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19.02.17 / 14:00
Berichte

Heraeus Kulzer: Carpule wird 85

In welcher Zahnarztpraxis liegen sie nicht in der Schublade, gebrauchsfertige Zylinderampullen und Zylinderampullenspritzen? Dass sich die Injektion so einfach, sicher und schnell vorbereiten lässt, ist nicht zuletzt auf die Einführung des bekannten Carpule-Systems vor bereits 85 Jahren zurückzuführen.




Auch wenn sich das Carpule-System heute nicht mehr aus dem Praxisalltag wegdenken lässt, damals musste es sich gegen anfängliche Widerstände durchsetzen. Denn wie bei großen Neuerungen üblich, stand man auch diesem System teilweise zunächst mit Skepsis gegenüber, bevor man es in der Folge schätzen lernte. Im ersten Weltkrieg war es die Not, die erfinderisch machte. Die primitiven Verhältnisse zwangen einen amerikanischen Truppenarzt namens Harvey S. Cook in Flandern, eine behelfsmäßige neue Spritzenart zu erfinden, um ihm die Arbeit zu erleichtern. Die von ihm erdachte Spritze ermöglichte die Verwendung einer vorgefüllten gebrauchsfertigen Glaszylinderampulle, die kein vorheriges Umfüllen der Anästhesielösung erforderte. Denn bis dato musste mit den bislang verfügbaren Spritzen das Anästhetikum entweder aus einer großen Flasche aufgezogen oder eine Glasampulle aufgebrochen und umgefüllt werden. Beide Vorgehensweisen sind eher umständlich. In seine Heimat zurückgekehrt, arbeitete Cook das System aus, ließ es 1925 patentieren und von einer Firma, die seinen Namen führte, fabrizieren.

Das System bestand aus einer gebrauchsfertigen Glaszylinderampulle – der Carpule – und einer speziellen Metallspritze – der Karpulenspritze. Die neue Form der Glaszylinderampulle, ein beidseitig mit Gummistopfen verschlossenes Glasröhrchen,  musste nur in die Karpulenspritze eingelegt werden, die doppelendige Carpule Injektionsnadel durchbohrte den vorderen Gummistopfen und schon war „die Spritze“ einsatzbereit. Bei der Injektion selbst diente der hintere Gummistopfen als Kolben, der von der Kolbenstange der Spritze vorangetrieben wurde.

Nun war es möglich, mit wenigen Handgriffen die Injektion vorzubereiten, ohne Gefahr, die sterile Injektionslösung durch Umfüllen zu kontaminieren. Gewissermaßen eine Revolution der Injektionstechnik in der Zahnmedizin, die man heute als Innovation bezeichnen würde. Und wie bei Innovationen üblich mussten auch damals anfängliche Kinderkrankheiten überwunden werden. Einige wirtschaftliche Rückschläge, Vorbehalte der Fachwelt und Produktionsschwierigkeiten hätten beinahe das frühe Aus dieser Innovation bedeutet. 1931 stand die Cook-Carpule-Firma kurz vor dem Bankrott. In Leverkusen nahm sich Bayer (damals noch Teil der I.G. Farbenindustrie AG) dem „kranken Kind“ an, besserte Fehler aus und übernahm die Fertigung und den Vertrieb.

Der Erfolg gab Bayer schließlich recht und gewissermaßen als Beweis folgten weitere Hersteller dem Vorreiter Bayer mit der Produktion der gebrauchsfertigen Zylinderampullen. Nicht zuletzt dem Erfolg des Carpule Systems war es zu verdanken, dass 1934 die Dental-Abteilung aus der pharmazeutischen Abteilung des Bayer Konzerns ausgegliedert wurde. Neben Lokalanästhesie wurden u.a. Gipse („Moldano“), Einbettmassen („Durotherm“) und Abformmaterialien (“Xanthano“ und Xantygen“) vertrieben. 1995 übernahm schließlich Heraeus Kulzer das Bayer-Dental Geschäft und führte die Tradition fort.

Die Marke Carpule bleibt als markenrechtlich geschützter Name Heraeus Kulzer vorbehalten und feiert dieses Jahr 85-jähriges Jubiläum. Als Komplettlösung bietet Heraeus Kulzer dem Zahnarzt Sopira Carpule Spritzen, Sopira Carpule Nadeln und Sopira Citocartin in Zylinderampullen an. Vervollständigt wird das System von der Sopira Citoject für die intraligamentäre Anästhesie. Darauf abgestimmt umfasst das Sortiment  auch Sopira Carpule Kanülen mit Kurzschliff, die speziell für die Durchführung der intraligamentären Anästhesie empfohlen werden. So führt Heraeus Kulzer als Systemanbieter auch weiterhin erfolgreich diese lange Tradition fort.

Bayer ist ein eingetragenes Warenzeichen der Bayer Aktiengesellschaft, Deutschland.


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