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Juliane von Hoyningen-Huene
02.06.16 / 11:03

Kind und Praxis – Spagat zwischen zwei Welten

Nach dem Studium beginnt sie, die sogenannte „Rush Hour des Lebens“. Viele Lebensziele fallen in dieses Jahrzehnt, der berufliche Einstieg steht an und gleichzeitig wollen private Ereignisse erlebt werden.




Nicht nur Frauen möchten Familie und Beruf vereinbaren, auch Männer leben in der heutigen Zeit ihre Rolle viel stärker aus und möchten im Leben ihrer Kinder präsent sein. Gleichzeitig soll Geld verdient und Berufserfahrung gesammelt werden und dies alles unter der Prämisse Work-Life-Balance. Das hört sich leicht an, stellt aber junge Eltern oder solche, die es werden möchten, jeden Tag auf neue Proben. Wenn dann noch eine eigene Praxis gegründet oder übernommen, Fort- und Weiterbildung absolviert und persönliche Interessen ausgelebt werden sollen, stellt man immer wieder eines fest: Der Tag hat nur 24 Stunden.

Zahnmedizinern wird zudem ein gewisser Perfektionismus nachgesagt, den man spätestens mit kleinen Kindern im Leben relativieren muss. Wie also soll dies alles realisiert werden? Grundlegend ist sicher die Partnerwahl, denn nur mit dem geeigneten Partner und gegebenenfalls passender Kinderbetreuung lässt sich das Leben als Familie gut organisieren. Die Möglichkeiten und allem voran der Wille zur verringerten Arbeitszeit schaffen Freiräume in der Organisation und müssen von beiden Eltern am besten vorab geklärt werden, damit später keine bösen Überraschungen auftreten. Auch wenn es banal klingt, aber gerade die Entscheidung, wer wie lange und auf welche Weise bereit ist, karrieretechnisch kürzer zu treten, sollte ausführlich diskutiert werden.

Großeltern, Nanny oder Kindergarten? Eine Glaubensfrage

Wer keine Großeltern oder andere Betreuungspersonen vor Ort hat, sollte sich schon einmal gedanklich mit dem Thema Kinderbetreuung bzw. Kita-Platz beschäftigen. Ab wann Kinder fremdbetreut werden sollen, ist eine Glaubensfrage und wenige Themen werden so kontrovers diskutiert. Am wichtigsten ist es aber, dass sich die (zukünftigen) Eltern einig sind, ob der Nachwuchs schon mit wenigen Wochen von einer Nanny betreut wird oder ob ein Elternteil zu Hause bleibt. Es wird garantiert andere Menschen geben, die den Lebensentwurf in Zweifel ziehen.

Schwieriger wird es noch, wenn es um den richtigen Zeitpunkt für die Kinderplanung geht. Dies ist eine sehr persönliche Entscheidung und ob das Wunschkind sich auch dann auf den Weg macht, wenn man es sich wünscht, steht in den Sternen. Dies ist auch einer der Punkte, der es für eine Praxis schwierig macht. Häufig hört man, dass Kolleginnen ihren Chefs von der geplanten Schwangerschaft erzählt haben, eine Vertretung eingestellt wurde und sich dann die Planung nicht erfüllt hat. Es ist ein Spagat, einerseits die Praxisinhaber „vorzuwarnen“, aber auch nicht zu viel Unruhe in den Praxisalltag zu bringen, bevor es ernst wird.


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