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14.03.13 / 09:39

Behandlungen am Straßenrand

Gabriele Kämpf ist Zahnärztin im Ruhestand und lebt in Bayreuth. Ihre Schwester Sabine Fricke wohnt und arbeitet am anderen Ende der Welt in Shanghai. Ihre Bilder von Dentisten am Shanghaier Straßenrand hat sie zm-online zur Verfügung gestellt.




Fricke ist Diplom-Designerin, arbeitet auch als Fotografin und ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Seit vielen Jahren lebt sie mit ihrem Mann überwiegend in China. Mit der Kamera fängt sie Motive ein, die für das westeuropäische Auge und auf unsere Empfindungen manchmal fremd und exotisch wirken. Ihr zentrales Thema bei der Fotografie: Begegnungen mit Menschen und Street Fotografie.

"Ich fühle mich sehr wohl in China, insbesondere in Shanghai. Es ist wohl eine der schönsten Städte, die ich kenne", berichtet Fricke gegenüber zm-online. Die kleine "Zahnarztpraxis" hat sie bei einem ihrer Streifzüge durch den Stadtteil Honkou entdeckt. "Es war eine glückliche Gelegenheit, so eine Szene zu fotografieren. Oftmals machen die Straßen-Zahnärzte die Türen zu, wenn sie merken, dass man sie fotografieren will."

Manchmal nur ein Tisch an der Straße

Fricke weiter: "Es ist eine einfache Praxis am Straßenrand. Davon gibt es hier in Shanghai noch einige. Diese Praxen sind hauptsächlich für Leute, die keine Versicherung haben. Über die Ausbildung der Ärzte in diesen Straßenpraxen, konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen."

Bei Weitem nicht alle Praxen seien so. Fricke beobachtet ganz deutliche Unterschiede: "Es gibt noch einfachere, manchmal nur ein Tisch an der Straße, oder eine ganz kleine Praxis innerhalb eines Pflanzen- und Tiermarkts. Auf der anderen Seite gibt es hier in Shanghai hervorragende Dentalkliniken mit nationalen und internationalen Ärzten. Die sind dann auch sehr schick und in bester Lage.

Ich musste einmal in die Kowa Dentalklinik im Jin Mao Tower, da konnte ich keinen Unterschied zu einer westlichen Praxis feststellen, wobei mein behandelnder chinesischer Zahnarzt kein Englisch konnte. Dies war jedoch überhaupt kein Problem, da seine Assistentin die Sprache sehr gut beherrschte. Die Behandlung war sehr gut. Und in vielen Kliniken sind auch deutsche Ärzte zu finden."

Der Geldbeutel bestimmt die Versorgung

Es komme immer auf den Inhalt des Geldbeutels an, wer welche Praxen oder Kliniken besuchen kann. Eine Putzkraft an einer Schule verdiene ungefähr 800 RMB (knapp 100 Euro). Sie kann sich keinen Besuch in einer Klinik leisten. Wanderarbeiter verdienten noch weniger. "Insgesamt finde ich die Gesundheitsversorgung hier in China in den großen Städten sehr gut, auf dem Land sieht dies jedoch ganz, ganz anders aus", ergänzt Fricke.

Neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Textildesignerin und Textilkünstlerin organisiert sie in Deutschland kleine Ausstellungen und hält Vorträge über China. Vor allem ist ihr ein großes Anliegen über die Freundlichkeit der Menschen in Shanghai zu berichten. In regelmäßigen Abständen geht sie in eine chinesische Oberschule, um dort mit Abiturienten, die Deutsch belegt haben, die Sprache zu üben.


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