Petra Spielberg
19.08.14 / 08:14

Geh mir weg mit Forschung

Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Human- und Zahnmedizin haben es in Deutschland schwer. Eine schlechte Vereinbarkeit von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit, unzureichende Karriereperspektiven sowie befristete Arbeitsverträge machen eine Forschungsorientierung von Ärzten und Zahnärzten wenig attraktiv.



Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Berliner IGES-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel der Befragung war, belastbare Aussagen zu den Problemen von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen zu erhalten, die in Deutschland in der medizinischen Forschung tätig sind.

Hierfür wurden die Probleme zu verschiedenen Zeitpunkten in der wissenschaftliche Karriere sowohl von jungen Medizinerinnen und Medizinern aus der Human- und Zahnmedizin als auch für den Nachwuchs aus den medizinnahen Fächern wie Molekulare Medizin oder Humanbiologie erfasst. Befragt wurden sowohl der Nachwuchs selbst als auch humanmedizinische und zahnmedizinische Fakultäten.

Dreifachbelastung ist das zentrale Problem

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie: Für junge Ärztinnen und Ärzte ist die Dreifachbelastung durch Krankenversorgung, Forschung und Lehre das zentrale Problem. Aber auch die überwiegend Drittmittel-finanzierten sowie zeitlich befristete Stellen stellen eine Belastung insbesondere für den nichtärztlichen Nachwuchs dar. In der Zahnmedizin spielt dagegen eine Forschungsorientierung insgesamt eine wenig bedeutsame Rolle.

Ein wesentlicher Grund für die unzureichende Forschung in der Zahnmedizin ist aus Sicht der befragten Fakultäten der Zeitmangel des Lehrpersonals. Auch attraktive außeruniversitäre Berufsmöglichkeiten mit hohen Verdienstmöglichkeiten in freier Praxis lassen eine wissenschaftliche Karriere für Zahnmediziner unattraktiv erscheinen, heißt es.

Approbationsordnung nur wenig forschungsorientiert

Weitere Gründe sind eine mangelnde Spezialisierung in der Zahnmedizin, kaum Forschungsstellen außerhalb der Universitätsmedizin, eine veraltete, nicht forschungsorientierte Approbationsordnung, der hohe Zeitaufwand für die Durchführung von Studien sowie eine unzureichende Vernetzung mit der Humanmedizin und der Versorgungsforschung.

Nachwuchswissenschaftler und  Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Humanmedizin verbringen dagegen insgesamt mehr Zeit mit Forschungstätigkeiten, so die Studie. Gleichwohl wenden sie im Durchschnitt gut die Hälfte ihrer Zeit für die Patientenversorgung auf und nur etwa ein Fünftel für die Forschung.


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