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14.11.14 / 12:05

So stärke ich gestresste Azubis

Im DGB-Ausbildungsreport steht, dass viele angehende ZFAs sich überfordert fühlen. Woran das liegt und wie der Zahnarzt seine jungen Mitarbeiterinnen unterstützen kann, erklärt Dr. Michael Sereny, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen.



Dr. Michael Sereny ist Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen und bei der Bundeszahnärztekammer zuständig für zahnärztliche Mitarbeiterinnen. Außerdem ist er Mitglied des Beirats zur Begleitung des Bundesverbands der Freien Berufe am Nationalen Ausbildungspakt.

1. Was kann der Zahnarzt tun, um seinen Auszubildenden den Start in den Beruf  - und damit  den Wechsel von der Schulbank in die Zahnarztpraxis - zu erleichtern?

Dr. Michael Sereny: Ein optimaler Berufsstart beginnt schon vor der Einstellung. Nicht allein der Zahnarzt, sondern das gesamte Team müssen sich vorbereiten und sich der Möglichkeiten und Grenzen einer Auszubildenden bewusst sein. Bei der Auswahl entscheiden dann nicht nur die Schulnoten, sondern auch die Kompatibilität der Neuen bei mit dem Team.

Wenn dann noch eine feste Ansprechperson zur Verfügung steht, die sich „kümmert“, steht einem gelungenen Berufsstart nichts im Wege. Ansonsten ist es auch immer hilfreich, sich daran zu erinnern, wie man sich damals beim eigenen Berufsstart selbst gefühlt hat und welche Betreuung man sich damals gewünscht hätte

2. Gibt es seitens der Kammern Tipps, wie der Zahnarzt und sein Team die Azubis fördern können?

Die Kammern tun gut daran, mögliche Probleme im Vorhinein zu vermeiden, anstatt mit der Ausbildungsberatung zu warten, bis „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist. Aktivitäten von Seiten der Kammern bestehen reichlich, sie müssen aber auch genutzt werden.

Wir bieten in Niedersachsen zum Beispiel Ausbilderseminare auch in der Region an, in denen Praxen sowohl praktische Tipps zur Integration der Ausbildung in den Praxisablauf erfahren, als auch den rechtlichen Rahmen kennenlernen. Unsere Homepage enthält ferner viele nützliche Informationen rund um das Thema Ausbildung. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang die Basisinformationen für Ausbilder, die das Wichtigste zum Thema Ausbildungsstart behandelt.

3. Was  kann man tun, wenn der Nachwuchs in der Berufsschule wie bei der täglichen Arbeit in der Praxis nicht "mitkommt"? Was sind in der Regel die Ursachen für die Schwierigkeiten?

Grundsätzlich sind Ausbildungsstarter/innen immer in einer schwierigen Alters- und Lebensphase, da gehören Probleme - wirkliche und vermeintliche - dazu. Hinzu kommt, dass bei der ZFA der Anteil an Auszubildenden mit Migrationshintergrund hoch ist, hier leisten Praxen schon eine enorme Integra­tions­leistung. Weiterhin lässt die Ausbildungsreife mancher Berufsstarter sehr zu wünschen übrig.

Demzufolge ist es häufig auch nicht die Praxis, sondern die Berufsschule, in der es Schwierigkeiten gibt. Je besser da Praxen und Schulen zusammenarbeiten, desto geringer sind die Probleme. Es ist wichtig, frühzeitig das Gespräch mit der/m Auszubildenden und der Schule zu suchen, um geeignete Strategien zu entwickeln.

Falls nötig, kann dabei auch auf die Ausbildungsbegleitenden Hilfen der Arbeitsagentur zurückgegriffen werden. Diese können zum Beispiel Nachhilfe in Theorie und Praxis, Sprachunterricht oder Unterstützung bei Alltagsproblemen zum Gegenstand haben. Für die Auszubildenden und die Praxis entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.

Die Fragen stellte Claudia Kluckhuhn.


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