Hanna Hergt
27.03.15 / 11:29

So wollen junge Zahnärzte arbeiten

Warum die Einzelpraxis nach wie vor erfolgreich ist, Kooperationen oft auf Zeit angelegt sind und Medizinische Versorgungszentren den freien Zahnarztberuf aushöhlen, erläutert Dr. David Klingenberger, Diplom-Volkswirt und stellvertretender Wissenschaftlicher Leiter am Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ).



Einerseits bevorzugen junge Zahnmediziner das Angestelltenverhältnis, andererseits machen sich laut aktuellem InvestMonitor Zahnarztpraxis knapp zwei Drittel der Zahnärzte selbstständig, indem sie eine Einzelpraxis übernehmen. Wie passt das zusammen?

Dr. David Klingenberger: Im InvestMonitor können wir nur die Existenzgründungen abbilden, die tatsächlich stattgefunden haben. Wenn wir von den Approbationszahlen ausgehen, lassen sich immer weniger Zahnärzte nieder. Das heißt: Wir wissen nichts über diejenigen, die sich nicht niedergelassen haben. Insofern steht nicht die Einzelpraxis auf dem Prüfstand, sondern die Niederlassung an sich. Die Einzelpraxis ist nach wie vor erfolgreich, weil Zahnärzte dort eigene Vorstellungen am besten umsetzen können - auch wenn es mitunter etwas teurer ist.

Können Sie denn beobachten, dass Einzelpraxisgründer später noch kooperieren beziehungsweise expandieren?

Unsere Untersuchungen belegen eher das Gegenteil: Viele Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) sind nur Kooperationen auf Zeit. Oft bleibt der bisherige Inhaber erst einmal dabei, während sich der neue Partner mit der Hälfte einkauft. Das hat den Vorteil, dass der ideelle Wert, die Patientenklientel, erhalten bleibt. Wenn alles gut läuft, steigt der alte Inhaber aus - und die BAG ist wieder eine Einzelpraxis. Insofern ist die Einzelpraxis beileibe kein Auslaufmodell, für viele ist sie nach wie vor genau das Richtige.

Aber Einzelpraxen lassen sich nicht mehr so gut veräußern wie noch vor einigen Jahren.

Auf der einen Seite gibt es seit 2007 immer mehr Praxen, die auf dem Markt sind. Andererseits finden sich immer weniger, die überhaupt bereit sind, sich niederzulassen. Diese Nachfragelücke hat zur Konsequenz, dass die Preise unter Druck geraten. Wer eine Einzelpraxis sucht, findet entsprechende Angebote. 2007 war das noch anders, die Zeiten sind also gut für Einzelpraxis-Übernahmen.


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