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28.10.13 / 14:27
Berichte

All-on-4-Konzept: Diskussion mit Prof. Maló

Prof. Paulo Maló aus Lissabon begann 1990 das All-on-4-Konzept zu entwickeln. Er fragte sich, wie er zahnlose Menschen mit einem festsitzenden implantatgetragenen Zahnersatz versorgen könnte – jedoch ohne zuvor aufwändige augmentative Maßnahmen durchzuführen. Maló ging das Problem von der biomechanischen Seite an und fand eine Lösung: Zwei gerade Implantate im anterioren und zwei angulierte Implantate im posterioren Kieferbereich tragen eine bis zu zwölfgliedrige Brücke. Und: Das Konzept ermöglicht die sofortige Versorgung der Implantate mit einer Interimsprothese.



V.l.n.r: Sven Starke, Kai Uwe Himmel, Dirk Lemke, Dr. Ralf Rauch, Prof. Paulo Maló, Dr. Bernd Quantius und Ralf Barschow am Stand von Nobel Biocare. Nobel Biocare

Obwohl das All-on-4-Konzept seit mehr als zehn Jahren weltweit von mehreren tausend Zahnärzten erfolgreich angewendet wird und mit der Unterstützung von Nobel Biocare durch zahlreiche Studien abgesichert ist, wird es nach wie vor kritisch hinterfragt. Deshalb widmete der 43. Internationale Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie (DGZI) am 5. Oktober Prof. Paulo Maló ein 90-minütiges Spezialpodium. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer Prof. Malós Vortrag und der anschließenden Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner, Mainz, Prof. Dr. Christoph Bourauel, Bonn, und Dr. Georg Bach, Freiburg.

Prof. Maló entwickelte die Therapieform, um Knochenaugmentationen umgehen zu können. Das sei der wesentliche Aspekt des Konzeptes – nicht, dass die Versorgung auf vier Implantaten erfolge, betonte er in seinem Vortrag. Anfang der 1990ger Jahre seien für viele seiner zahnlosen Patienten augmentative Maßnahmen nicht möglich gewesen. Oftmals sprachen finanzielle Gründe oder allgemeinmedizinische Erkrankungen der Patienten dagegen. Sollte es für diese Patienten keine implantologische Lösung geben? Damit auch sie die Vorteile des implantatgetragenen Zahnersatzes erleben können, wollte Prof. Maló ein Konzept unter Vermeidung von Knochenaugmentation entwickeln. Er betonte, dass rund 80 Prozent der Fälle mit Knochenaugmentation alternativ nach All-on-4 therapierbar seien.

Die Lösung: Biomechanisch denken

Wie viele Implantate benötigt man für eine festsitzende Versorgung? Bei der Lösung mit vier Implantaten, werden die Implantate im Seitenzahnbereich anguliert – in einem Winkel zwischen 30 und 45 Grad – gesetzt. Dadurch werden anatomisch relevante Strukturen im Ober- und Unterkiefer umgangen, die Implantate können in der Kortikalis besser verankern und es wird eine höhere prothetische Abstützung erreicht. Ob anguliert oder gerade inseriert – konsequent erhobenen Langzeitdaten zeigen im Hinblick auf das marginale Knochenniveau und die Überlebensrate der Implantate keine signifikanten Unterschiede. Auch mittel- bis langfristige Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass sich das All-on-4-Konzept bewährt. Prof. Maló setzt das Konzept mit den eigens dafür entwickelten NobelSpeedy-Implantaten um, jedoch sei die Wahl dieses Implantats nicht die Voraussetzung dafür, dass das biomechanische Konzept funktioniere.

In der Diskussion mit Prof. Wagner, Prof. Bourauel und Dr. Bach ging es vor allem um die Sofortbelastung der Interimsprothese. Damit die Implantate trotz Sofortbelastung erfolgreich einheilen können, ist der spannungsfreie Sitz der Interimsprothese entscheidend. Für die Zeit der Einheilung erhalten die All-on-4-Patienten deshalb eine Kunststoffbrücke, um starke Kaukräfte zu vermeiden. Zu dem Risiko von Kaukräften zeigte Prof. Bourauel, dass kleine gleichmäßig verteilte Kräfte in der Front unbedenklich, aber kleine wie große asymmetrische posteriore Einzelkräfte kritisch seien. Die Diskussion machte deutlich: Die Sofortbelastung kann zu einem Risiko für die Implantate werden. Wenn die Möglichkeit besteht, dann ist eine verzögerte Einheilung prinzipiell besser. Wichtig ist die Einhaltung des Behandlungsprotokolls und in kritischen Fällen die Sofortbelastung zu überdenken.

Knochenreduktion aus ästhetischen Gründen?

Kritisch diskutiert wurde die Option einer Knochenreduktion für den Oberkiefer aus rein ästhetischen Gründen. Prof. Maló erklärte, dass die eigens für das Konzept entwickelte Maló-Brücke mit einem roten Gingivaanteil gefertigt werde. Liegt bei Patienten mit einer hohen Lachlinie der Übergang von künstlicher zu natürlicher Gingiva im sichtbaren Bereich, wirkt sich das negativ auf die Ästhetik aus. Nur in diesen Fällen reduziert er den Oberkieferknochen.

Deutlich wurde: Das All-on-4-Konzept ist für zahnlose Patienten eine vielversprechende alternative Therapie zum konventionellen Weg mit aufwändigen Augmentationsmaßnahmen.


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