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17.07.14 / 10:00

BRT - eine Alternative zu Extraktionen?

Bei zahnärztlichen Hilfseinsätzen in Entwicklungsländern ist die Extraktion meist die gängige Behandlungsart. Dr. Anna-Louisa Holzner vom Universitätsklinikum Erlangen verweist im Interview auf Alternativen bei der Behandlung unter Extrembedingungen.



zm-online: Frau Holzner, warum wird aus Ihrer Sicht bei Behandlungen durch Zahnärzte ausländischer Hilfsorganisationen in Entwicklungsländern so viel extrahiert?

Dr. Anna-Louisa Holzner: An vielen Orten fehlt es an zahnmedizinischer Ausrüstung und Behandlungsmöglichkeiten. Der einfachste und schnellste Weg ist häufig die Extraktion. Damit ist den Patienten in schwer zugänglichen Gebieten auch am schnellsten geholfen. Um die Versorgungsmöglichkeiten zu optimieren, haben wir uns mit der Entwicklung des Basic Root Canal Treatments zum Ziel gesetzt, eine einfache Möglichkeit zu entwickeln, um die therapeutische Lücke zwischen Füllungstherapie und Extraktion zu schließen. 

Das Basic Root Canal Treatment ist eine restaurative Alternative zu Extraktionen in Entwicklungsländern - wie funktioniert das genau?

Das Basic Root Canal Treatment ist bisher an einwurzeligen, vitalen Zähnen zum Einsatz gekommen. Nach der vollständigen Kariesexkavation und der Eröffnung der Pulpa wird nach taktiler beziehungsweise endometrischer Längenmessung der Kanal mit Handistrumenten aufbereitet und aufgrund der guten Temperaturstabilität mit Chlorhexidindigluconat-Lösung gespült. Im Anschluss an eine Alkoholspülung und vollständige Trocknung des Kanals erfolgt die Wurzelkanalfüllung in Einstifttechnik mit Guttapercha und einem Zink-Oxid-Eugenol Zement. 

Sie haben die Behandlungserfolge nach dem BRT-Konzept über einen Zeitraum von 24 Monaten in Gambia untersucht. Was haben Sie zusammengefasst festgestellt?

Die taktile Längenbestimmung führte in der aktuell veröffentlichten Studie (Anmerkung der Redaktion: Journal of Endodontics [Jordan RA, Holzner AL et al., 2014]) im Vergleich zur radiologischen Längenbestimmung zu vergleichbaren Ergebnissen und erwies sich als exakte Methodik für das Basic Root Canal Treatment.

Und wo liegen die Grenzen des BRT-Konzepts?

Das Indikationsspektrum ist bisher sehr klar definiert und eingeschränkt. Das BRT wurde bisher nur für einwurzelige, vitale Zähne untersucht. Es bleibt spannend, abzuwarten, wie sich die Ergebnisse für mehrwurzelige Zähne (gegebenenfalls auch mit infizierten Nekrosen) darstellen werden.

Dr. Anna-Louisa Holzner spricht auf einem Einsatz für das Gambia Dent Care Programm mit den Menschen vor Ort. privat

Für ihren Vorschlag, auch in Entwicklungsländern eine sehr vereinfachte Wurzelbehandlung ohne Strom, Wasser und Behandlungsstuhl durchzuführen, erhielt Anna-Louisa Holzner im Jahr 2011 den Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET).

Die Fragen stellte Sara Friedrich.
 


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