sp/pm
31.10.13 / 08:08

Die Mini-Vampire

Frühsommer-Meningoenzephalitis, Borreliose, Entzündungen - Zecken sind gefährliche Parasiten. Forscher haben jetzt entdeckt, wie sie uns aussaugen.



Forscher haben jetzt herausgefunden, wie Zecken ihre Werkzeuge einsetzen, um nach Blut zu bohren. Fotolia

Zu Halloween ist Grusel angesagt - passend dazu präsentieren Biologen nun eine Studie über die bizarren Strategien eines gefürchteten Blutsaugers: des gemeinen Holzbocks - der Zecke. Ihre Videos und mikroskopische Aufnahmen zeigen erstmals detailliert, wie die Mini-Vampire ihre bizarre Blutsauge-Apparatur einsetzen: Mit einer Reihe raffinierter Manöver zapfen die Parasiten ihre Opfer an und verankern sich schließlich für die ausgiebige Mahlzeit.

Tatort Mauseohr

Wie der Stechapparat der Zecken aufgebaut ist, war eigentlich bekannt. Doch wie ihn die Tiere konkret einsetzen, darüber gab es bisher immer noch Unklarheit. Die Forscher um Dania Richter von der Charité Berlin sind dieser Frage nun systematisch durch Videoaufnahmen des Stechvorgangs und elektronenmikroskopische Aufnahmen nachgegangen. Die Protagonisten waren dabei Zecken der Art Ixodes ricinu, die Tatorte Mauseohren.

Es zeigte sich, dass die Parasiten keinen simplen Bohr-, Säge- oder Schneidemechanismen nutzen, sondern sich mit einem Paar aus teleskopartigen Strukturen in die Haut bohren. Zuerst ritzt die Zecke die Haut mit ihnen an, dann dringen die beiden Strukturen jeweils unabhängig von einander ein und erweitern durch seitliche Bewegungen das Gewebe. Dann vollführen die flexiblen Werkzeuge gemeinsam eine Art Brustschwimmer-Bewegung, um das harpunenartige Saugrohr (Hypostom) tief in die Haut zu ziehen. Es ist mit Widerhaken besetzt, damit sich die Zecke in der Haut dauerhaft verankern kann.

Der blutige Schmaus beginnt

Um das Opfer nicht auf das fiese Treiben aufmerksam zu machen, injiziert die Zecke beim Stich ein Betäubungsmittel in die Wunde. Das Alarmsignal eines Schmerzreizes bleibt dadurch aus. Hat die Zecke ihren Stechapparat schließlich tief genug verankert, kann der blutige Schmaus beginnen.

Anders als Moskitos nehmen sie sich dazu viel Zeit: Bis zu einer Woche kann eine Zecke saugen, bis sie zu einem dicken Sack voll Blut angeschwollen ist und schließlich den Anker lichtet. Nun hat sie genügend energiereiches Futter getankt, um eine neue Generation blutgierigen Nachwuchses hervorzubringen.

Zecken der Art Ixodes ricinu sind in Europa weit verbreitet und nicht nur wegen ihrer parasitären Lebensweise berüchtigt. Sie können beim Stich die für den Menschen gefährliche Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen. Dies trägt sicherlich auch zum schlechten Ruf der Zecke bei. Für viele Mensch ist sie der Inbegriff einer ekelhaften Kreatur. Doch dabei sollte man bedenken: In der Natur gibt es kein gut oder schlecht. Auch die Zecke ist ein faszinierendes Lebewesen - wie sich jetzt zeigt, mit spektakulärer Ausrüstung.




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