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12.11.12 / 13:03

Moritz: 25 Jahre, HIV-positiv

Es ist früh am Morgen. In aller Eile und völlig verschlafen stopft Moritz seine Unterlagen in seine Tasche. Wie immer muss sich der 25-Jährige sputen, um pünktlich in der Uni zu sein.



"Ich lerne lieber nachts, wenn niemand mehr in der Bibliothek ist“, sagt er. Ein ganz normales Studentenleben?

Es ist noch nicht lange her, dass der Student der Germanistik und der Musikwissenschaften die Diagnose "HIV-positiv“ erhielt. Es waren seine Freunde und seine Familie, an die er sich im ersten Schock wendete, die ihn auffingen und ihm auch halfen, wieder zur Normalität zurück zu finden.

Träume von Blut

"Eine Woche auf das Testergebnis zu warten, war das Schlimmste für mich. Als dann die Ungewissheit weg war, fiel mir eine Last von den Schultern. Von da an wusste ich zumindest, wogegen ich kämpfen muss.“ In der ersten Zeit träumte Moritz jede Nacht von Blut. "Das war die Substanz, um die es ging“, erinnert er sich und erzählt, wie er es geschafft hat, sich aus der ersten Angst-starre zu lösen.

Ein Buddy an seiner Seite

Er ging zur lokalen Aids-Hilfe, die ihn beriet. Und sie stellte ihm einen "Buddy“ zur Seite - einen HIV-Positiven, nur wenige Jahre älter als Moritz selbst, der ihn monatelang intensiv begleitete. "Er hat mir gezeigt, dass es funktionieren kann, mit HIV zu leben, wenn man ein paar Dinge weiß und beachtet. Ich habe immer noch Kontakt zu ihm, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Moritz.

"Es war schwierig, mich meinen Eltern, Geschwistern und engsten Freunden anzuvertrauen, aber ich habe es geschafft und darauf bin ich stolz. Es war vor allem schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden und hat mich viel Mut und Überwindung gekostet. Aber es war wichtig, dass ich es allen gesagt habe.“

Noch sind die Blutwerte stabil

Nach und nach sagte es Moritz auch ausgewählten Kommilitonen. Diskriminiert wurde er nie. Moritz ist froh, dass seine Blutwerte noch so stabil sind, dass er die Antiretrovirale Therapie noch nicht beginnen muss. Der sonst so fröhliche junge Mann mit den blauen Augen wird nachdenklich, wenn er davon spricht, dass ihn die ganze Realität der Krankheit HIV/Aids sicherlich noch einmal mit einer ganz anderen Wahrhaftigkeit und Kraft einholen wird, wenn er irgendwann mit der Einnahme der Tabletten beginnt. Dies wird nötig sein, wenn die Konzentration der Viren in seinem Blut über einen bestimmten Wert steigt und die Anzahl seiner Helferzellen abnimmt.

Moritz: "HIV macht verschiedene Sachen komplizierter, aber nicht unlösbar. Ja, ich werde irgendwann jeden Tag Medikamente nehmen, das wird mir bestimmt auch mal auf die Nerven gehen. Aber ich kann mich glücklich schätzen, dass es heute so gute Medikamente gibt, dass ich auch mit HIV ein relativ normales Leben führen kann.“

Moritz ist sich sicher: Besonders einem jungen Menschen kann die Diagnose "HIV-positiv“ zwar zunächst buchstäblich den Boden unter den Füßen wegreißen. Aber mit der Hilfe von Familie, Freundinnen und Freunden sowie der Beratungsstellen vor Ort ist es möglich, einen guten Weg zu finden, um mit der Infektion umzugehen.

Anders ist nicht unbedingt schlechter

"Ich weiß, es gibt Dinge, die in der Zukunft liegen und nicht einschätzbar sind. Mein Leben wird nie wieder sein wie davor, das stimmt, aber es muss nicht unbedingt schlechter werden. Ich bin jung, ich bin positiv, ich denke jeden Tag darüber nach und werde das wahrscheinlich bis an mein Lebensende tun - aber ich habe trotzdem eine Zukunft!“



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