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17.10.13 / 11:45

Zehn Tipps für die barrierefreie Praxis

Was sind in der Zahnarztpraxis die größten Stolperfallen für Patienten mit Handicap? Frank Opper, Architekt und Sachverständiger für barrierefreies Bauen und Wohnen, hat die ehemalige Praxis des stellvertretenden KZBV-Vorsitzenden Dr. Günther E. Buchholz auf Barrieren geprüft.



1. Die Eingangssituation

Zugänglichkeit: Kleinkariertes Pflaster ist nicht geeignet, der Fugenanteil ist zu groß - dadurch wird der Belag zu holprig. Patienten könnten stürzen.

Stufe:  Der Eingang sollte schwellenfrei sein. Selbst eine Schwelle, die zwei Zentimeter hoch ist, ist für Rollatoren oder Rollstuhlfahrer problematisch.

Türgriffe: Der Griff ist zu klein. Hier wäre eine lange Stange für verschiedene Greifbereiche  geeignet. Der Fußabweiser ist ganz gut, weil die Rollstuhlfahrer sich ansonsten stoßen.

Klingelanlage: Sie ist optisch nicht ausreichend. Für Sicht- und Greifeingeschränkte müsste sie größer sein.

Eingangstür: Sie muss elektrisch über einen für Rollstuhlfahrer zugänglichen Druckknopf zu öffnen sein. Der Druckknopf muss außerhalb des Drehbereichs der Tür angebracht sein. Es ist unter Umständen auch möglich, mit einer Gegensprechanlage zu arbeiten.

Türglas: Eine verglaste Tür ist insofern hilfreich, da man ein Gegenüber sehen kann. Die Scheibe muss aber mit Durchbrüchen sein, damit klar erkennbar ist, dass es sich hier um eine Glasscheibe handelt.

Türmatte: Eine Matte ist immer eine Stolperfalle. Wenn, dann sollte sie möglichst nur in den Boden eingelassen und aus einem nicht rutschenden Niederfloorteppich bestehen (keine Lochgummis wegen Stolpergefahr).

2. Die Stufen zum Eingang

Fünf Stufen: 94 Zentimeter Treppenhöhe bedeutet eine 15 Meter-Rampe plus 1,50 Meter Zwischenpodest bei maximal sechs Prozent Steigung. Das ist nicht realisierbar.

Flurläufer: Er ist gummiert, dadurch rutschfest, aber eben nicht schwellenfrei.

Treppenstufen: Beidseitige Handläufe sollten hier angebracht werden, dies ist allerdings nur für Geh-Eingeschränkte eine Hilfe. Die Stufen könnten kontrastreicher sein. Die Sichtstärkenintensität muss gegeben sein, zum Beispiel durch Schwarz-Weiß-Kontraste.

Treppenlifter: Sie sind keine Alternative, weil sie personalbedient werden müssen, außerdem behindert der Treppenlift die Geh-Eingeschränkten beim Stufensteigen.

3. Die Gegenschließanlage

Der Obertürschließer muss sehr leichtgängig eingestellt sein, damit die Menschen die Türen öffnen können. Oder man verwendet auch hier elektrische Türöffner.

4. Die Praxiseingangstür

Die Beschriftung: Zur Praxis selbst ist sie ausreichend.

Die Türbreite: Die Tür ist zu schmal. Mindestens 90 Zentimeter bis 101 Zentimeter Durchgangsbreite und 2,13 Meter Kopfhöhe sind nötig, das ist die DIN Norm.

Knauf: Der ist für Menschen mit eingeschränkter Greiffähigkeit nicht gut.  Eine Längsstange wäre die beste Lösung.

Türmatte: Die ist nicht rutschfest.

Kingeltaste: Die Taste ist nicht zu erkennen, weil sie zu klein ist.

5. Die Rezeption

Der Tresen: Die Reling fehlt. Es gibt keinen abgesenkten Thekenbereich und keine Krückenhalterung. Der Teppichbelag ist nicht für Rollatoren und Rollstuhlfahrer befahrbar und ist sehr anfällig für Verschmutzung.

6. Das WC

Die Tür: Sie ist zu schmal und muss nach außen aufgehen, damit man, falls jemand stürzt und hinter der Tür liegt, ihn bergen kann.

Innenbereich: Die Bewegungsfläche ist zu gering. Kontraste sind gut. Die Türen sind klar zu erkennen, zum Beispiel für seh-eingeschränkte Patienten. Auch hier gehen die Türen wieder nach innen. Vorschlag: Auflösung der separaten Toiletten und eine große barrierefreie Toilette.

7. Das Behandlungszimmer

Eingangsbereich Behandlungszimmer: Die Tür zum Behandlungszimmer ist zu schmal. Mindestens eine Tür zum Behandlungszimmer sollte DIN Norm 1848 mit 101 Zentimeter Türbreite aufweisen.

8. Der Wartebereich

Die Stühle stehen sehr eng. Es gibt keinen Platz für Rollstuhlfahrer.

9. Der Flur

Im Flurbereich muss es mindestens 90 bis 120 Zentimeter Verkehrsfläche geben. Diese Fläche sollte frei gehalten und nicht durch Möbel zugestellt werden. Eventuell könnten hier auch Haltegriffe an der Wand angebracht werden.

10. Das Licht

Das Licht sollte blendfrei sein. Auch Kontraste sind wichtig. Die Kontraste im Flur sind sehr gut, der Teppich, Boden, Wand und Türzargen klar erkennbar.

Frank Opper
Architekt und Sachverständiger für barrierefreies Bauen und Wohnen
Auf der Wiese 20
41564 Kaarst



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