Susanne Theisen
02.05.13 / 14:01

Neuland erobern

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.



„Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil ich es wichtig finde, dass sich auch jüngere Kollegen dafür interessieren“, sagt Dr. Inga Kristine Holstermann, 33 Jahre. Privat

Skifahren, Golf spielen, tanzen, segeln - Inga Holstermann ist gerne in Bewegung. In der Standespolitik kommt ihre Energie der zahnärztlichen Versorgung alter und behinderter Menschen zugute.

Schon als Jugendliche hat Inga Holstermann in der Zahnarztpraxis ihres Vaters gejobbt, nahm Telefonanrufe entgegen und erledigte kleinere Verwaltungsaufgaben. Sie wuchs mit dem Beruf auf und fand ihn spannend, vor allem den handwerklichen Aspekt. Nach der Schule beschloss sie deshalb, selbst Zahnärztin zu werden.

Von 2000 bis 2006 studierte die Bremerin in Leipzig und Würzburg und ist jetzt in einer Gemeinschaftspraxis mit ihrem Vater niedergelassen. Auch der jüngere Bruder ist mit im Boot und absolviert dort gerade seine Assistenzzeit. Später werden die beiden Geschwister die Praxis zusammen führen - ein echter Familienbetrieb.

Die Unterstützung durch Vater und Bruder hat Inga Holstermann den Schritt in die Standespolitik erleichtert, weil sie ihr viel Flexibilität bringt. "Für viele Kollegen ist es nicht so einfach, sich für einen Termin in der Kammer frei zu nehmen oder auch mal zwei oder drei Tage am Stück weg zu sein. Die müssten dafür Urlaub nehmen oder die Praxis schließen. Ich habe zwei Kollegen, die zusätzlich noch Familie sind, die mich vertreten können“, erklärt die junge Praxisinhaberin.

Ein überraschendes Angebot

Ein Sommerfest der Landeszahnärztekammer und der KZV war der Auftakt für Inga Holstermanns Einstieg in die Standespolitik. Auf dem Fest kam sie mit ein paar Mitgliedern des Vorstands ins Gespräch. "Zwei Wochen später rief mich dann ganz unerwartet ein Vertreter der Kammer an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, das Referat für Alten- und Behindertenzahnheilkunde zu übernehmen“, erzählt sie. Fachlich bedeutete das komplettes Neuland für die Zahnärztin mit dem Schwerpunkt Implantologie.

Nicht nur aus diesem Grund bat sie sich erst einmal einen Tag Bedenkzeit aus. "Ich schrieb zu der Zeit noch an meiner Doktorarbeit und wollte mich endlich in die Arbeit als Zahnärztin stürzen. Ich wusste einfach nicht, ob ich genug Zeit für den Posten haben würde. Aber dann fand ich, dass sind zu wenige Bedenken, um es nicht zu machen, und habe zugesagt“, so Holstermann. Außerdem habe sie das Thema Alten- und Behindertenzahnheilkunde sehr interessiert.

Neue Konzepte im Blick

Als Referentin nimmt die Bremerin für ihre Landeszahnärztkammer an den einmal pro Jahr stattfindenden Koordinierungskonferenzen im Bereich Alten- und Behindertenzahnheilkunde teil. Dort werden Status quo und Entwicklungen im Bereich der Alten- und Behindertenzahnheilkunde vorgestellt und diskutiert. "Als Referentin gehört es zu meinen Aufgaben, dem Vorstand der Kammer anschließend zu berichten, was sich auf dem Fachgebiet in den anderen Ländern und auf Bundesebene tut“, erklärt sie.

Über neue Konzepte hält Holstermann sich auch als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin auf dem Laufenden. Zudem ist sie im Arbeitskreis Alterszahnheilkunde aktiv. Insgesamt investiert die junge Standespolitikerin etwa 14 Tage im Jahr in ihr Engagement.

Der Zeitaufwand lohne sich. "Ich habe die Möglichkeit, den Berufsalltag mitzuprägen“, sagt sie. So habe die KZV Bremen beispielsweise eine Umfrage gestartet, um die zahnärztliche Versorgung in Bremer Senioren- und Behinderteneinrichtungen zu untersuchen.

Alle Generationen sind wichtig

Von gleichaltrigen Kollegen hört die Inga Holstermann oft, dass sie sich nicht engagieren, weil sie gerade eine eigene Praxis gegründet haben. "Dafür habe ich absolutes Verständnis“, sagt die Zahnärztin. "Neugründer müssen zusehen, dass sie ihre Kredite abbezahlen. Dass sie sich in dieser Situation nicht in die Standespolitik stürzen wollen, ist nachvollziehbar.“

Wenn sich die Turbulenzen der ersten Jahre gelegt haben und der zeitliche Spielraum größer wird, lässt sich das Engagement für den Berufsstand nach Inga Holstermanns Einschätzung allerdings ohne große Probleme schultern. "Wenn man nicht gerade Kammerpräsident ist, ist das ein zeitlicher Rahmen, der sich gut einrichten lässt - vor allem, wenn man wie ich, nicht allein in der Praxis ist. Und das trifft ja auf viele Kollegen und Kolleginnen zu“, findet sie. Ihrer Ansicht nach ist es wichtig, dass alle Generationen in der Standespolitik vertreten sind.

Ein guter Start

Vor fehlender Unterstützung müsse sich keiner fürchten, beteuert Inga Holstermann. Trotz fehlender Erfahrung sei ihr Einstieg in die Standespolitik und das Referat ohne Probleme gelungen. Sie habe sich ohne Druck in das Amt eingewöhnen können und viel Unterstützung bekommen.

Den Empfang beschreibt sie als außerordentlich herzlich. Das lag unter anderem an ihrem Alter, glaubt sie. Von den nächst älteren Kollegen trennen sie ein paar Jahre. Mit ihren 33 Jahren fiel Inga Holstermann da auf - positiv, wie sie berichtet: "Die Kammer wollte jemand Junges auf dem Posten - das habe ich deutlich gemerkt. Im Nachhinein haben mir auch viele Kollegen gesagt, dass sie es richtig schön finden, wieder mal ein junges Gesicht zu sehen.“

Den Altersschnitt will Inga Holstermann auch in Zukunft drücken. "Ich bleibe der Standespolitik auf jeden Fall treu - das weiß ich. Aber in erster Linie möchte ich jetzt als Zahnärztin arbeiten, das macht mir richtig Spaß. Die Zeit, die ich zurzeit in die Standespolitik investiere, reicht deshalb erst einmal.“

Gremium: In der Landeszahnärztekammer Bremen ist Holstermann seit 2010 aktiv. Sie ist  Referentin für Alten- und Behindertenzahnheilkunde.
 
 


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