Hubert Roggendorf et al.
30.07.14 / 14:10

Wie sich Kölner Zahnärzte engagieren

In einer Studie wurde das Engagement und die Bereitschaft niedergelassener Kölner Zahnärzte bei der Betreuung pflegebedürftiger und heimbetreuter Senioren untersucht.




Die Autoren gingen mit der Untersuchung der Frage nach, wie viele Zahnärzte im Großraum Köln mit der zahnmedizinischen Betreuung von Senioren in Pflege- und Altersheimen vertraut sind und besondere Kenntnisse haben hinsichtlich ihrer oralen Versorgung.

Die Methode

Von 560 Kölner Zahnarztpraxen wurde jede fünfte Praxis (n=113) randomisiert ausgewählt (Abbildung 1). Alle Zahnärzte wurden mittels Fragebogen hinsichtlich ihrer Erfahrung im Bereich Alterszahnmedizin, ihrer Kenntnis bezüglich seniorenzahnmedizinischer Einrichtungen sowie einer bestehenden Unterstützung oder möglichen Kooperation im Bereich der Alterszahnmedizin befragt.

Zudem wurden die Teilnehmer befragt, wie hoch der Anteil älterer Patienten in ihrer Praxis ist, wie sie die Organisationsstrukturen einschätzen und ob sie möglicherweise bei der zahnmedizinischen Betreuung und Behandlung der Senioren im Heim unter Berücksichtigung einer angemessenen Honorierung und dem zu leistenden Zeitaufwand helfen oder mitarbeiten können. Die Datenanalyse erfolgte mittels der mehrseitigen ANOVA und des Chi-Square-Tests (Signifikanz: p<.05).

Die Ergebnisse

Von den 113 befragten Zahnärzten gaben 54 Kollegen an, bereits in der Praxis oder Seniorenheimen tätig zu sein und sich auf die Behandlung von Senioren eingestellt zu haben. 54 weitere Kollegen taten dies nicht. Fünf Teilnehmer gaben hierzu keinerlei Auskunft. Das Alter der befragten Zahnärzte lag zwischen 25 und 76 Jahren, der Mittelwert betrug 48,42 Jahre (Abbildung 2).

Die Berufserfahrung lag zwischen zwei und 49 Jahren (Mittelwert: 21,16 Jahre). 90 Prozent der Teilnehmer waren in eigener Praxis tätig. Die Hälfte arbeitete allein, bei einem Drittel unterstützte zusätzlich ein Assistenzzahnarzt den Praxisalltag. Die Hälfte der Befragten war als Generalist tätig, die andere Hälfte besaß mindestens eine Spezialisierung beziehungsweise Facharztausbildung. Der Seniorenanteil der Praxispatienten betrug durchschnittlich 28,92 Prozent (Abbildung 3). Die Hälfte der Studienteilnehmer war bereits seniorenzahnmedizinisch tätig und hatte die Praxis auf eine Barrierefreiheit umgestellt (Abbildung 4).

40 Prozent der befragten Zahnärzte kooperierten interdisziplinär mit verschiedenen Fachärzten. Jeder zweite davon erklärte sich generell zur Mitarbeit bei der Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger Senioren bereit, sofern Zahnärztekammer oder Zahnärzteschaft dieses organisierten. Ein Drittel war zudem auch bereit, sich persönlich durch Mundpflegemaßnahmen bei Heimbewohnern an der mobilen seniorenzahnmedizinischen Betreuung zu beteiligen und einzubringen (Abbildung 5), obwohl bislang nur zehn Prozent aller Befragten eine eigene mobile Behandlungseinheit besaßen (Abbildung 6).

Generell schätzten Zahnärzte, die im Heim die zahnmedizinische Versorgung übernehmen, im Vergleich zu ihren Kollegen den Betreuungsbedarf in Seniorenheimen positiver ein (Abbildung 7). Jedoch erachteten nahezu alle Befragten die zahnmedizinische Betreuung Pflegebedürftiger als durchaus sinnvoll.

Die Schlussfolgerungen

Die seniorenzahnmedizinische Versorgung wurde von allen Befragten als höchst wichtig eingestuft. Dennoch ist die derzeitige Beteiligung eher zurückhaltend, jedoch erwies sich die Bereitschaft zur Mitarbeit insbesondere bei den Generalisten als gut. Deshalb ziehen die Autoren den Schluss, dass eine angemessene Honorierung, die Verfügbarkeit tragbarer Behandlungseinheiten sowie die Möglichkeit der Spezialisierung die künftige seniorenzahnmedizinische Versorgung Pflegebedürftiger gewährleisten könnte.

Dr. med. dent. Hubert C. Roggendorf, Dr. Franz-Josef Faber, Prof. Dr. Michael A. Baumann, Dr. Susanne Christian, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinik Köln, Kerpener Str. 32, 50931 Köln, Kontakt: hubert.roggendorf @uk-koeln.de

Prof. Dr. Roland Frankenberger, Dr. Andreas Braun, Dr. Matthias J. Roggendorf, Philipps-Universität Marburg

Die sogenannte Geroquest-Studie ist Teil des gemeinsamen wissenschaftlichen Kooperationsprojekts ColMar, eines 2010 gegründeten wissenschaftlichen Arbeitszirkels der beiden Zahnkliniken der Universitäten Köln und Marburg.


 


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