Sonja Schultz
04.05.15 / 08:34

ZFA: Hürden in der Lehre

Für Jugendliche wie Lehrende bringt die Ausbildung zur ZFA Herausforderungen mit sich. Das Berufsbild hat sich stark gewandelt - und nicht alle sind den Anforderungen in Berufsschule und Praxis gewachsen.




Leistungsstörungen, zunehmende Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme - das stellen Untersuchungen wie der Youth-Self-Report bei einem doch erheblichen Teil (12,5 bis 27 Prozent) der deutschen Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren fest. Derartige Entwicklungen spiegeln sich auch in den Ausbildungsberufen wider, wenn bei Schülern die allgemeine Lesekompetenz oder die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht nachlässt. Lernkonzepte, die Alternativen zum Frontalunterricht anbieten und individueller auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Auszubildenden eingehen, könnten in den Berufsschulen zunehmend wichtiger werden.

Die Schulung zur/m Zahnmedizinischen Fachangestellten fordert die Jugendlichen in mehrfacher Hinsicht. Teilweise sind sie zu Beginn der Ausbildung mit 15 bis 16 Jahren noch sehr jung. Die Doppelbelastung durch lange Arbeitszeiten in der Praxis und den Berufsschulunterricht ist für sie eine neue Erfahrung. "Zum Teil müssen Hobbys aufgegeben werden, und auch sonst müssen Lebensumstände an die 'Erwachsenenwelt' angepasst werden", sagen Nicole Ahlborn und Erika Hötte von der Verwaltung des Schulzentrums Walle in Bremen. Was für Erwachsene eine Selbstverständlichkeit sein mag, damit müssen frische Schulabgänger erst einmal umgehen lernen.

Den eigenen Stil an die Erwartungshaltung anpassen

"Die Zahnmedizinische Fachangestellte", die Ausbildungszeitschrift zum ZFA-Beruf, listet unter ihren Tipps für Berufseinsteiger noch ganz andere Aspekte auf. Denn das medizinische Tätigkeitsfeld hat unter Umständen auch Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild der Auszubildenden: Hypermodische Fingernägel, auffällige Tattoos und Piercings sind nicht gern gesehen. Eventuell müssen die Jugendlichen ihren persönlichen Stil anpassen und auf die Altersstruktur der Patienten sowie auf die Hygieneregeln Rücksicht nehmen. Auch Körperpflege und die Wahl des richtigen Deos können ein Thema sein, gerade wenn zu Beginn der Lehrjahre die Unsicherheit noch am größten ist und die Neulinge schon einmal ins Schwitzen kommen.

Martin Gökeler, Abteilungsleiter Dentalberufe der Alexander-Fleming-Schule in Stuttgart, beschreibt den Sprung in den Praxisalltag als die größte Herausforderung für die jungen Auszubildenden: "Sie müssen sich erst daran gewöhnen, eng mit Menschen umzugehen. Auf Patienten zuzugehen und sie zu führen - das sind die Jugendlichen nicht gewohnt. Doch ich finde es immer wieder großartig, beobachten zu können, wie die Auszubildenden durch die Anforderungen, die an sie gestellt werden, wachsen. In der Regel entlassen wir nach drei Jahren Ausbildung junge Damen in die Arbeitswelt, die sehr selbstbewusst in der Praxis arbeiten und die ihnen übertragenen Verantwortungsbereiche selbstständig wahrnehmen."


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