Dieter Buhtz
31.01.13 / 15:17

Behandlungen auf einem alten Reisfrachter - Teil 1

Der pensionierte Berliner Zahnarzt Dieter Buhtz (64) fliegt nach Myanmar in Südostasien, um drei Wochen an Bord einer schwimmenden Klinik die Menschen dort zu behandeln. Seine Eindrücke der Reise.




"Mingalanenekinba U Hleigh Myint!“ (Guten Morgen, U Hleigh Myint). Morgens ist der Kapitän der "Zawgyi“ meist der Erste, dem ich begegne. "Mingalaba U Dieter“ antwortet er. Und ich mache ihm die Freude, die mühsam erlernten burmesischen Sätze aufzusagen, die er mir beigebracht hat. Mittlerweile breche ich mir dabei auch nicht mehr die Zunge ab - und U Hleigh Myint ist ungemein stolz auf sich als Lehrer.

Ein vieltausendfacher Glücksbringer

Ich bin an Bord der Zawgyi unterwegs mit den Swimming Doctors im Delta des Ayeyarwady. Die "Zawgyi“, zu Deutsch "vieltausendfacher Glücksbringer“, trägt den Namen eines alten burmesischen Zauberers und Magiers, der vor mehr als 1.000 Jahren gelebt haben soll und angeblich sogar fliegen konnte. Der Name passt: Auch die Swimming Doctors bewirken hier im Delta immer wieder kleine Wunder und bringen den Menschen Glück.

Am 2. Mai 2008 fegte der Zyklon Nargis mit unvorstellbarer Gewalt über das Delta hinweg und zerstörte mit einem Schlag die Existenz der hier lebenden Bevölkerung. Mehr als eine Million Menschen waren über Nacht obdachlos, ohne Kleidung, ohne Nahrung. Dank internationaler humanitärer Hilfe können die Menschen dort ihr Leben mittlerweile wieder selbst in die Hand nehmen.

Im abgeschiedenen Delta bleibt nur das Boot

Das Delta ist ein abgeschiedenes, von der Regierung weitgehend vernachlässigtes Gebiet, durchzogen von Flüssen und Kanälen, ohne Straßen, Industrie oder Sehenswürdigkeiten. Die Menschen leben vom Reisanbau und vom Fischen. Um voranzukommen, fährt man mit dem Boot. Daraus entstand die Idee, mit den Swimming Doctors den Menschen im Delta eine mobile medizinische Grundversorgung anzubieten, Schwangere und Neugeborene zu untersuchen und seit Neuestem auch eine zahnärztliche Grundversorgung zu gewährleisten.

Finanziert werden die Swimming Doctors von der Stiftunglife in Zusammenarbeit mit Hapag-Lloyd. Daneben engagiert sich Stiftunglife in vielen unterprivilegierten Ländern vornehmlich für Kinderprojekte, den Bau von Schulen, die Förderung von Studenten, die Einführung von Solarlampen und Wasserprojekten in dörflichen Gegenden und für die Tafeln in Deutschland. Bemerkenswerterweise fallen bei dieser Stiftung keine Verwaltungskosten an.

Aufmerksam wurde ich auf die Swimming Doctors durch eine Annonce in den zm. Jürgen Gessner, einer der Gründer der Stiftunglife, und Patrick Meyer hatten wenig Mühe, mich von einer Mitarbeit zu überzeugen. Patrick hat als angehender Arzt aus Kiel fast ein halbes Jahr in Myanmar und auf der Zawgyi zugebracht und das Medical Team in der Ultraschalldiagnostik bei Schwangeren geschult.


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können