ck/dpa
28.04.14 / 10:40

Das Geschäft mit der Schönheit im Iran

Im Gottesstaat Iran müssen Frauen in der Öffentlichkeit Körper und Haare unter Kleidung und Schleier verbergen. Wer glaubt, dass deswegen Schönheits-Operationen keine Rolle spielen, irrt sich.



Die Schönheitschirurgin Sara Ghorbani ist schon wieder nicht zu ihrer Mittagspause gekommen. Die Nasenoperation in der Scheich Bahaei Klinik in Teheran dauerte länger als gedacht. An manchen Tagen hat sie drei bis vier OPs. Ob nun Nase, Brust, Po oder Lippen - alle vermeintlichen Problemzonen werden von der 45-Jährigen korrigiert. "Über die Anzahl der Kunden, auch aus dem Ausland, kann ich mich nicht beklagen", sagt die Medizinerin. 

Der Schönheitswahn ist im Gottesstaat angekommen

Der Schönheitswahn hat in den vergangenen Jahren auch den Gottesstaat Iran erreicht. Nach Angaben der Vereinigung für plastische Chirurgie im Iran gibt es im Jahr landesweit bis zu 200.000 registrierte Schönheits-Operationen. Allein in der Hauptstadt Teheran arbeiteten 3.600 Chirurgen in diesem Bereich. Auch einige Zahnärzte für Mund- und Kieferchirurgie haben sich auf dieses Gebiet spezialisiert. 

Nicht alle Mediziner aber hätten die notwendige Qualifikation und nicht alle Operateure seien Fachärzte und Mitglieder, warnt die Vereinigung für plastische Chirurgie. Die Kunden würden von niedrigeren Preisen im Vergleich zu den Spezialisten angezogen. Allerdings passierten manchmal auch Fehler, mit möglicherweise irreparablen Folgen. "Die schaden unserem Ruf erheblich", sagt Ghorbani, die selbst der ISAPS angehört, der internationalen Vereinigung der ästhetischen plastischen Chirurgie. 

Augen, Nase, Lippen und Wangen sind enorm wichtig

Wegen der islamischen Vorschriften müssen Frauen im Iran in der Öffentlichkeit Körper und Haare mit einer langen Robe und unter einem Schleier verbergen. Die Männer sehen nur das Gesicht, dementsprechend sind Augen, Nase, Lippen und Wangen enorm wichtig. Genau sie werden hauptsächlich operiert. Unbestätigten Berichten zufolge legen sich jedes Jahr etwa 200.000 Frauen landesweit unters Messer. 

Manche von ihnen lassen sich ihre Brüste verkleinern, sagt Ghorbani. Weil Reis ein Hauptbestandteil des persischen Essens ist, haben viele Iranerinnen einen Bauch. Daher boome auch das Geschäft mit dem Fettabsaugen. "Ich verdiene zwar gut daran und kann nicht meckern, aber dieser Schönheitswahn im Land wird langsam zu einer mentalen Volkskrankheit, bei jung und alt", sagt ein Chirurg in Teheran, der nicht mit seinem Namen zitiert werden will. Auch Männer wollten inzwischen ihre Problemzonen operieren, erklärt der Arzt. 

Social Media transportieren das Image

Werbung im Internet, besonders in den sozialen Netzwerken, und in westlichen Fernsehsendern, die die Iraner über verbotene Satellitenschüsseln empfangen, haben das Interesse iranischer Frauen und Männer an Schönheits-Operationen geweckt. Obwohl das Establishment und besonders der Klerus immer wieder vor der "Invasion der westlichen Kultur" warnen. 

Eine Operation kostet mindestens 1.000 bis 2.500 Euro. Für iranische Verhältnisse ist das eine sehr teure Entscheidung. "Ist aber eine gute Investition", findet die 28 Jahre alte Nasila. "Das Klischee der inneren Werte habe ich schon lange aufgegeben, die Männer interessieren sich für was anderes, so einfach ist es halt", fügt sie hinzu.

Bessere Chancen bei den Männern

Viele verbinden mit einer Schönheits-OP die Hoffnung, einen Ehemann aus guter und reicher Familie zu finden und so die Zukunft abzusichern, am besten einen mit einem ausländischen Pass. Und dann wollen sie ein neues Leben in Westen beginnen. 

Lejla hätte mit ihrem Aussehen zufrieden sein können, doch die heute 33-Jährige ließ sich trotzdem operieren. "Ich wollte dann alles neu", sagt sie. Ihr Ziel: Bessere Chancen bei den Männern. Die Ärzte operierten ihre Nase und ihren Po, vergrößerten ihren Busen und spritzten die Lippen auf. All ihr erspartes Geld gab Lejla dafür aus.  

In der langen und weiten islamischen Robe waren ihre Rundungen anschließend kaum zu übersehen. Auch ihr Gesicht hatte sich völlig verändert. "Ich war zwar begehrter, hatte ein paar unbedeutende Abenteuer, aber das große Glück blieb aus", erzählt Lejla. Heute würde sie lieber wieder so aussehen wie früher. "Aber falls das überhaupt möglich wäre, müsste ich dafür das gleiche Geld noch mal ausgeben."

von Farshid Motahari, dpa


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