Zahnärztlicher Gesundheitsdienst Schwedt
Susanne Theisen
12.11.15 / 12:53

Kein Job für schwache Nerven

Studium, Examen, Assistenzzeit - und dann? Auf diese Frage können Zahnärztinnen und Zahnärzte heute eine Fülle von Antworten geben. Welche Formen der zahnärztlichen Arbeit möglich sind, zeigt unsere Reihe "Berufswelten". Im vierten Teil berichtet Zahnärztin Jana Kalk aus Schwedt über den Alltag im Öffentlichen Gesundheitsdienst.




Frau Kalk, fanden Sie einen Job im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) schon während des Studiums interessant?

Jana Kalk: Als Studentin habe ich überhaupt nicht in diese Richtung gedacht. Während meines Studiums kam gerade die Möglichkeit auf, als angestellte Zahnärztin in einer Praxis zu arbeiten. Das war damals für mich eine attraktive Perspektive für die Zukunft.

Haben Sie das dann auch nach Ihrem Abschluss gemacht?

Ja. Ich habe fünf Jahre als angestellte Zahnärztin bei meinem Hauszahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Schwedt gearbeitet. Vor circa drei Jahren fragten mich meine Arbeitgeber, wie ich mir meine weitere berufliche Laufbahn vorstelle und ob ich einmal die Praxis übernehmen möchte. Vor der damit verbundenen Verantwortung und den hohen Kosten hatte ich aber großen Respekt. Das Angestelltenverhältnis fand ich angenehmer. 

"Dann entdeckte mein Mann in der Regionalzeitung eine Stellenanzeige"

Wie ging es dann weiter?

Zeitgleich zu der Frage, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle, entdeckte mein Mann in der Regionalzeitung eine Stellenanzeige für den Zahnärztlichen Dienst im ÖGD hier in Schwedt. Ich hätte sie glatt überlesen, fand die Möglichkeit aber sofort gut habe mich auf die Anzeige beworben und die Stelle bekommen.

Zogen Sie es alternativ in Betracht, woanders wieder in die Anstellung zu gehen?

Nein. Als Angestellte hatte ich auch Arbeitszeiten bis teilweise 20 Uhr, weshalb ich den einen oder anderen Termin meiner Kinder in der Kita oder in der Schule versäumt habe. Das passiert mir heute nicht mehr, familienfreundlicher als beim ÖGD geht es nicht. 

Welche Vorstellung hatten Sie von dem Job, als sie anfingen?

Was ganz genau auf mich zukommen würde, wusste ich nicht, außer dass ich viel mit Kindern und Jugendlichen arbeiten werde. Das hat mir zugesagt. Als angestellte Zahnärztin hatte ich bereits viele Kinder und Jugendliche behandelt. Ihre offene und ehrliche Art hat mir schon immer zugesagt.

Was gehört alles zu Ihren Aufgaben?

Eine ganze Menge: Hauptaufgabe des Zahnärztlichen Dienstes ist die jährliche zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung bei Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen zur Früherkennung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Weiterhin führen wir Gruppenprophylaxemaßnahmen durch. Dazu gehören altersgemäße Vorträge über Themen wie adäquate Mundhygiene oder gesunde Ernährung. Hinzu kommen Fluoridierungsmaßnahmen für Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko in Schwerpunkteinrichtungen wie Förderschulen und teilweise in Grundschulen.

In unser Aufgabenfeld fällt außerdem das Betreuungscontrolling von Kindern und Jugendlichen mit auffälligen Befunden. Wir kümmern uns um die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Elternversammlungen, wir schulen Paten, Lehrer und Erzieher in unserem Aufgabengebiet, schreiben Gutachten für verschiedene Ämter, etwa Jugend- und Sozialamt, oder andere Institutionen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Dokumentation und Auswertung unserer Untersuchungsbefunde, unter anderem in Form einer jährlichen Gesundheitsberichterstattung. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Aktionstage in Kitas oder Schulen zum Thema Zahngesundheit. Dort organisieren wir beispielsweise Theaterstücke.

Wie sieht der Tagesablauf bei der Arbeit des Zahnarztes im ÖGD aus?

Mein Arbeitstag beginnt um 6:30 Uhr. Gegen 7 Uhr fahren meine Prophylaxehelferin und ich zu den jeweiligen Einrichtungen, also Schule oder Kindergärten, wo wir meistens um 8:30 Uhr anfangen. Pro Klasse habe ich circa eine Unterrichtsstunde Zeit, um einen etwa zehnminütigen Vortrag über gesunde Ernährung und die richtige Zahnpflege zu halten. Dafür haben wir ganz viele verschiedene Anschauungsmaterialien, unter anderem demonstrieren wir den Kindern die Zahnzwischenraumpflege.


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