nh
22.05.15 / 15:36

"Diese Erfahrungen sind beschämend"

Vor ihnen ist kein Patient gefeit: Behandlungsfehler im OP, auf Station oder in der Praxis. Doch bis Opfer zu ihrem Recht kommen, dauert es oft Jahre. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert den Leidensweg von Betroffenen bis zu einer Entschädigung zu verkürzen. Oft werden Gutachten vor Gericht nicht anerkannt, sagt Hardy Müller vom APS-Vorstand.



zm-online: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat seinen Bericht zur Begutachtung von Behandlungsfehlern vorgelegt. Daraus geht hervor, dass Gutachter des MDK rund 14.600 Expertisen zu vermuteten Behandlungsfehler erstellt haben - in 4.000 Fällen lag tatsächlich einer vor. Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Hardy Müller: Das Ergebnis liegt auf dem Niveau der Meldungen aus den vergangenen Jahren und die Quote der Anerkennung des Fehlers entspricht in etwa dem, was andere Stellen, die Statistiken erheben und Fälle prüfen und feststellen, wie zum Beispiel die Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern. Insofern sind die Ergebnisse nicht überraschend.

Eine Studie des Wissenschaftliches Instituts der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) zeigt, dass es in 39 Prozent der untersuchten Fälle fünf bis zehn Jahre dauert bis eine Entscheidung gefällt wird. Warum dauert das so lange?

Die Klärung von Behandlungsfehler-Vorwürfen ist ein sehr aufwendiges, komplexes und schwieriges Verfahren. Experten und Beobachter der Verfahren sehen oft eine Verzögerungstaktik mit dem Ziel, die Versicherten zu zermürben und selten ein echtes Interesse an einer schnellen Klärung der Fälle. Festzustellen ist: Je teurer der Fall desto länger die Bearbeitungszeit der Fälle.

Ein Grund ist, dass schon die Anforderung von allen notwendigen medizinischen Unterlagen zur Erstellung von Gutachten sehr zeitaufwendig und mühsam ist. Allein für diesen Schritt werden oft Monate benötigt. Außerdem werden immer Gutachten gebraucht, Entscheidungen der Versicherer ohne Gutachten sind aufgrund der schwierigen Sachlage so gut wie ausgeschlossen.

Zudem ist die Gutachtenerstellung sehr zeitaufwendig, ein Gutachten braucht in der Regel 6 bis 18 Monate Zeit. Hinzu kommt, dass am Ende nicht alle Gutachten akzeptiert werden und danach weitere Gutachten fällig werden. Dies führt zu enormen Verzögerungen. Letztlich ist dennoch eine Einigung ohne Einschaltung der Gerichte nicht möglich. Durch Überlastung der zuständigen Kammern sind sehr langwierige Gerichtsverfahren die Regel, wenn der Fall zu Gericht geht, werden erneute Gutachten angefordert, da der Richter oftmals nicht die sogenannten Parteigutachten für seine Entscheidung heranzieht.


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können