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12.06.17 / 15:45

Verdienst: Zahnarzt Junior vs. Zahnarzt Senior

Im Durchschnitt verdiente ein Zahnarzt im Jahr 2014 vor Abzug von Steuern 151.700 Euro. Verdient ein Zahnarzt Junior damit mehr oder weniger als sein Vater?



Wenn man die Zahnarztpraxis des Vaters weiterführt, übernimmt man auch den jeweiligen Patientenstamm. PeopleImages.com/istockphoto

Wenn man die Zahlen des Einnahmen-Überschusses von 2004 bis 2014 analysiert, dann sieht es erst einmal sehr gut aus. In diesen zehn Jahren ist der Gewinn (vor Abzug von Steuern) von Zahnärzten in Deutschland um durchschnittlich 37,3 Prozent angestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 3,2 Prozent. Allerdings muss hier noch die Teuerung von Gütern des täglichen Bedarfs miteinbezogen werden. Der Preisindex stieg von 2004 bis 2014 um 17,8 Prozent an. Berücksichtigt man diese allgemeine Preisentwicklung ist das Einkommen von Zahnärzten von 2004 bis 2014 dennoch um 16,6 Prozent angestiegen.

Das Einkommen ist gestiegen - aber früher war der Verdienst höher!

Denkt man sich nun das Szenario der Praxisübernahme einer Tochter, die Zahnärztin gelernt hat, vom Vater, der ebenfalls als Zahnarzt tätig war, dann ergibt sich noch eine höhere Zuwachsrate. Seit dem Jahr 1976 ist der Einnahmen-Überschuss, zumindest in den alten Bundesländern, um 55 Prozent gestiegen. Aber, und jetzt kommt die Crux an der Kalkulation, die anderen Ausgaben sind in einem wesentlich höheren Maß gestiegen. Der Preisindex erhöhte sich von 1976 bis 2014 um 136 Prozent. Die Bruttolöhne stiegen im selben Zeitraum um 184 Prozent. Tatsächlich sind die noch zu versteuernden Einnahmen der jungen Zahnärztin im Vergleich zum Vater deshalb um 34 Prozent gesunken.

Die Beispielrechnung in Zahlen ausgedrückt: Wenn ein verheirateter Zahnarzt Junior mit zwei Kindern alle Steuern und die gesamten Beiträge für die soziale Sicherung (Altersvorsorge, Krankenversicherung) gezahlt hat, dann bleibt ihm im Jahr 2014 ein verfügbares durchschnittliches Einkommen (Medianwert) von 83.000 Euro. Der Zahnarzt Senior verdiente seinerzeit 34 Prozent mehr im Jahr, was heute einem verfügbaren, jährlichen Einkommen von 111.220 Euro entspräche.
Erschwerend für Zahnärzte, die sich in heutiger Zeit selbstständig machen wollen, kommt ein gestiegenes Finanzierungsvolumen hinzu. Kostete die Neugründung einer Zahnarztpraxis im Zeitraum 2006/2007 noch durchschnittlich 341.000 €, stieg die Summe bis zum Jahr 2014 auf 422.000 € an. Im Vergleich zu anderen Facharztgruppen gehen Zahnärzte mit der Selbstständigkeit damit ein sehr hohes Risiko ein. Denn andere Fachärzte, wie zum Beispiel Internisten, verdienen im Jahr wesentlich mehr, haben aber ein geringeres Finanzierungsvolumen bei Praxisneugründungen.

Starke Streuung

Bei dem obigen Vergleich zwischen Zahnarzt Junior und der Tochter handelt es sich selbstverständlich um eine Durchschnittsberechnung. Verschiedene Faktoren können das Einkommen auf individueller Ebene stark beeinflussen. Fakt ist zum Beispiel, dass es beim Einkommen der Zahnärzte eine starke Streuung gibt. 50 Prozent der Zahnärzte lagen im Jahr 2014 mit ihren Einkommen unter 136.800 Euro. Fast jeder zehnte Zahnarzt in Deutschland musste am Ende des Wirtschaftsjahres auf ein katastrophales Betriebsergebnis blicken (Ø 50.000 € vor Steuerabzug). Ähnlich hoch ist der Anteil der Spitzenverdiener in den alten Bundesländern. 11,4 Prozent der dort tätigen Zahnärzte verdient im Jahr vor Abzug von Steuern über 250.000 €. In den neuen Bundesländern ist der Anteil der Spitzenverdiener wesentlich geringer. Nur 4,2 Prozent der dort tätigen Zahnärzte haben einen Einkommensüberschuss vor Steuerabzug von 250.000 Euro.
Die ungleiche Einkommensverteilung zwischen ost- und westdeutschen Praxen, zeichnet sich auch bei der Gesamtberechnung ab: Praxen in den neuen Bundesländern warfen im Durchschnitt 111.300 € im Jahr 2014 ab. Bei Praxen in den alten Bundesländern waren es durchschnittlich 143.000 €.
Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Hinsichtlich eines Faktors geht es dem Zahnarzt Junior heute besser als seinem Senior-Counterpart: Die Gesamtarbeitszeit hat im Durchschnitt in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Stand ein westdeutscher Zahnarzt im Jahr 1992 noch 48,4 Stunden in der Praxis, waren es 2014 nur noch 47 Stunden. Bei den ostdeutschen Kollegen sieht es noch besser aus. Hier waren es 1992 sogar 52,6 Stunden/Woche. Im Jahr 2014 betrug die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ganze 7,1 Stunden weniger (Ø 45,5 Stunden).
 
Was ist ein Einnahmenüberschuss?
Bei der Einnahmenüberschussrechnung (oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) werden  alle Einnahmen und Ausgaben eines Wirtschaftsjahres gegengerechnet. Übrig bleibt dann der zu versteuernde Gewinn des Selbstständigen.
 
Was ist ein Medianwert?
Der Medienwert ist ein Mittelwert. Bezogen auf das obige Beispiel bedeutet er, dass 50 Prozent der im Westen tätigen Zahnärzte im Jahr 2014 nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben mehr als 83.000 Euro verdient haben, während die anderen 50 Prozent den Wert überschritten.
 
Was ist ein Finanzierungsvolumen?
Ein Finanzierungsvolumen beschreibt das notwendige Gesamtkapital, das ein Zahnarzt bei der Neugründung einer Praxis benötigt.
 


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