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16.04.14 / 09:26
Berichte

Dürr Dental-Fachbericht zur richtigen Sauganlagen-Desinfektion

Warum die Desinfektion einer Sauganlage in der Zahnarztpraxis unverzichtbar ist, welche Produkte sich dafür eignen und welche falschen Annahmen auf Anwenderseite existieren – darüber berichtet ein aktueller Fachbericht von Dürr Dental. Im Interview gibt Axel Schneider, Entwicklungsleiter der Dürr Dental-Tochterfirma Orochemie, zudem Tipps zur erfolgreichen Sauganlagendesinfektion und -reinigung.




Im Laufe einer zahnärztlichen Behandlung fließen fast immer beträchtliche Mengen Speichel und Blut, also potentiell infektiöse Körperflüssigkeiten, in der Mundhöhle des Patienten. Zusammen mit dem abgesaugten Kühlspray, den verwendeten Materialien und anderen Substanzen bilden sie einen Biofilm, der über die Saugschläuche die gesamte Anlage kontaminiert und eine potenzielle Infektionsgefahr für die nächsten Patienten sowie den Behandler und das Team darstellt. Eine regelmäßige, wenn auch gründliche, Reinigung aller Rohrleitungen und wasserführenden Systeme reicht nicht aus, um dieses Infektionsrisiko auszuschließen. Denn zurückbleibende Keime können sich in den Biofilm-Resten ungestört weiter vermehren. Stillstandzeiten im Urlaub, am Wochenende oder auch nur in der Mittagspause begünstigen diesen Vorgang.

Bei der Desinfektion spielt das richtige Mittel für wasserführende Systeme eine wichtige Rolle. Denn je nach Wirkstoffen, pH-Werten, oder speziellen physikalischen Bedingungen können Desinfektionsmittel ihre Effektivität nicht ungehindert entfalten. Wirkstoffe wie etwa Aldehyde und Alkohole tragen sogar dazu bei, dass die Biofilm-Schicht an der Oberseite denaturiert und so noch schwerer zu durchdringen ist. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass die zur Desinfektion benutzen Wirkstoffe genau für diese Anwendung auf ihre Wirksamkeit hin überprüft worden sind. Ebenfalls erheblich sind die Verwendung geeigneter Tenside und die Wahl eines optimalen pH-Wertes. 

Missverständnisse ausräumen

Nach wie vor ist die Entfernung von Biofilmen eine anspruchsvolle Herausforderung, nicht nur für die Hersteller sondern auch für die Anwender. Hier besteht daher noch viel Aufklärungsbedarf, wie Peter Brauner von Orochemie, Tochtergesellschaft der Dürr Dental AG, aus eigenen Erfahrungen weiß: „Ich wurde im Laufe meines Berufslebens häufig mit der Annahme konfrontiert, dass die vollständige Beseitigung von Biofilm aus Sauganlagen generell nicht möglich sei. Wer es dennoch versuchen möchte, müsse ein so aggressives Desinfektionsmittel verwenden, das dann aber unweigerlich die Anlage zerstört“, so Brauner. „Beide Annahmen sind schlichtweg falsch.“ Auch die Verwendung des publikumswirksamen Wortes "Resistenzverhalten" führe immer wieder zu Missverständnissen bei den Praxen. So vermuten viele fälschlicherweise, die regelmäßige Desinfektion der Anlage könne zu einer Art „Resistenzverhalten“ der Mikroorganismen im Biofilm führen. „Dieser Irrtum beruht auf einer nicht zutreffenden Analogie zwischen Antibiotika und Desinfektionsmitteln“, erklärt Brauner. „Antibiotika und Desinfektionsmittel unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihren Wirkungsmechanismen. Das bedeutet: Mikroorganismen können gegenüber Antibiotika resistent werden, gegenüber Desinfektionsmitteln aber eben nicht!“

Um diese und weitere Unklarheiten bei den Verbrauchern auszuräumen, forschen Dürr Dental und Orochemie  seit Jahrzehnten im Bereich der Praxishygiene. Axel Schneider, Entwicklungsleiter der Tochterfirma Orochemie, gibt im Interview Auskunft über die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Sauganlagendesinfektion und -Reinigung.

