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25.10.13 / 11:31

Grenzen des Designs

Funktionieren soll es und schön sein soll es möglichst auch. Wie stark beeinflusst das Design eigentlich den Entwicklungsprozess von Dentalprodukten? André Reinhold, Marketing Director beim italienischen Hersteller Mectron, über über Gestaltung und ihre Grenzen.



zm-online:  Herr Reinhold, "Form follows Function" ist das Credo in der Designbranche - wie lässt sich das auf das Dentaldesign übertragen?

André Reinhold: Da es sich bei Dentalgeräten fast ausschließlich um Arbeitsmittel handelt, ist das Thema Ergonomie, das sich ja hinter dem Credo "Form follows Function" versteckt, mit Sicherheit der wichtigste Aspekt der Design-Entwicklung.

Allerdings kommen im medizinischen Umfeld noch viele weitere Einflussfaktoren seitens der rechtlichen Vorgaben und Anforderungen hinzu. Die Kunst besteht darin, sowohl alle Anforderungen zu erfüllen als auch ein ansprechendes und ergonomisch richtiges Design zu entwickeln.  

Inwieweit werden die künstlerischen Möglichkeiten in der zeitgenössischen Entwicklung von Dentalprodukten aus Ihrer Sicht ausgeschöpft?

Der rein künstlerische Zugang zur Produktgestaltung setzt immer voraus, dass der Produktdesigner das Thema frei von technischen, rechtlichen und finanziellen Schranken angehen kann. Dies ist vermutlich nie möglich, insofern bewegen wir uns heute im Rahmen der Möglichkeiten, die sich zum einen von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, zum anderen aber wesentlich durch die Wettbewerbssituation beeinflusst werden.

Nehmen wir als Beispiel die von uns entwickelte Piezosurgery Technology. In den ersten Jahren war die einzigartige chirurgische Schnittqualität als Verkaufsargument vollkommen ausreichend. Kein Kunde hat sich Gedanken über das Design des Gerätes gemacht. Heute, nahezu 15 Jahre später, sind wir Marktführer und können diese Position behaupten, weil wir neben der Technology auch das Produktdesign weiterentwickelt haben (Foto oben). 

Von welcher Stilrichtung werden Sie beeinflusst?

Als italienischer Hersteller sehen wir uns schon in der Tradition der großen italienischen Designer. Dabei eine eindeutige Stilrichtung zu benennen erscheint uns schwierig. Die ergonomische Gestaltung von Arbeitsmitteln wird auch heute noch von den Prinzipien des Bauhaus beeinflusst. Globale Technologietrends, wie etwa Touchpanels aus Glas, üben zudem starken Einfluss auf das Produktdesign aus.

Wie lange dauert denn der Design-Entwurf für ein Produkt -  von der Idee bis zur finalen Version?

Sehr unterschiedlich und stark abhängig von der Komplexität des Produkts. So hat etwa unser aktuelles Piezosurgery® touch hat viel mehr Zeit in Anspruch genommen als unsere Polymerisationslampe Starlight pro. Manchmal passiert es auch, dass man an einem bereits beschlossenen Produktdesign noch Anpassungen vornehmen muss und so schnell ein paar weitere Monate verliert.

Inwiefern spielen eigentlich Gender-Aspekte, also spezifische Bedürfnisse von Frauen und Männern, bei der Gestaltung eine Rolle?

Ein sehr interessanter Punkt. Heute studieren vielmehr Frauen Zahnmedizin als vor ein paar Jahren. Vorstellbar wäre, zukünftig unterschiedlich große Handstücke zu ein und demselben Produkt anzubieten. Heute orientieren wir uns eher am vermutlichen Einsatzbereich der Geräte und damit verbunden an der Frage, wer das Gerät wohl einsetzen wird.

So ist die kompakte Form unseres easyjet pro (ein turbinenadaptiertes Pulverstrahlgerät) bewusst auf die, in der Regel, kleineren Hände der weiblichen ZMFs und DHs ausgelegt. Ein anderes Beispiel mögen die farbigen Polymerisationslampen starlight pro sein, die auf Messen regelmäßig Helferinnen begeistern.

Wo stoßen Sie beim Dentaldesign an Grenzen?

Wie eingangs bereits erwähnt unterliegt Produktdesign in der Medizinbranche einer Vielzahl von regulatorischen Vorgaben, die die Handlungsspielräume doch stark einschränken. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die häufig auf Kleinserien begrenzte Anzahl von produzierten Geräten. Ausgefallene Formen, Materialien oder auch Technologien lassen hier die Produktionskosten schnell in ungeahnte Höhe schießen, so dass wir häufig von gestalterisch interessanteren Lösungen Abstand nehmen müssen.

Die Fragen stellte Sara Friedrich.
 


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