Die intraligamentäre Anästhesie halten die Roundtable-Teilnehmer bei allen präparatorischen und endodontischen Maßnahmen und auch bei einfachen oralchirurgischen Eingriffen für geeignet. Die Vorteile überwiegen gegenüber den Nachteilen, die vor allem in Form von Drucknekrosen und Elongation der anästhesierten Zähne bei zu hohem Injektionsdruck bestehen können. Mit einer Druckbegrenzung im Injektionsinstrument (Ultraject) lassen sie sich leicht vermeiden.

Anforderungen an das Lokalanästhetikum

Bei den Empfehlungen zu den Lokalanästhetika fokussieren die Experten auf vierprozentiges Articainhydrochlorid, das durch den Vasokonstriktor Adrenalin in verschiedenen Dosierungen ergänzt werden kann. Die Kombination wird in Deutschland fast ausschließlich verwendet. Als Originalhersteller und Marktführer in Deutschland2 bietet Sanofi Articain-Produkte in verschiedenen Adrenalin-Konzentrationen und ohne Adrenalin an. Der vasokonstriktorische Zusatz verlängert die therapeutische Nutzzeit, ist aber nicht unbedingt bei jedem Eingriff erforderlich und je nach Patientenkonstitution auch kontraindiziert. Bei jeder Verwendung von Vasokonstriktoren sind die jeweiligen relativen und absoluten Kontraindikationen zu berücksichtigen. Vor allem bei der Leitungsanästhesie sehen Daubländer, Kämmerer und Liebaug teilweise keine Notwendigkeit für den Adrenalinzusatz und bei versehentlichem intravasalen Injizieren sogar Risiken. Stattdessen sollte Articain ohne Adrenalin verwendet werden, das die Experten auch bei der intraligamentären Anästhesie für geeignet halten. Bei schmerzarmen Routineeingriffen unter Infiltrationsanästhesie ist Articain ohne Adrenalin ebenfalls ausreichend. Bei benötigter Pulpenanästhesie raten die Experten zu Articain 1:200.000. Für sehr lange dauernde Eingriffe ist auch Articain 1:100.000 in der Infiltrationsanästhesie geeignet – jedoch nicht bei Leitungsanästhesie und intraligamentärer Anästhesie.

Kitteltaschen-Karte kostenfrei anfordern

Mit diesen Erkenntnissen und auf Basis der Anamnese sowie der Patientenaufklärung lässt sich für jeden Patienten die Lokalanästhesie differenziert einsetzen. Die Wahl der passenden Injektionstechnik und des Lokalanästhetikums fasst eine Übersicht mit den Empfehlungen von Daubländer, Kämmerer und Liebaug für verschiedene Applikationsorte zusammen. Die Übersicht unterstützt im Alltag eine sichere Lokalanästhesie. Sie kann in Form einer handlichen Kitteltaschen-Karte und gemeinsam mit einer ausführlichen Übersicht der Roundtable-Erkenntnisse kostenlos unter Angabe der Praxisanschrift per E-Mail (medinfo.de@sanofi.com) beim Lokalanästhesie-Experten Sanofi bestellt werden.

Grafik:

* In den meisten Fällen sind die jeweils anderen Anästhesietechniken empfehlenswert
** Articain ohne Adrenalin nur für wenig schmerzhafte und kurze Routineeingriffe

Quellen:

1Daubländer M, Kämmerer PW, Liebaug F: Differenzierte Lokalanästhesie – Ein praxisnaher Leitfaden. Dental Magazin. 2016;34(8):42-47
2GfK – DDM Jahresbericht, 1. Halbjahr 2016


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