ck/dpa
28.04.14 / 08:45

Krimi um Herzzentrum am Bodensee

Die Geschichte hat ziemlich viel von dem, was einen guten Krimi ausmacht: Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft, ermittelnde Privatdetektive, Tonaufnahmen als Beweismittel - und vor allem jede Menge Gerüchte.



Seit Monaten steht das Herzzentrum Bodensee mit seinen Kliniken in Konstanz und im benachbarten Schweizer Kreuzlingen in der Kritik. 

Worum geht es bei den Vorwürfen?  

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit in drei Punkten. Zum einen sollen 47 Patienten Herzklappen erhalten haben, die in Deutschland nicht zugelassen waren. Außerdem soll die Klinik Ärzte trotz fehlender Zulassung eingesetzt und Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten haben. 

Zu diesen Ermittlungspunkten waren zahlreiche Gerüchte hinzugekommen: So hieß es unter anderem, die Klinik habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, Geräte seien nicht auf dem neuesten Stand und im Jahr 2004 sei eine Leiche unerlaubt transportiert worden. In diesen Fällen sei die Aufnahme von Ermittlungen aber abgelehnt worden, hieß es im Dezember bei der Staatsanwaltschaft Konstanz. "Da waren nach unserer Auffassung keine Straftatbestände erfüllt." 

Wer ist sonst noch an der Überprüfung beteiligt? 

Die Krankenkassen im Südwesten werten derzeit eine Stellungnahme des Herzzentrums aus. "Die Prüfung der Unterlagen und die umfassende Klärung des Sachverhalts dauern noch an", teilte ein Sprecher mit. "Ein Zeitpunkt, wann das Ergebnis vorliegt, ist derzeit nicht abschätzbar." 

Der Kanton Thurgau wiederum hatte das Herzentrum zum Teil entlastet: Eine Untersuchung habe ergeben, dass die Klinik die gesundheitspolizeilichen Voraussetzungen und den Leistungsauftrag in der geforderten Qualität nach wie vor erfülle. Es seien keine Abweichungen feststellbar, welche die Qualität der angebotenen Leistungen und das Wohl der behandelten Patienten infrage stellen. 

Wie reagierte die Klinik auf die Vorwürfe? 

Das Herzzentrum hatte sich im November 2013 gegen die Anschuldigungen gewehrt: Die Qualität der Herzklappen habe auch deutschen Vorgaben genügt, teilten die Betreiber damals mit. Weitere Vorwürfe, etwa dass Sozialabgaben unterschlagen wurden, seien haltlos. 

Ist es richtig, dass die Klinik nun auch Privatermittler eingesetzt hat? 

Ja. Die Klinik habe erfahren, dass unter anderem eine große Anzahl von Unterlagen mit nicht anonymisierten Patientendaten aus dem Herz-Neuro-Zentrum Bodensee in Umlauf seien, sagt der Sprecher. Diese seien gezielt an unbefugte Personen und Stellen verteilt worden. "Einen solchen hinsichtlich geschützter Daten schwerwiegenden Eingriff, auch in die Privatsphäre der Patienten, kann eine verantwortungsvolle Klinik nicht einfach ignorieren." Die Klinik habe daraufhin eine Firma engagiert, die spezialisiert darauf sei, "unlautere Angriffe auf Unternehmen abzuklären" und die Hintergründe zu ermitteln. 

Was kam dabei heraus? 

Im Januar spielte die Klinikleitung auf einer Pressekonferenz Tondateien vor, aus denen unter anderem hervorgehen sollte, das zwei ehemalige Angestellte die "Zerschlagung des Herzzentrums" angestrebt hätten, um eine eigene Herzklinik zu eröffnen. Zu hören sind darauf nach Angaben des Herzzentrums neben den privaten Ermittlern zwei ehemalige Ärzten der Klinik. 

Diese hätten vertrauliche Daten entwendet und auf "raffinierte Weise systematisch für eigene manipulierende Zwecke missbraucht", heißt es in einer Stellungnahme des Herzzentrums. "Dabei ging es erkennbar nicht um das Patientenwohl oder die Aufklärung von angeblich internen Missständen." Vielmehr hätten die beiden sich mit einem eigenen Angebot für Kardiologie selbstständig machen und dafür das Herzzentrum vernichten wollen. 

Medienberichten zufolge hatten sich die Privatdetektive gegenüber den Ärzten als Journalisten ausgegeben. Was sagt die Klinik dazu? 

Stimmt nicht, sagt der Sprecher. Bei der Frage, als was sie sich vorgestellt hätten, bleibt er allerdings etwas vage: Auf den Visitenkarten habe "Storyboard für Filmemacher" gestanden, zudem hätten die Ermittler nicht behauptet, von einem Sender oder einer Zeitung zu kommen. Stattdessen hätten sie gesagt: "Wir arbeiten nicht wie Journalisten, wir sind ein bisschen anders aufgestellt." 

Sind die Tonaufnahmen denn juristisch verwertbar? 

Die Klinik sagt dazu ganz klar: Ja. Die aufgenommenen Personen hätten der Aufnahme zugestimmt und müssten daher auch mit einer öffentlichen Verwendung ihrer Aussagen rechnen. "Dies umso mehr noch, als sie ja bewusst darauf abzielten, dass ihre erhobenen Vorwürfe gegenüber der Öffentlichkeit bekanntgemacht würden", sagt der Sprecher. Die Klinik hat daher Strafanzeige gegen die beiden Ärzte erstattet - unter anderem wegen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. 

Aber auch die betroffenen Ärzte haben rechtliche Schritte eingeleitet: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Konstanz haben sie wiederum Anzeige gegen die Privatermittler erstattet.

von Kathrin Streckenbach, dpa


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