Henny Deda
30.04.14 / 15:10

Was Zahnärzte von Steve Jobs lernen können

Steve Jobs ist seit fast drei Jahren tot. Aber sein Geist lebt weiter. Auch in unserer Zahnarztpraxis.



Der Publizist Walter Isaacson schrieb 2012 eine Biografie über den charismatischen und revolutionären Unternehmer. Darin zeigt er an Beispielen, was den Produkt- und Unternehmungsgeist des Apple-Gründers ausmacht.

Was uns das angeht? Nun, natürlich sollte der Heilauftrag und nicht die Ökonomie im Vordergrund unseres zahnmedizinischen Handelns stehen. Gleichwohl müssen wir uns mit dem Thema Wirtschaftlichkeit beschäftigen, um unsere Betriebe erfolgreich führen zu können. Also: Was können wir Zahnärzte aus Jobs Unternehmerkultur ziehen?

1. Fokussieren

Jobs: „Zu entscheiden, was man nicht macht, ist genauso wichtig, wie zu entscheiden, was man macht.“

Der Patient steht im Mittelpunkt unserer zahnärztlichen Tätigkeit. Wir alleine entscheiden (natürlich unter Einbeziehung des Patienten), welche Maßnahmen wir bei unserer täglichen Arbeit ergreifen wollen. Wir könnten uns etwa fragen, ob wir uns bei einer Implantation sicher fühlen oder ob wir dies lieber einem - chirurgisch tätigen - Kollegen überlassen sollten.

2. Meisterhaft vereinfachen

Jobs: „Einfachheit ist die ultimative Raffinesse.“

So unglaublich es sich im ersten Moment anhören mag: Komplettversorgungen sind oft einfacher zu realisieren als wir denken. Ständiges „Herumbasteln“ an funktionsuntüchtigem Zahnersatz bringt auf Dauer nicht den erwünschten Erfolg - weder bei Patienten noch bei uns. Manchmal steckt die Angst dahinter, Patienten zu verlieren, wenn wir ihnen hochwertigere und damit auch kostenintensivere Konstruktionen anbieten. Doch gut aufgeklärte und informierte Patienten wissen: Qualität hat ihren Preis.

3. Fokusgruppen bilden

Jobs: „Die Kunden wissen oft gar nicht, was sie wollen, bevor wir es ihnen gezeigt haben. Dabei ist es wichtig, sich nach deren Anliegen zu erkundigen."

Ein gutes und bewährtes Mittel, um Patienten das Behandlungsspektrum der Praxis näherzubringen, sind speziell ausgerichtete Infoveranstaltungen: Hierbei kann man zu aktuellen zahnmedizinischen Themen Stellung nehmen und über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Medizin informieren und aufklären. Ein gut aufgeklärter Patient ist zugänglicher für notwendige Maßnahmen, die ihm sein Zahnarzt unterbreitet.

4. Produkte vor Profit setzen

Jobs: „Die Motivation liegt in den Produkten, nicht im Gewinn.“

Natürlich spielt der Preis einer Arbeit - egal, ob es sich um eine Prothese, eine Füllung, ein Implantat oder eine Brücke handelt, - eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung. Durch gute Argumente und eine individuelle Beratung schafft man Vertrauen. Darauf aufbauend trifft man mit dem Patienten gemeinsam die (richtige) Entscheidung. Das ist die Grundlage unseres Handelns und unsere soziale Verantwortung gegenüber dem Patienten. Unser wirtschaftlicher Erfolg basiert ebenfalls auf dieser Basis.

Jedem Zahnarzt ist bewusst, dass er Verantwortung für seine Arbeit und für seine Patienten trägt. Es ist selbstverständlich, sich nach den Wünschen seiner Kunden zu richten. Es darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht alle Wünsche der Patienten realisierbar sind. Deswegen gehört zur zahnärztlichen Sorgfaltspflicht eine gute Aufklärung.

5. Signale aussenden

Jobs: Gefühle auf der Grundlage von Erfahrungswissen.“

Dies ist auch unsere Aufgabe: „Schöne Zähne ein Leben lang“ oder „Mit schönen Zähnen haben Sie gut lachen“. Diese Botschaften sind klar und leicht zu verstehen. Folglich wecken wir Wünsche und damit verbundene Sehnsüchte. Viele Praxen nutzen diesen Effekt, oft unbewusst. Hier schlummert ein großes Potenzial.

6. Perfektion anstreben

Jobs Senior: Ein hervorragender Tischler würde niemals minderwertiges Holz für die Rückseite eines Schrankes verwenden.“

Dieses Zitat stammt von Jobs Vater und soll den angestrebten Perfektionismus des Sohnes symbolisieren. Zwar gibt es in der Zahnmedizin keine Teile, die unwichtig sind - wie die Rückwand eines Schranks. Aber: Ein wurzelgefüllter Zahn unter einer Krone sollte ebenfalls alle Kriterien einer lege artis Behandlung erfüllen. Eine sichtbare zahnärztliche Leistung sollte immer auch bei den nicht sichtbaren Anteilen eine solide Qualität aufweisen. 

7. Geist und Technik vereinen

Jobs: „Kreuzung aus Kunst und Technik.“

Wir setzen bei der täglichen Arbeit modernste Technik ein. Dies bedeutet für uns einerseits eine Arbeitserleichterung, andererseits auch ein besseres, sicheres und kreativeres Arbeiten. So zaubern wir etwa gemeinsam mit unseren Zahntechnikern beim Zahnersatz kleine Kunstwerke: der Natur nachempfunden, perfekt und natürlich aussehend. 

Dr. (H) Henny Deda
Zahnärztin und Coach
henny.deda@t-online.de


 


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