Axel Schneider, Entwicklungsleiter von Orochemie Dürr Dental


Warum ist es wichtig, zahnärztliche Sauganlagen zu desinfizieren?
Im Hygieneleitfaden des DAHZ (Deutscher Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin) findet sich eine gute Zusammenfassung der Gründe. Im Wesentlichen geht es um zwei Aspekte: Unter ungünstigen Umständen kann im Rahmen der Behandlung sogenannter „Reflux“, also kontaminierter Rückfluss aus dem Saugschlauch in den Patientenmund gelangen, was ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Außerdem können Praxispersonal oder auch Servicekräfte mit verkeimtem Material in Kontakt kommen, wenn sie an der Anlage arbeiten. Dieses Infektionsrisiko lässt sich in beiden Fällen deutlich reduzieren, wenn die Anlage regelmäßig desinfiziert wird.

Wo genau liegen bei einer Sauganlage in der Zahnarztpraxis die besonderen Herausforderungen bei der Desinfektion und welche Voraussetzungen sollte ein Desinfektionsmittel erfüllen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden?
Neben den Anforderungen, die eigentlich immer bestehen, wie eine umfassende Wirksamkeit des Desinfektionsmittels, stellt die Absauganlage ganz eigene Herausforderungen an das Desinfektionsmittel. Durch das zeitgleiche Ansaugen von Flüssigkeit und Luft neigt das System sehr stark zur Schaumbildung. Diese wiederum ist aber beim Absaugprozess störend und kann sogar zum Ausfall der Anlage führen. Eine weitere Herausforderung ist die Vielzahl der von den Anlagenherstellern verwendeten, teilweise empfindlichen Materialien, die natürlich durch das verwendete Desinfektionsmittel nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen. Ein für den Anwender „rundes“ Desinfektionsmittel sollte diese drei Eigenschaften, Wirksamkeit, Schaumfreiheit und Materialverträglichkeit, in gleichem Maße abdecken.

Wie stehen Sie zu der Aussage, dass eine Desinfektion von Sauganlagen nicht möglich ist, weil die Biofilme, die sich dort ansiedeln, quasi unzerstörbar sind?
Meiner Meinung nach muss man das andersherum sehen: Statt über die Entfernung eines zugegebenermaßen hartnäckigen Biofilms zu sprechen, sollte im Sinne des Präventionsgedankens durch die regelmäßige Anwendung von Desinfektionsmitteln der Aufbau eher verhindert werden. Aber auch, wenn ein gewisser Kontaminationsgrad bereits erreicht ist, macht die Verwendung von geeigneten Desinfektionsmitteln durchaus Sinn, da diese nach und nach Keime aus dem Biofilm abtöten und zum Abtrag des Biofilms beitragen können. Massive Biofilme lassen sich allerdings meist nur durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen, gegebenenfalls durch den Einsatz eines Technikers beseitigen. Soweit sollte es aber erst gar nicht kommen…

Gibt es besondere „Härtefälle“, die die Desinfektion erschweren und wie können diese gelöst werden?
Neben den schon genannten massiven Verkeimungen sind das generell Ablagerungen zum Beispiel durch Wasserhärte bedingt oder durch unlösliche Strahlpulver. Hier ist es wichtig, den Gesamtzustand der Anlage durch regelmäßige Desinfektions- aber auch Reinigungsmaßnahmen auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Und last but not least, auch wenn es banal klingt: Beim Spülen der Anlage sollte nicht zu sehr mit dem Wasser gespart werden. Durch regelmäßiges Nachspülen lassen sich viele Ablagerungen vermeiden, die dann später nicht mühsam entfernt werden müssen.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Erfolg bei der Bekämpfung von pathogenen Keimen in Sauganlagen?
In erster Linie ist es wichtig, regelmäßig die Anlage zu desinfizieren und nicht nur zu reinigen. Hierbei ist natürlich zu beachten, dass alle Anlagenteile mit Desinfektionsmittel „versorgt“ werden müssen, da das Desinfektionsmittel nur dort wirken kann, wo es auch hinkommt. Um das sicherzustellen, muss eine nicht zu klein bemessene Menge Desinfektionsmittellösung in die Anlage gelangen. Ideal sind etwa ein bis zwei Liter. Selbstverständlich muss darauf geachtet werden, dass die Anwendungsbedingungen, die der Hersteller vorgibt, speziell zu Konzentration und Einwirkzeit eingehalten werden.




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