ck/pm
30.11.12 / 13:56

Alexandra: 39 Jahre, HIV-positiv

Die heute alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Sohns konnte es nicht glauben: HIV. Im Jahr 2002 kein unbedingtes Todesurteil mehr, aber ein tiefer Einschnitt in ihr Leben und das ihrer Familie.



"Ich fiel in ein tiefes Loch“, erinnert sich die 39-Jährige. "Ich fuhr vom Krankenhaus aus sofort zu meiner Mutter. Sie war völlig aufgelöst, hat sich aber schnell wieder gefasst. Sie sagte: Kind, wir schaffen das. Wir machen weiter, wie bisher!“

Irgendwann war es "ganz normal"

Nach und nach erfuhren es auch ihr Bruder und ihre engsten Freunde. "Am Anfang gab es schon Berührungsängste. Alle mussten sich erst einmal in der neuen Situation zurechtfinden. Wir haben uns Bücher gekauft, sie verschlungen und uns dann gegenseitig ausgeliehen.“ Durch viele gemeinsame Gespräche wurde der Umgang mit dem Thema immer offener. "Und irgendwann war es dann ganz normal“, sagt Alexandra und formt bei den Wörtern "ganz normal“ imaginäre Anführungszeichen mit ihren Fingern.

Schicksalsschläge

Dabei lächelt sie. Für Alexandra und ihre Familie war die Diagnose nicht der erste Schicksalsschlag. "Die Trennung von meinem Mann war schlimm für uns alle, besonders für meinen Sohn. Als dann auch noch mein nächster langjähriger Partner an Krebs verstarb, da dachten wir, dass es nicht schlimmer werden könne.“

Für Alexandra war es fast unerträglich, dass sie ihrem damals noch kleinen Sohn so lange nichts von der Krankheit erzählen konnte. "Ich habe gewartet, bis er alt genug war. Aber ich hatte immer Angst, dass er merkt, dass etwas mit mir nicht stimmt.“

Not macht erfinderisch

Not macht erfinderisch. Diese Weisheit trifft auch auf Alexandra zu. Um nach den diversen Folgeerkrankungen, mit denen sie anfangs kämpfte, wieder zu Kräften zu kommen, begann sie mit dem Laufen. 2009 wurde sie auf das Projekt B42 aufmerksam. Dafür wurden Menschen mit HIV gesucht, die Lust hatten, professionell betreut an einem Marathon teilzunehmen.

Eine neue Mission

"Ich habe darin eine Chance gesehen, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Und wieder so fit zu werden, dass mein Sohn sich keine Sorgen um mich machen muss“, erzählt Alexandra und strahlt dabei auch heute noch die Zuversicht aus, die ihr diese neue Mission gab. Sie trainierte drei bis vier Mal in der Woche.

Im gemeinsamen Sommerurlaub vergangenes Jahr war dann der Moment gekommen. "Es ging mir gut. Ich war kräftig und die Sonne schien. Wir machten einen Spaziergang und da habe ich allen Mut zusammen genommen es ihm gesagt“, erzählt Alexandra nicht ohne Stolz. "Ich habe ihm gesagt, dass er es in der Schule zunächst für sich behalten solle, weil er ausgegrenzt werden könnte. Und ich habe ihm Gesprächspartnerinnen und -partner wie seine Oma und meinen Bruder genannt, mit denen er über alles reden konnte.“

Als Streckenposten dabei

Noch heute ist ihr Sohn bei jedem Lauf seiner Mutter als Streckenposten dabei. Er feuert sie an, versorgt sie mit Wasser und Energieriegeln. Beide sind sich vollkommen einig: Trotz schlimmer Dinge, die einem im Leben widerfahren, kann das Leben schön sein! Dass Ausgrenzung und Stigmatisierung von HIV-Positiven und sogar deren persönlichem Umfeld immer noch allzu oft an der Tagesordnung sind, weiß Alexandra von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der lokalen Aids-Hilfe.

Bereits seit 2005 leistet sie Aufklärungsarbeit an Schulen. Die Dankbarkeit der Schüler berührt sie dabei immer wieder aufs Neue. "Einmal hat mich ein Mädchen nach der Präventionsstunde in den Arm genommen und ganz fest gedrückt“, berichtet sie und meint: "Information und ein offener Umgang mit dem Thema sind eben das Allerwichtigste!“



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