Susanne Theisen
13.05.13 / 10:43

Keine Angst vor Verantwortung

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.



Julia Löwe: "Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil ich möchte, dass die Interessen der Basis gehört und umgesetzt werden.“ privat

Geht nicht gibt’s nicht, ist das Motto von Dr. Julia Löwe. Den Grundsatz verfolgt sie als Zahnärztin, als Mutter von zwei Kindern und seit einem Jahr auch als Delegierte der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen.

"Ich habe schon immer gerne Verantwortung übernommen“, sagt Löwe. "Egal, ob als Klassensprecherin oder als Elternvertreterin im Kindergarten meines Sohnes und der Schule meiner Tochter.“ Als sie von einem Kollegen gefragt wurde, ob sie sich nicht als Delegierte für die BZK zur Wahl stellen wolle, hat sie sich "gar nicht lange gewehrt“ und zugesagt. Löwe: "Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil ich möchte, dass die Interessen der Basis gehört und umgesetzt werden.“

Die Wahl in die Vertreterversammlung hat die 34-Jährige, die in Worms in einer Gemeinschaftspraxis mit ihrem Vater niedergelassen ist, nicht bereut. Auch nicht, dass sie zusätzlich einen Posten im Fortbildungsausschuss für die Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) übernommen hat.

Auch mit der älteren Generation verdrahtet

Ihr Engagement gibt ihr die Möglichkeit, den Kontakt zu anderen Zahnärzten in ihrer Region zu pflegen - etwas, das sie sehr schätzt. "Ich bin jemand, der gerne die Kollegen trifft und sich mit ihnen austauscht. Durch meinen Vater habe ich auch einen ganz guten Draht zur älteren Generation“, erzählt sie.

Im Fortbildungsausschuss berät Julia Löwe mit zwei weiteren Kolleginnen unter anderem, zu welchen Themen die Kammer Kurse für ZFA anbieten könnte. Bedarf besteht nach Aussage der Delegierten auf jeden Fall, vor allem, um die Qualifikationen der Auszubildenden zu verbessern. Löwe: "Viele Zahnärzte haben Probleme, gute Mitarbeiterinnen zu finden.“ 

Transferleistungen fielen einem Großteil der Bewerberinnen unglaublich schwer oder seien gar nicht drin. "Dass die Vorbereitung bestimmter Behandlungen bedarfsgerecht angepasst werden muss, ist eine Transferleistung, die von den Azubis oft nicht erbracht werden kann“, berichtet die Praxischefin. Auch in punkto Umgangsformen hätten die Azubis nicht selten Nachholbedarf. "Eine Frage, mit der wir uns im Ausschuss beschäftigen, lautet deshalb: Wie können wir den jungen Menschen helfen, ihre Defizite auszugleichen und die Zahnärzte so bei der Ausbildung ihrer ZFAs unterstützen?“, erklärt Julia Löwe.

Eine Lösung, an der der Ausschuss gerade arbeitet, sind Personal Management-Seminare. Sie sollen vor Ausbildungsbeginn angeboten werden und den Azubis die wichtigsten Grundlagen für die Selbstorganisation und das Auftreten im Praxisalltag vermitteln. "Das Konzept dafür steht soweit. Gerade suchen wir nach geeigneten Dienstleistern und klären, wer für die Kosten aufkommt“, fasst die Zahnärztin zusammen.

Die Dinge im Kleinen verbessern

Ein weiteres Thema, mit dem Löwe und ihre Kollegen sich beschäftigen, ist die Anhebung der Azubi-Gehälter, um den Beruf der ZFA attraktiver zu machen. "Außerdem setzen wir uns mit dem Fortbildungsausschuss für Zahnärzte zusammen und schauen, ob auch interdisziplinäre Teamfortbildungen Sinn machen. In Bereichen wie der Implantologie ist ja sehr stark das Team gefragt“, so Löwe. Die Arbeit im Fortbildungsausschuss mache ihr viel Spaß, sagt sie: "Es ist schön zu sehen, dass man die Dinge im Kleinen verbessern kann.“

In der BZK Rheinhessen läuft die Zusammenarbeit zwischen der jungen und älteren Generation laut Julia Löwe sehr gut. "Man ergänzt sich. Wir Jungen gehen besser mit den neuen Medien um und bringen moderne Technologien wie DVT, CEREC oder die Onlineabrechnung voran“, erklärt sie. Vorschläge zu diesen Themen nähmen die älteren Kollegen gerne an. "Sie sehen natürlich auch, dass die Notwendigkeit besteht, sich zu verändern. Schon allein um zu zeigen, dass die Zahnmedizin ein modernes Berufsbild ist“, erklärt Löwe. 

Auf der anderen Seite, so die Rheinhessin, profitierten die jüngeren Delegierten von der viel größeren Erfahrung der alt gedienten Standespolitiker. "Als Newcomer weiß man nicht, wie man bei Verhandlungen am besten vorgeht oder was schon alles versucht wurde. Da spitze ich immer meine Ohren und höre aufmerksam zu, um mir das ein oder andere abzugucken“, verrät die Delegierte.

Job, Kinder, Privatleben, Berufspolitik - Langeweile kommt bei Julia Löwe nie auf. Vor allem in der Weihnachtszeit ist ihr Terminkalender voll, erzählt sie: Da sind immer verschiedene Events in Schule oder Kindergarten, zum Beispiel Feiern oder Waffelverkäufe, für die man eingeteilt wird. Dazu kommen noch Sitzungen, die Arbeit in der Praxis und der zahnärztliche Qualitätszirkel, an dem ich regelmäßig teilnehme. Da gibt es schon Wochen, in denen ich ziemlich am Rotieren bin.“ 

Manchmal fällt das Gehen schwer

Im Großen und Ganzen lasse sich das Engagement mit dem Familienleben aber gut vereinbaren. "Oft finden die Veranstaltungen statt, wenn die Kinder schon schlafen. Aber natürlich sind auch Abende dabei, an denen wir nicht zusammen zu Abend essen können. Dann kommt es manchmal vor, dass die Kinder weinen und wollen, dass ich zu Hause bleibe - an solchen Abenden fällt es mir schon schwer zu gehen“, gibt die Zahnärztin offen zu.

Trotzdem will sie das Engagement in der Standespolitik beibehalten - und noch vielen anderen Interessen nachgehen. Sie sei einfach jemand, der immer wieder neue Projekte und Herausforderungen brauche. "In ein paar Jahren sind meine Kinder etwas älter und die Freiräume für andere Dinge wieder größer“, sagt Löwe. "Dann könnte ich mir auch vorstellen, bei Zahnärzte ohne Grenzen mitzumachen. Das wollte ich schon immer.“

Dr. Julia Löwe ist 34 Jahre alt und arbeitet seit 2012 im Fortbildungsausschuss für ZFA und im Satzungsausschuss der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen.
 
 
 
 

 


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