Susanne Theisen
30.07.13 / 10:42

Zum Boys' Day in die Praxis

Zum Boys' Day in die Zahnarztpraxis - im April 2013 kamen zwei Schüler zu der Berliner MKG-Chirurgin Dr. Dr. Anette Strunz. Wie dieser Tag verlief und warum sie sich dazu entschieden hat, erzählt sie hier.




zm-online: Frau Strunz, Warum haben Sie mit Ihrer Praxis am Boys' Day teilgenommen?

Anette Strunz: Ich habe irgendwo einen Aufruf gelesen, sich daran zu beteiligen. Das hat mich sofort neugierig gemacht.

Waren Sie überrascht, dass junge Männer Interesse am Beruf des ZFA haben könnten?

Nein. Wir haben letztes Jahr eine neue ZFA gesucht und zum ersten Mal auch Bewerbungen von Männern bekommen. Ich fand die Idee eines gemischten Teams genial. Es ist einfach immer gut, wenn sowohl Männer als auch Frauen in einem Team sind. Das bringt eine ganz andere Dynamik rein.

War das Organisieren des Boys' Day viel Aufwand?

Es war total unkompliziert und hat maximal 30 Minuten gedauert. Man registriert sich online, beschreibt kurz die Praxis und die Plätze, die man für die Schüler anbietet, und kann ein Foto hochladen. Danach ist man in einer Datenbank, in der die Schüler nach einem passenden Angebot für den Boys' Day suchen. 

Haben sich schnell Interessenten gefunden?

Unsere zwei Plätze waren nach zwei Tagen vergeben.

Und wer kam zu Ihnen?

Zwei sehr junge Realschüler. Mir war vorher gar nicht so klar, dass man unter Umständen auf 13- oder 14-Jährige trifft. Das war auch kein Problem, aber man muss schon sagen, dass sie nicht so richtig erfasst haben, dass es ein Unterschied ist, ob man studiert oder eine Ausbildung macht und was es für verschiedene Möglichkeiten der Berufsausbildung gibt.

Wie lief der Tag ab?

Wir haben zu Beginn ein ausführliches Gespräch mit den beiden geführt und erklärt, was das Spektrum unserer Praxis ist, was Mund-, Kiefer- Gesichtschirurgie bedeutet und was der Beruf des ZFA beinhaltet. Danach waren ein Helfer und eine Helferin für die beiden zuständig. Sie haben ihnen die technischen Aspekte des Jobs gezeigt, zum Beispiel das Arbeiten mit der dentalen Volumentomografie. Sie waren außerdem beim Röntgen, bei der Sterilisation und bei einer OP dabei und haben sich gegenseitig Abdrücke genommen und diese dann ausgegossen, so dass jeder ein Modell von sich mit nach Hause nehmen konnte.

Haben die Jungs viele Fragen gestellt?

Nein, dazu waren sie zu schüchtern. Deshalb war es wichtig, ihnen ein Programm zu bieten und nicht zuviel von ihnen zu erwarten. Man muss sich schon darauf einstellen, dass da Jugendliche kommen, die fast noch Kinder sind - und manchmal durchaus albern.

Haben sie denn erzählt, warum sie den Boys' Day bei Ihnen verbringen wollten?

Der Eine hat sich die Praxis bewusst ausgesucht, weil er einen Beruf will, der ihn mit vielen Menschen zusammenbringt. Der Andere ist, glaube ich, da hingegangen, wo sein Kumpel hin wollte.

Wie fanden die beiden den Tag?

Man merkte schon, dass der eine interessierter und engagierter war. Ich glaube aber, dass wir beiden einen unvergesslichen Tag geboten haben und sie das Gefühl hatten: Hier werde ich gewertschätzt. Beim Abschiedsfoto haben sie zumindest gestrahlt und der Interessiertere der beiden sagte, er wäre dann in vier Jahren wieder da und Teil unseres Teams.

Wie fanden Sie den Tag?

Er hat mich in dem Entschluss bestärkt, in unserer Praxis selber auszubilden. Das haben wir bisher nur einmal getan. Seit vorletztem Monat haben wir jetzt zwei Azubis - eine Frau und einen Mann - und das klappt super. Ich sehe auch, dass unser Team an der Verantwortung wächst.

Werden Sie den Boys' Day nächstes Jahr wieder anbieten?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich schon. Einerseits, weil ich gespannt auf die Jugendlichen bin, die zu uns kommen, andererseits, weil es eine gute PR-Maßnahme für die Praxis ist. Vor allen Dingen aber, weil ich denke, dass Nachwuchsförderung wichtig ist. Es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden. Wir als Arbeitgeber haben eine Verpflichtung, uns um den Nachwuchs zu kümmern und ihn zu fördern.

Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin Dr. Dr. Anette Strunz ist seit neun Jahren in einer Gemeinschaftspraxis in Wilmersdorf niedergelassen. In ihrem Team arbeiten zehn weibliche und zwei männliche ZFA, darunter zwei Azubis. 

Am Boys' Day schnuppern Schüler in Berufe hinein, in denen nur wenige Männer arbeiten. Der nächste Boys' Day findet am 27. März 2014 statt. Infos und Anmeldung unter boys-day.de.
 


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